Achim, was macht dich glücklich?

Es ist unsichtbar, nicht gegenständlich, schwer zu finden. Der Volksmund sagt sogar, dass es flüchtiger wird, je intensiver man man versucht, es zu erhaschen.
19.03.2016, 00:00
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Von Sophia Allenstein
Achim, was macht dich glücklich?

Ein vierblättriges Kleeblatt ist eines von vielen Symbolen für Glück. Ebenso abwechslungsreich wie die Symbolik ist das, was ein Mensch als Glück empfindet: Gesundheit, materieller Besitz, Familie. An diesem Sonntag wird der internationale Tag des Glücks befeiert, daher: viel Glück!

A3471 Boris Roessler

Es ist unsichtbar, nicht gegenständlich, schwer zu finden. Der Volksmund sagt sogar, dass es flüchtiger wird, je intensiver man man versucht, es zu erhaschen. Die Rede ist von Glück. Anlässlich des morgigen Weltglückstages haben wir junge und ältere Stimmen aus Achim gesammelt. Was hat es aus ihrer Sicht mit dem Glück auf sich? Wir haben in einer ersten Klasse, der Oberstufe eines Gymnasiums und einem Seniorenpflege-Zentrum gefragt, was die Menschen glücklich macht und wie sie Glück definieren.

Was ist die Quelle des Glücks? Wenn man die Antworten auf diese Frage betrachtet, fällt auf, dass es „die eine“ Quelle offenbar nicht gibt. Viel mehr nimmt jeder Glück anders wahr, weil jeder andere Erfahrungen und Werte mit dem Gefühl der Zufriedenheit verbindet – dieser Meinung ist zumindest Lisa Kuhlmann (16) aus der elften Klasse des Gymnasiums am Markt. Wenn man glücklich sei, vergesse man die Welt um sich herum, meint sie und doch müsse man in Bewegung bleiben, zum Beispiel durch Reisen, um das Gefühl zu spüren. „Das Ungewohnte macht oft glücklich“, stellt sie fest, Langeweile und Stillstand bewirken das Gegenteil.

Ist das also ein Patentrezept, um das eigene Leben positiver zu gestalten? Wenige Kilometer weiter in Achim, im Seniorenheim Badener Berg, sieht die Glückssuche wieder ganz anders aus. Gesundheit, sowohl die eigene als auch die der Familie – das ist eindeutig die häufigste Antwort auf die Frage, was glücklich macht. „Ich hab Glück, dass ich so alt geworden bin!“, sagt Anni Schote (85). Aber auch materielle Sicherheit scheint durchaus eine wichtige Rolle zu spielen: „Wenn man kein Geld hat, ist man auch nicht glücklich“, betont sie und stellt heraus, dass auch eine feste Arbeit und eine gute Wohnung für Zufriedenheit sorge. Zu diesem Ergebnis kommt auch eine Umfrage der Deutschen Vermögensberatung, der zufolge 83 Prozent der Deutschen der Überzeugung sind, dass finanzielle Absicherung glücklich macht. Trotzdem sind mehr als die Hälfte der Befragten der Ansicht, das Geld allein nicht den Schlüssel zum Glück darstellt. Glücksgefühle durch die Gemeinschaft, durch das Zusammensein mit Menschen, die man schätzt und liebt wie Freunde und Familie – das verursacht bei allen befragten Generationen ein gutes Gefühl.

Finja (7) aus der ersten Klasse der Grundschule Uesen hatte ein „wohliges Kribbeln im Bauch“, als sie eine kleine Schwester bekam und ihr Klassenkamerad Luis (7) freut sich vor allem, wenn sein Papa früher nach Hause kommt. „Man ist glücklich, wenn man sich ein neues Auto kauft“ , findet dagegen Ahmed (8) und erzählt begeistert von der Neuanschaffung seiner Eltern. Ganz oben auf der Hitliste des Glücks in der 1c steht jedoch unangefochten das Auspacken von Geschenken am Geburtstag – vor allem, wenn man sich etwas ganz doll gewünscht hat, wie Jorens (7) hinzufügt. Mina (8) sucht das Glück dagegen lieber in den alltäglichen Kleinigkeiten und hat besonders gute Laune, wenn sie mit ihren besten Freunden spielt.

Diese Aufmerksamkeit gegenüber Aspekten, die im Alltag nur zu leicht untergehen, teilt sie mit der Elftklässlerin Vibeke Fahl vom Gamma. Die 16-Jährige definiert Glück als Abwesenheit von Problemen in der Schule oder im Umgang mit Familie und Freunden. „Viele sind sich nicht bewusst, dass sie glücklich sind. Manchmal muss man grübeln, um zu merken, dass man Glück hat“, sagt sie. Alina Willm (17) findet dagegen, dass man Glück in zwei Kategorien unterteilen kann: Das Glück, das einem durch Zufall zuteil wird und Glück, das man selbst erreichen kann, indem man auf ein Ziel hinarbeitet.

Und wie hängt das Glück mit der Gesellschaft zusammen? Verändern Medien das Glücksempfinden? Laura Nolte (17) vom Gamma kritisiert, dass Werbung den Menschen dazu bewegt, mehr kaufen und besitzen zu wollen, anstatt den Blick darauf zu lenken, was man bereits sein Eigen nennt. Zu hohe Ansprüche und die Bereitschaft, sich mit wenig nicht zufrieden zu geben – daran übt auch Hermann Riedel (95) Kritik. Man müsse machen, was einen selbst glücklich macht und nicht das, was die Menschen im Umfeld von einem erwarten, fügt er hinzu. Zu einem großen Teil sei Glück jedoch Bestimmung und der Betreffende könne es nicht erzwingen.

Die Freiheit, seine eigenen Entscheidungen zu treffen – das empfindet Claudie Höge (74), eine ehrenamtliche Helferin im Seniorenheim, als Glück. „Glück ist wie eine Libelle, sie ist frei und fliegt wohin sie will“. Höge rückt in den Fokus, dass es wichtig sei, Ziele und Träume zu verfolgen, auch wenn dafür eine gewisse Überwindung gebraucht würde.

Neben der Option, ein Ziel zu erreichen, drohe schließlich auch das Scheitern. Allerdings könne man auch aus negativen Erfahrungen seine Lehren ziehen – und somit hätten diese auch wieder eine positive Seite. Wichtig sei vor allem, alles zu probieren – im Nachhinein bereue sie ein wenig, in ihrer Jugend zu oft gezögert zu haben. „Keine Zeit verlieren, nicht warten – handeln!“, lautet ihr Rat.

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