Schönes für Haus und Garten in der Werk-Kunst-Ausstellung / Schüler bieten Marmeladen und Kuchen an

Frühlingserwachen im Verdener Rathaus

Verden. Gelbe Blumen auf Treppenstufen und Kaffeetischen, zarte Osterdekoration auf beiden Etagen des Verdener Verwaltungssitzes: Während es anhaltend regnete, setzten 26 Kunsthandwerker, die dort am vergangenen Wochenende bei der Werk-Kunst-Ausstellung ihre Kreationen präsentierten, mehrheitlich auf den Frühling. Bunte Blüten, Accessoires für Haus, Garten und Balkon, Schmückendes aus Naturmaterialien sowie Unikate zum Beispiel aus Leder, Glas und Holz stellten die Besucher vor die Qual der Wahl.
07.03.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von GISELA ENDERS
Frühlingserwachen im Verdener Rathaus

Christina Mohwinkel hat sich der Naturfloristik verschrieben. Sie war eine von 26 Kunsthandwerkern, die bei der Werk-Kunst-Ausstellung im Verdener Rathaus ihre Stücke präsentierten.

Björn Hake

Gelbe Blumen auf Treppenstufen und Kaffeetischen, zarte Osterdekoration auf beiden Etagen des Verdener Verwaltungssitzes: Während es anhaltend regnete, setzten 26 Kunsthandwerker, die dort am vergangenen Wochenende bei der Werk-Kunst-Ausstellung ihre Kreationen präsentierten, mehrheitlich auf den Frühling. Bunte Blüten, Accessoires für Haus, Garten und Balkon, Schmückendes aus Naturmaterialien sowie Unikate zum Beispiel aus Leder, Glas und Holz stellten die Besucher vor die Qual der Wahl.

Gleich in der Nähe des Eingangs hatten Lena und Katja, Schülerinnen des 10. Jahrgangs der Klaus-Störtebeker-Schule, ihren Stand aufgebaut und verkauften dort, was während des Winters durch Mitarbeiter der Schülerfirma produziert worden war. Auf 16 Sorten Marmelade hatten es die kreativen Köpfe gebracht und es durfte probiert werden, bevor die süßen Leckereien zum Glaspreis von drei Euro über den Tisch gingen. Orange-Vanille, Himbeer-Grapefruit, Birne-Mango, Ingwer-Zitrone und weitere außergewöhnliche Kombinationen hatten die Jugendlichen im Angebot; der Erlös fließt in verschiedene Projekte der Schülerfirma.

Philosophie eines Holzhandwerkers

Bei Johannes Lintzel wurde fündig, wer als Unterlage für sein Marmeladenbrot gern zum Frühstücksbrettchen greift. Der Holzhandwerker hatte in seiner Jugend die Schule „geschmissen“, war aufs Land gezogen und einfach so ins Leben gestartet, wie er berichtete. Im Garten seines alten Hauses in Gistenbeck bei Lüchow-Dannenberg baue er Gemüse zum Eigenverbrauch an und komme von jeher mit wenig klar. „Ich bin bescheiden und verbringe meine Zeit gerne mit Dingen, die mir Freude bereiten“, verdeutlichte Lintzel seine Lebensphilosophie.

Die Hauptrolle spielten dabei heimische Hölzer, die in Hülle und Fülle in seiner Umgebung zu finden seien. Dazu zählen Eiche, Esche, Ulme, Ahorn, Kirsch, Apfel und Birne, die sich, weil schnittfest, allesamt zu Brettchen verschiedener Formen und Größen verarbeiten lassen. „Erle und Nadelhölzer eignen sich nicht, die sind viel zu weich“. Nachdem das Holz geworben wurde, lässt der Naturliebhaber es im Sägewerk schneiden, schält es und verfrachtet es auf den Dachboden, wo es pro Zentimeter Holzstärke ein Jahr trocknen muss. Erst dann sei der letzte Rest Feuchtigkeit gewichen, dann entstehe das Endprodukt.

Wer schon jetzt Appetit auf lecker belegte Brötchen oder saftige Torten verspürte, wurde auf den Fluren des Erdgeschosses fündig. Schüler der Klasse 9s2 des Domgymnasiums hatten kleine Tische hübsch dekoriert, und am Büffet fiel die Auswahl zwischen Zitronen-Baiser, Joghurt-Mango- und Käsekuchen schwer. „Die Torten sind selbstverständlich selbst gemacht“, warben Martin Kuhlmann und Tim Pape für den Verzehr des leckeren Hüftgoldes. Die Einnahmen sind für die Finanzierung einer zweitätigen Klassenfahrt nach Hamburg gedacht.

Aus der Hansestadt war Rima Görler gekommen. Die Designerin hat sich auf die Herstellung fantasievoller Stempel spezialisiert, die etwa zum Bedrucken von Stoffen, Grußkarten oder Geschenkverpackungen eingesetzt werden. Oft arbeite sie im Kundenauftrag, erzählte die Künstlerin. Babys erster Fußabdruck auf der Geburtsanzeige oder auch Familienwappen – es gäbe zahlreiche Möglichkeiten zum Einsatz der Stempel. Ihre besondere Leidenschaft gelte indes der Herstellung großer Exemplare, die in der Stoffgestaltung verwendet werden. „Mit spezieller Textilfarbe kann man seiner Fantasie freien Lauf lassen und schnell ein eigenes Design entwickeln.“

Helga Hamann-Kunstleben ist Kalligrafin. „Das ist der schönste Beruf der Welt“, begeistert sie sich noch immer für die Technik, die sie seit mehr als 50 Jahren begleitet. Mit einer speziellen Feder bringt sie nach zeitaufwendigen Vorarbeiten uralte Schriftarten auf feines Papier. „Ich brauche für meine Entwürfe zehn bis 30 Stunden“, verriet sie. Jeder Strich müsse genau sitzen, sonst sei sie nicht zufrieden. Ist das Original geschaffen, werden in einem kleinen Unternehmen Nachdrucke gefertigt. „Wichtig ist, dass ich meine Hand immer beweglich halte und sie vor Kälte schütze“, erklärte die diplomierte Architektin und Stadtplanerin und freute sich über ihren warmen Platz in der oberen Etage des Rathauses.

„Ein Stand im Freien wäre für mich nicht geeignet“.

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