Sozialer Wohnungsbau

Achim fährt nur zweigleisig

Wurden für die Strategie zum Schaffen von bezahlbarem Wohnraum in Achim zunächst noch private Genossenschaften ins Kalkül gezogen, besteht daran inzwischen kein Interesse mehr. Zumindest nicht bei den Bürgern.
27.06.2019, 17:51
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Achim fährt nur zweigleisig
Von Kai Purschke
Achim fährt nur zweigleisig

Neubauvorhaben, die den Menschen bezahlbaren Wohnraum bieten, werden in Achim dringend benötigt. Auf zwei Wegen will die Stadt sie derzeit bekommen.

Björn Hake

Das Thema bezahlbarer Wohnraum beschäftigt die Region mehr denn je. So hat der Gemeinderat Thedinghausen gerade erst beschlossen, ein von der Gemeinde gekauftes Grundstück an eine noch zu gründende Bürger-Wohnungsgenossenschaft zu vergeben (wir berichteten).

Investoren künftig die Zusage abzuringen, bei der Schaffung neuer Wohneinheiten einen Mindestanteil an bezahlbaren Wohnungen umzusetzen, soweit wollte der Rat aber (noch) nicht gehen. Anders in Achim: Die Zusage, 20 Prozent neuer Wohnungen als sozialen Wohnungsbau zu entwickeln, hat die Stadtverwaltung sowohl mit den Investoren für die nördliche Innenstadt als auch mit denen fürs Runken-Quartier ausgehandelt. Dafür ist von einer Bürger-Wohnungsgenossenschaft in der Weserstadt schon lange keine Rede mehr.

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Dabei hatte der Erste Stadtrat Bernd Kettenburg im Dezember 2017 während einer Informationsveranstaltung im Rathaus zur richtigen Strategie Achims noch dringend angeraten, dreigleisig zu fahren: die erwähnte Verpflichtung für Investoren, eine stärke Zusammenarbeit mit der Kreisbaugesellschaft und die Unterstützung durch die Stadt Achim für private Genossenschaften. „Ich möchte der politischen Diskussion überhaupt nicht vorgreifen, aber meine ganz persönliche Meinung ist, dass wir alle drei Schienen brauchen“, hatte Kettenburg gesagt. Die interfraktionelle Arbeitsgruppe bezahlbarer Wohnraum sollte sich anschließend mit dem Thema befassen.

Mittlerweile stützt die Stadt Achim ihre Bemühungen aber nur noch auf zwei Säulen, das Modell Wohnungsgenossenschaft „hat sich irgendwie verflüchtigt“, sagt Kettenburg nun, der die Entwicklung in Thedinghausen daher jetzt interessiert verfolgen will. In Achim sei bislang keine private Genossenschaft an die Verwaltung herangetreten. „Was nicht heißt, dass dies nicht noch geschehen kann. Wir sind jedenfalls nicht abgeneigt, solch ein Vorhaben ideell zu unterstützen“, erklärt er. Aber derzeit gelte eben: „Wir fahren aktuell nur auf zwei Schienen.“

Stadt bringt eigene Grundstücke ein

In der Kreisbaugesellschaft ist die Stadt Achim (Mit-)Gesellschafterin und will daher weiter forcieren, dass in Achim Wohnungen auf diesem Weg entstehen. „Noch warten wir aber alle auf die neuen Richtlinien zur Wohnbauförderung des Landes“, erklärt Kettenburg.

Mithilfe der Kreisbaugesellschaft könne Achim dann auf eigenen Grundstücken sozialen Wohnungsbau umsetzen – etwa im Runken-Quartier, wo der Stadt bereits das Areal mit der Obdachlosenunterkunft am Roggenkamp gehört und wo sie kürzlich auch das Nachbargrundstück Roggenkamp 2/2a erworben hat. „Es ist eine allererste Idee, dort eventuell etwas mit der Kreisbaugesellschaft zu realisieren“, gibt sich Kettenburg noch vorsichtig.

Andererseits bedeutet Schaffung von bezahlbarem Wohnraum nicht immer nur Neubau, wie Achims Stadtplanerin Monika Nadrowska weiß: „Die Kreisbaugesellschaft hat in ihrem Bestand auch Wohneinheiten, die man umwandeln könnte.“ Ebenso gebe es Wohnungen, deren Miete man günstiger gestalten könne, wenn sie etwa auf anderem Wege mit Energie versorgt werden.

Wie beim Projekt Runken-Quartier, wo beispielsweise Investor Rolf Müller plant, die Wohnungen mit Erdwärme zu versorgen, sodass die Heizkosten im Winter monatlich nicht mehr als 30 Euro ausmachten. „Nebenkosten sind natürlich ein Faktor, um Wohnungen bezahlbar zu machen“, sagt Monika Nadrowska. Dass sich Investoren auf die Achimer 20-Prozent-Vorgabe einlassen, habe damit zu tun, dass sie keinen reinen Wohnungsbau planen, sondern Wohnungen von anderen Nutzungen wie Gewerbe flankiert werden und daher nur deshalb wirtschaftlich seien.

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Aber ebenso wie im Sanierungsgebiet „Nördliche Innenstadt“ wird es im Runken-Quartier dauern, bis dort neue Wohnungen entstehen. Denn die Stadtverwaltung wird eventuell das Gebiet umfangreicher neu planen müssen, als sie es bisher vorhatte. Wie berichtet, gibt es deutliche Kritik der Anwohner, die die bisherigen Planungen der Stadt und Investoren für unzureichend halten. So gesehen, dürften noch Jahre ins Land ziehen, bis Achim neue und weitere bezahlbare Wohnungen zu bieten hat.

Ziel wird 2020 nicht erreicht

Und das, wo doch die Verwaltung vor zwei Jahren deutlich gemacht hatte, dass insgesamt 520 Wohnungen fehlen und bis zum Jahr 2020 auch rund 130 bezahlbare Wohneinheiten geschaffen werden sollen. Dieses Ziel wird sich keinesfalls erreichen lassen.

Die nächsten Wohnungen, die fertig werden, sind die von Investor AVW auf dem früheren Scherf-Gelände und auch an der Feldstraße sollen unter dem Slogan „Wohnen am Markt“ bis 2020 neue Wohnungen existieren. Darunter sind jeweils aber keine sozial verträglichen Wohnungen, wie sie die Kreisbaugesellschaft zuletzt in Achim-Baden gebaut hat.

Zum Bauvorhaben im Runken-Quartier findet an diesem Freitag, 28. Juni, für alle interessierten Bürger ein Informationsabend in der Halle hinter dem Fitnessstudio Tamado (Bremer Straße 70) statt. Die Veranstaltung ist für 17 bis etwa 20 Uhr angesetzt. Einlass ist ab 16.30 Uhr, auch eine Ausstellung kann dann schon besichtigt werden.

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