Leibniz Fachhochschule

Achim wird Studienstandort

Studieren in Achim? Das ist schon bald möglich. Die Leibniz Fachhochschule aus Hannover will in der Weserstadt einen zweiten Studienstandort etablieren. Und das soll noch in diesem Jahr geschehen.
28.03.2019, 18:07
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Achim wird Studienstandort
Von Elina Hoepken
Achim wird Studienstandort

Symbolbild: Acht bis zehn Studenten sollen zu Beginn in Achim in den Fächern Wirtschaftsinformatik und IT Security unterrichtet werden.

Sebastian Gollnow/dpa

Junge Menschen aus dem Landkreis Verden gehen nach der Schulzeit zum Studieren in der Regel nach Bremen, Hannover, Hamburg oder lassen sich anderswo in Deutschland nieder. Das könnte sich jedoch bald ändern. Denn auch Achim soll, wie jetzt bekannt wurde, bereits in diesem Jahr Studienstandort werden. Die Leibniz Fachhochschule mit Sitz in Hannover will hier vor Ort einen Studienort, also gewissermaßen eine Außenstelle, für die beiden Studiengänge Wirtschaftsinformatik und IT Security einrichten.

Geschehen soll das alles auf dem Gelände der Desma Schuhmaschinen GmbH. Das Unternehmen will, wie berichtet, in naher Zukunft einen Neubau auf der angrenzenden Fläche errichten. 4500 Quadratmeter Bürofläche und zusätzlich noch einmal 12 000 Quadratmeter Produktionsfläche sollen neu geschaffen werden. Die dann frei werdenden Räumlichkeiten in dem alten Gebäude sollen von der Fachhochschule als EDV-Labor und Seminarräume genutzt werden.

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„Als private Hochschule arbeiten wir schon immer mit Unternehmen zusammen, die dann im Rahmen eines dualen Studiums ihre Mitarbeiter zu uns an die Hochschule schicken“, erklärt Norbert Gülke, Vizepräsident der Leibniz Fachhochschule, auf Nachfrage. Die eine Hälfte der Ausbildung verbringen die jungen Menschen im Rahmen des dualen Studiums dann in den Unternehmen und den anderen Teil in der Hochschule. Auch Unternehmen aus dem Landkreis Verden sind bereits Kooperationspartner der Hannoveraner Fachhochschule. Bisher haben sie ihre Auszubildenden daher immer nach Hannover geschickt. Im vergangenen Frühjahr sei dann in gemeinsamen Gesprächen die Idee entstanden, einen zweiten Studienstandort direkt in Achim zu etablieren.

Auftakt mit acht bis zehn Studenten

„Uns war es wichtig, dass wir für dieses Vorhaben vor Ort mindestens acht bis zehn Studenten zusammenbekommen“, erklärt Gülke die Voraussetzungen. Und schnell wurde klar: Das wird im Landkreis Verden kein Problem. Das Interesse bei den Unternehmen sei sofort groß gewesen. Schließlich profitieren sie von dem Vorhaben direkt, weil es für sie immer schwieriger wird, hoch spezialisiertes Fachpersonal zu finden und auch an den Standort zu binden. Doch auch die Fachhochschule selbst hat nach eigenen Angaben dadurch einige Vorteile. „Wir haben so die Möglichkeit schneller zu wachsen, da bei uns die Räumlichkeiten in Hannover langsam knapp werden“, sagt Gülke. Zudem sei der Wettbewerb hier im Landkreis Verden für die Fachhochschule nicht ganz so hart wie in Großstädten wie Bremen oder Hamburg.

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Die Planungen laufen aktuell noch auf Hochtouren, immerhin ist es nicht nur für die Unternehmen vor Ort und die Studenten ein neues Experiment, sondern auch für die Hochschule selbst. „Es ist das erste Mal, dass wir einen Zweit-Standort errichten“, sagt Gülke. „Insofern ist das ganze Projekt auch für uns eine große Herausforderung.“ Genau aus diesem Grund wolle man eben zunächst einmal mit einer kleinen Gruppe von acht bis zehn Studenten starten. Zu Beginn werden dann neben einer Leiterin des Studienortes zwei Professoren in Achim vor Ort sein. Einer von ihnen ist Norbert Gülke. „Zudem arbeiten wir immer auch mit externen Dozenten zusammen“, erklärt er. Derzeit sei man dabei auszuloten, wer von diesen Interesse hätte, auch in Achim zu lehren.

60 bis 70 Prozent der Lehrveranstaltungen für die Studenten der Wirtschaftsinformatik und IT Security sollen nach den bisherigen Plänen in Achim stattfinden. „Ab und zu werden die Studenten dann auch mal einen Tag in Hannover an der Fachhochschule verbringen“, kündigt Gülke an. Ein wichtiger Teil der Studiengänge seien nämlich immer auch Projekte in größeren studentischen Gruppen. Die meiste Zeit sollen die Studenten allerdings vor Ort in Achim unterrichtet werden.

Knappe Vorbereitungszeit

Auch wenn der Studienstandort zunächst mit zwei Studiengängen startet, so ist nach Angaben von Gülke eine Erweiterung in jedem Fall geplant. „In den kommenden zwei bis drei Jahren wollen wir durchaus wachsen und dann auch das Lehrangebot erhöhen.“ Das solle Schritt für Schritt geschehen. „So wie die Desma-Mitarbeiter nach und nach in den Neubau umziehen, sollen die frei werdenden Räume dann von der Fachhochschule genutzt werden.“

Da bereits zum Wintersemester 2019/2020 die ersten Studenten in Achim unterrichtet werden sollen, ist die Vorbereitungszeit für alle Beteiligten denkbar knapp. „Es stimmt, dass alles recht kurzfristig ist, aber wir haben uns gemeinsam mit den Unternehmen entschlossen, so schnell wie möglich aktiv zu werden“, sagt Gülke. Schließlich bräuchten alle möglichst schnell qualifiziertes Personal. Insbesondere bei hochmodernen Fächern wie IT Security suche jedes Unternehmen nach Fachkräften. „Und bevor noch mehr junge Menschen abwandern, gehen wir das Projekt lieber gleich an“, sagt Gülke.

Ein Vorstoß, den auch Achims Bürgermeister Rainer Ditzfeld nur begrüßen kann. „Für Achim ist das natürlich eine tolle Entwicklung“, sagt er. „Gerade mit Blick auf den Fachkräftemangel und die Zukunftssicherung der Unternehmen hier vor Ort.“ Und Ditzfeld selbst kündigt an, dass dieser Schritt erst der erste in diese Richtung sei. „Unser Ziel ist es, solche Angebote auch in anderen Bereichen anbieten zu können.“ Wie das konkret aussehen wird, wollte der Bürgermeister zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht verraten.

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