Spielplätze in Achim Tadel für schlechtes Timing

Vor Kurzem wurden - mitten im Lockdown - auf zwei Spielplätzen in Bierden einige Geräte abgebaut. Bei Eltern sorgt das für Unverständnis. Die Verwaltung begründet den Schritt mit Sicherheitsbedenken.
19.01.2021, 16:46
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Tadel für schlechtes Timing
Von Elina Hoepken

Wenn bei einer Sitzung der Fachausschüsse in Achim die Planungen für den neuen Haushalt auf der Tagesordnung stehen, ist vorab meist klar, dass das der Punkt sein wird, zu dem es die längsten und kontroversesten Diskussionen geben wird. Immerhin geht es dabei in den meisten Fällen um sehr viel Geld. Als am Montagabend nun der Sozialausschuss zusammenkam, sorgte überraschenderweise allerdings ein ganz anderes Thema für viel Aufregung und einige Auseinandersetzungen. Ein ging um die Spielplätze in Achim. Genauer gesagt um zwei Spielplätze in Bierden, auf denen in den vergangenen Tagen von Mitarbeiter des Bauhofs zahlreiche Spielgeräte abgebaut worden waren, sodass diese nun nahezu kahl sind.

Ein Vorgehen, das nicht nur bei vielen Eltern im Ortsteil, sondern auch bei dem ein oder anderen Politiker für Unverständnis sorgte. Bereits im Vorfeld der Sitzung hatten sich zahlreiche Eltern an die Verwaltung, die Politiker und auch die Presse gewandt und ihren Unmut kundgetan. „Wie kann man in Coronazeiten, jetzt wo wir wieder im Lockdown sind, einen Spielplatz abreißen?“, fragt etwa eine Mutter in einem offenen Brief, der auch an den ACHIMER KURIER ging. „Ich als Mutter muss mir nun die traurigen Augen meines eh schon viel zu kurz kommenden Kindes ansehen, weil es jetzt nicht mal mehr auf den Spielplatz kann.“ Seit 30 Jahren seien insgesamt vielleicht zwei Spielgeräte repariert worden. „Die übrigen wurden dann entfernt und nicht mehr durch neue ersetzt. Auf ein Jahr länger käme es nicht mehr an.“

Wenig Besänftigung

Die Erklärungen der Verwaltung trugen am Montagabend nur wenig zur Besänftigung bei. „Wir haben schon vor einigen Wochen mit den Planungen angefangen, weil wir an den Spielplätzen in Bierden etwas verändern wollen“, sagte der zuständige Mitarbeiter Till Bräkling. Es sei schon seit längerer Zeit bekannt, dass die Spielgeräte insbesondere am Spielplatz an der Otto-Wels-Straße und an der Wilhelm-Leuschner-Straße sehr alt und in keinem guten Zustand sind. Auf der Agenda des Fachbereichs haben daher für die kommenden zwei Haushaltsjahre auch Veränderungen in Bierden mit seinen insgesamt vier Spielplätzen gestanden.

Unabhängig von diesen Überlegungen habe dann der Bauhof bei einer seiner Kontrollen der Geräte festgestellt, dass diese kaputt sind. „Aufgrund der Sicherheit konnten die Geräte daher nicht mehr länger dort stehen bleiben“, begründete Bräkling den Abbau. Dies stellte die Politiker aber nicht zufrieden. „Gerade jetzt mitten im Lockdown ist dieses Vorgehen doch sehr unglücklich“, sagte etwa Michael Pahl (SPD). Zumal es aus seiner Sicht auch unglaubwürdig sei, dass die Geräte ausgerechnet jetzt abgebaut werden mussten, nachdem auf den Spielplätzen zuvor rund 30 Jahre nichts passiert sei. „Diese Planung ist aus meiner Sicht inakzeptabel und ich frage mich, wo da das Fingerspitzengefühl bleibt“, kritisierte Pahl.

Eltern und Politiker überrascht

Neben den Eltern sei auch die Politik von diesem plötzlichen Vorgehen überrascht worden. „Ich hätte mir gewünscht, dass wir vorab informiert werden, wenn eine solch große Maßnahme stattfindet.“ Es sei schlichtweg die falsche Reihenfolge, erst die alten Plätze abzureißen und sich dann Alternativen zu überlegen. „Es muss dort dringend Abhilfe geschaffen werden, um schnellstmöglich eine Lösung zu finden“, forderte Pahl.

Denn die Spielplatz-Planung in Bierden steht zwar auf der Agenda des Fachbereiches für die kommenden zwei Jahre, dort jedoch an letzter Stelle. Zuvor sind auch noch Änderungen am Spielplatz Am neuen Lande, an der Steuben-Allee und im Magdeburger Viertel geplant. „Der letzte Spielplatz auf unsere Liste könnte, wenn es optimal läuft, Ende 2022 fertig sein“, rechnete Bräkling vor. Zu spät, wie auch Silke Thomas (Grüne) fand. Dann wären seit dem Abbau der Geräte in Bierden immerhin fast zwei Jahre vergangenen. „Ich plädiere dafür, dass wir die Maßnahmen in Bierden vorziehen“, sagte sie.

Bernd Junker (SPD) waren die Pläne der Verwaltung hingegen ohnehin zu vage. „Beim Ausbau unserer Straßen haben wir eine genaue Prioritätenliste, welche Maßnahmen als nächstes anstehen. So etwas würde ich mir auch für die Spielplätze wünschen“, sagte er. Auf diese Weise könne man auch ein Kommunikationsproblem wie jetzt in Bierden verhindern. Bräkling indes verwies auf die bestehende Maßnahmenliste für die kommenden zwei Jahre, die den Rahmen vorgeben solle.

Spielplatz am Stadtwald

Eine Unbekannte in diesen Planungen war bis Montagabend allerdings noch ein möglicher Spielplatz am Stadtwald. Wie berichtet, hatte der Nabu bereits 2010 dort einen Mehrgenerationenspielplatz ins Gespräch gebracht. „Wenn die Politik sich dafür entscheidet, dann würden wir in den kommenden zwei Jahren die Planungen anschieben und könnten zum Doppelhaushalt 2023/2024 darüber sprechen, was es kostet“, erklärte Bräkling. Wie Karl-Heinz Lichter (CDU) anmerkte, müsse für konkretere Planungen allerdings vermutlich der dortige Flächennutzungsplan geändert werden. Dies wollte man in der Dienstagabend anstehenden Sitzung des Planungsausschusses noch einmal thematisieren. Finanziell bräuchte die Verwaltung dafür voraussichtlich keine zusätzlichen Mittel. „Was wir jetzt an Geld für die Vorplanungen für einen Spielplatz am Stadtwald brauchen, nehmen wir aus dem laufenden Etat“, erklärte Bräkling.

Die Politik stimmte den geplanten Maßnahmen für die Spielplätze in der Stadt letztlich einstimmig zu – allerdings mit dem Hinweis, die Arbeiten in Bierden vorzuziehen.

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