Kunstrasenplatz

Achim setzt auf Sand

Der Achimer Kunstrasenplatz soll ohne umweltschädliches Mikroplastik und stattdessen mit Sand verfüllt werden. Dafür hat sich die Achimer Verwaltung trotz höherer Kosten entschieden.
01.10.2019, 15:54
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Achim setzt auf Sand
Von Elina Hoepken
Achim setzt auf Sand

Zum Beginn der Saison 2020/2021 soll der Kunstrasenplatz in Achim nach derzeitigem Planungsstand fertig sein.

Fredrik von Erichsen/dpa

Ein Sportplatz für alle Achimer soll auf dem Gelände neben dem Freibad entstehen. Noch dazu einer, der im Idealfall zwölf Monate im Jahr und auch bei Wind und Regen bespielt werden kann. So sind zumindest lauten die Erwartungen und Hoffnungen, die in Achim mit dem Bau des Allwetterplatzes verbunden sind. Der Allwetterplatz ist auf dem Gelände des bisherigen kleinen Kunststoff-Spielfelds und der benachbarten Asphaltfläche direkt neben dem Freibad vorgesehen. In der jüngsten Sitzung des Sportausschusses am Montagabend stellte Niels Blatt vom zuständigen Planungsbüro Horeis und Blatt den derzeitigen Stand der Arbeiten noch einmal genauer vor.

Öffentliche Diskussion

Denn im Sommer dieses Jahres hatte, wie berichtet, eine öffentliche Diskussion über ein mögliches europaweites Verbot von Mikroplastik in Kunstrasenplätzen – genauer gesagt von Kunststoffgranulat, das zum Verfüllen genutzt wird – auch in der Weserstadt für Aufregung gesorgt. Immerhin sollte das ursprünglich auch im Achimer Allwetterplatz verbaut werden. Auch wenn es zu dem Thema bisher noch keine EU-Entscheidung gibt, hat sich die Stadt dennoch bereits für eine Alternative entschieden – auch auf Anraten des Planungsbüros. „Deutsche Kunstrasenplätze haben zwar alle ein Auffangsystem für das Granulat und auch eine deutlich schmalere Kunststoffgranulatschicht als beispielsweise in Skandinavien, aber nichtsdestotrotz kann man sich natürlich die Frage stellen, ob Mikroplastik überhaupt genutzt werden muss“, sagte Blatt. Alternativ könne der Kunstrasen nämlich beispielsweise auch mit Sand verfüllt werden.

„Ich bin überzeugt davon, dass es insgesamt sinnvoll ist, auch in diesem Bereich auf Mikroplastik zu verzichten“, machte Steffen Zorn, Fachbereichsleiter Bauen und Stadtentwicklung, die Position der Verwaltung deutlich. Diese Überzeugung teilten indes nicht alle Mitglieder des Sportausschusses uneingeschränkt. Insbesondere auch, weil durch die Umstellung auch mit einer Kostensteigerung für das Projekt zu rechnen ist. „Für mich klingt das eher nach vorauseilendem Gehorsam“, kritisierte Christoph Pein (FDP) mit Blick darauf, dass bisher noch keine Entscheidung für oder gegen ein Granulat-Verbot auf Kunstrasenplätze getroffen wurde. „Wir gehen damit einer günstigeren Lösung aus dem Weg, die in anderen Gemeinde ohnehin schon umgesetzt wurde.“

Leichter zu pflegen

Niels Blatt pflichtete der Verwaltung jedoch bei. „Mit der alten Methode geht die Stadt ein großes Risiko ein“, sagte er. Das Thema werde derzeit sehr heiß und intensiv diskutiert. „Fraglich ist eigentlich nur noch, wann es zur Umrüstung kommen muss.“ Darüber hinaus sei ein Kunstrasenplatz mit Sandverfüllung auch wesentlich leichter zu pflegen. „Für die Plätze mit Kunststoffgranulat sind spezielle Reinigungs- und Pflegemaschinen erforderlich“, gab er zu bedenken.

Die Stadt müsse bei einem solchen Projekt immer auch auf die Folgekosten gucken, bekräftigte Steffen Zorn. Zudem wies er darauf hin, dass die derzeit kalkulierte Kostensteigerung von rund 200 000 Euro für das Projekt nur zu einem Bruchteil mit der Umstellung auf die Sandbefüllung zusammenhänge. Größtenteils hätte sie marktwirtschaftliche Gründe. „Man kann sagen, dass eine Sandbefüllung rund drei bis fünf Euro pro Quadratmeter mehr kostet“, informierte Blatt die Ausschussmitglieder. Ideal wäre es nach seinen Angaben, wenn die Arbeiten für den Bau des Allwetterplatzes über den Winter ausgeschrieben werden könnten. Die Stadt plant derzeit, noch im Oktober den Bauantrag zu stellen und im Frühjahr 2020 mit dem Bau zu beginnen. Eine Nutzung könnte dann zu Beginn der Saison 2020/2021 erfolgen.

Lorenz will Amt abgeben

Einer, der das Thema Allwetterplatz stets mit vorangetrieben hat, wird dann jedoch nicht mehr aktiv beteiligt sein. Dennis Lorenz, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Achimer Sportvereine (AAS), kündigte in der Sitzung des Sportausschusses an, dass er sein Amt als Vorsitzender aus persönlichen Gründen aufgeben werde. Seine Funktion werde nun kommissarisch von den übrigen Vorstandsmitgliedern übernommen, bis dann im kommenden Jahr ein neuer Vorsitzender gewählt werden soll. „Die Arbeit der AAS trägt mit Projekten wie dem Kunstrasenplatz greifbare Früchte“, sagte Lorenz sichtlich stolz zum Abschied.

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