Woher kommt der Aberglaube? Freitag, der 13., ist besser als sein Ruf

Fakt ist: Am Freitag, den 13., geschehen im Landkreis Verden nicht mehr Unglücke als sonst. Nach Ansicht von Experten besteht also kein Grund, sich an diesem Tag tief unter der Bettdecke zu verkriechen.
12.04.2018, 16:58
Lesedauer: 3 Min
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Freitag, der 13., ist besser als sein Ruf
Von Jörn Dirk Zweibrock

Gleich zwei vermeintliche "Unglückstage" gibt es in diesem Jahr. Sowohl dieser Freitag, 13. April, als auch der zweite Freitag im Juli fallen auf einen 13. Nach Ansicht von Experten besteht aber nun wirklich kein Grund, sich an beiden Tagen zu Hause ganz tief unter der Bettdecke zu verkriechen – im Gegenteil. "Weder in astrologischen Konstellationen noch in Statistiken zeigen sich erkennbare Unterschiede zu einem ganz normalen Tag", sagt die Bremer Astrologin Christine Keidel-Joura, die in der Hansestadt auch eine Astrologie-Schule betreibt.

Auch Helge Cassens, Sprecher der Polizei-Inspektion Verden/Osterholz, bestätigt, dass es an diesem Tag aus polizeilicher Sicht nicht zu einer Häufung von Einsätzen, Unglücken oder sonstigen Vorfällen mit besonderer Bedeutung kommt. Ein kausaler Zusammenhang bestehe also nicht, deswegen sei dieser Tag auch für die Polizei "kein Thema".

Die Zahl 13 gelte deswegen als Unglückszahl, weil sie kulturhistorisch als Zerstörung einer höheren Ordnung gesehen werde, erläutert die Bremer Astrologin. Dies liege unter anderem daran, dass die vorherige Zahl, die Zwölf, sehr gut teilbar sei. "Die Zwölf war als Dutzend in früheren Zählweisen eine beliebte Messgröße. Darum wurde das Jahr schließlich in zwölf Monate eingeteilt." Galt die Zwölf dementsprechend als heilige Zahl, wurde die 13 hingegen immer schon als zerstörerisch angesehen.

Biblischer Aberglaube

Christine Keidel-Joura zieht in diesem Kontext gleich eine Parallele zur Bibel: "Judas war der 13. im Bunde von Jesus und seinen zwölf Jüngern. Angeblich soll er ja an einem Freitag gekreuzigt worden sein – und so erklärt sich das Unglückliche, dass diesem Tag auch aus christlicher Tradition anhaftet."

Gibt es an besagtem Freitag eigentlich mehrere Krankheits- oder gar Todesfälle, oder ist der große Wirbel um Freitag, dem 13. in Wirklichkeit nichts als Spökenkiekerei? "Dieser Tag ist auch bei unseren Kollegen immer wieder Thema.

Ich kenne allerdings keine Ausreißer und kann daher nicht bestätigen, dass es an diesem Datum mehr Unfälle oder andere Erkrankungen gibt", betont Peter Ahrens, Ärztlicher Direktor der Aller-Weser-Klinik (AWK) Verden. Allerdings sei manchmal die subjektive Wahrnehmung der Menschen eine andere, spielt der Mediziner auf das Phänomen der selbsterfüllenden Prophezeiung, der sogenannten self fulfilling prophecy an.

Die Verdener Psychologin Birgit Spieshöfer erklärt dies wie folgt: "Wenn Menschen Angst vor einem bestimmten Ereignis haben, stellen sie es sich permanent vor. Aus der Angst heraus entstehen dann Bilder, das Gehirn baut sich seine eigene Geschichte dazu auf. Wird sie plötzlich wahr, geraten diese Menschen dann in einen Teufelskreis." Die Psychologin rät deshalb allen Menschen dazu, offen mit ihren Gefühlen umzugehen. "Das hat auch immer etwas mit Vertrauen zu tun. Wer vertraut, kann besser mit allen Situationen umgehen", ist sie überzeugt.

Ein Tag wie jeder andere

Astrologin Christine Keidel-Joura hat exklusiv für den WESER KURIER in die Sterne geschaut und weiß, dass an diesem Freitag, 13. April, Konstellationen bestehen, die eine neue Sicht auf die Dinge erforderlich machen. "Toleranz und Gelassenheit wollen gepflegt werden. Anstatt vor allem Probleme zu sehen, ist es nun besonders ratsam, nach vorne zu schauen und einfach etwas Gutes zu schaffen." Unabhängig von der christlichen Tradition genieße dieser Wochentag sowieso einen schlechten Ruf, weiß die Bremer Astrologin.

"Der Freitag gilt als Tag der Venus, der früher den venerischen Interessen zugeordnet war", erklärt Christine Keidel-Joura. Venerisch, dieses Wort bezieht

sich auf die Erotik, die Liebe und das Verlangen. Dass sich der Freitag am Ende einer Börsenwoche befinde, wo er ganz besonders bei schlechten Ereignissen in Erinnerung bleibe, mache es an diesem Tag nicht gerade leichter, erinnert die Astrologin.

Peter Ahrens versucht an diesem Freitag jedenfalls, einen Termin in Hannover wahrzunehmen. "Ich fürchte allerdings, dass mich die Warnstreiks behindern werden. Das liegt wahrscheinlich am Datum", mutmaßt er.

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