Das Verdener Landgericht befasst sich ab Dienstag mit Banden-Aktivitäten

41-Jähriger soll Ausländer eingeschleust haben

Landkreis Verden. Er soll zu einer großen Tätergruppe gehört haben, die sich auf das Einschleusen von Ausländern auf einer Route fast rund um den Globus spezialisiert hatte: von der Türkei über Südamerika nach Spanien oder Italien und nach Deutschland. Ein 41-Jähriger muss sich ab Dienstag wegen Verstoßes gegen das Aufenthaltsgesetz vor der 7.
02.01.2017, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Angelika Siepmann

Landkreis Verden. Er soll zu einer großen Tätergruppe gehört haben, die sich auf das Einschleusen von Ausländern auf einer Route fast rund um den Globus spezialisiert hatte: von der Türkei über Südamerika nach Spanien oder Italien und nach Deutschland. Ein 41-Jähriger muss sich ab Dienstag wegen Verstoßes gegen das Aufenthaltsgesetz vor der 7. großen Strafkammer des Landgerichts Verden verantworten. Der Mann mit angeblich unbekannter Staatsangehörigkeit sitzt derzeit in Untersuchungshaft.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich das Landgericht mit den weltumspannenden Aktivitäten der Gruppe befasst, der noch eine „Vielzahl“ weiterer, nicht ermittelter Menschen im In- und Ausland angehört haben sollen. Im August 2015 hatte die 2. große Strafkammer einen 37-jährigen Langwedeler wegen bandenmäßigen und gewerbsmäßigen Einschleusens von fünf Flüchtlingen aus Syrien zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Er hatte in seiner Einlassung zum Prozessauftakt erklärt, sich diesen Menschen verpflichtet gefühlt zu haben. Sie seien wie er Jesiden. Zur Überzeugung der Kammer beteiligte sich der Langwedeler an den Taten, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. In welchem Umfang er von den sogenannten Garantieschleusungen profitierte, habe man nicht genau feststellen können, hieß es seinerzeit in der Urteilsbegründung. Das Gericht ging von 500 Euro pro Schleusung aus. Der Mann war in den „Job“ seines Vaters eingestiegen, der im Mai 2014 festgenommen und im Dezember des Jahres eine Bewährungsstrafe von 22 Monaten erhalten hatte.

Nun wird die 7. Strafkammer an vorerst neun anberaumten Verhandlungstagen bis Mitte Februar beleuchten, wie und in welchem Maße der 41-Jährige in dem internationalen Räderwerk tätig war. Die Staatsanwaltschaft geht laut Pressemitteilung des Landgerichts davon aus, dass der jetzt Angeklagte zu einer Gruppe gehörte, die „auf der Grundlage fester Vereinbarungen und arbeitsteiliger Absprachen“ agierte. Ziel sei es gewesen, Personen ohne gültigen Pass und Aufenthaltsgenehmigung in die Bundesrepublik oder einen anderen Staat zu schleusen, der Mitglied des Schengener Abkommens ist. Mit Unterstützung zahlreicher Helfer soll die Gruppe die „Reisen der Einschleusungswilligen“ organisiert haben. Die Touren führten offenbar per Flugzeug von der Türkei nach Südamerika, dann nach Südeuropa. Für die Reisen waren nach den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft zwischen 9000 und 11 000 Euro pro Person fällig. Es ist von einer „Vielzahl von im Einzelnen noch unbestimmten Einschleusungen“ die Rede. Dem 41-Jährigen, der aus Südostanatolien stammen soll, schreibt die Anklagebehörde diverse Funktionen zu. So soll er falsche Reisepässe beschafft, brasilianische Visa erschlichen und Flugtickets gebucht haben. Ein „in Achim aufhältiger“, gesondert verfolgter Mann soll von den in Deutschland befindlichen Auftraggebern die jeweiligen Aufträge und auch das Geld für die Schleusungen entgegengenommen haben. Der Achimer soll diese Beträge an den 41-Jährigen weitergeleitet haben, der in der Türkei die Fäden zog. Angeklagt sind zwölf „Einzelvorgänge“.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+