Geplante Temporeduzierungen in Achim

Kritik an Lärmaktionsplan

Während Achimer Bürger, die an viel befahrenen Straßen wie der L 156 leben, eine Minderung des Verkehrslärms befürworten, sieht die Feuerwehr den Lärmaktionsplan mit Sorge: Die Hilfsfrist würde sich verlängern.
20.11.2020, 16:06
Lesedauer: 3 Min
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Kritik an Lärmaktionsplan
Von Kai Purschke
Kritik an Lärmaktionsplan

Wenn sie zu einem Einsatz gerufen werden, müssen die Feuerwehrleute möglichst schnell vor Ort sein.

Björn Hake

Nun ist wieder die Achimer Politik am Zug: Nachdem sich die Bürger und Institutionen zum Entwurf des Lärmaktionsplans äußern konnten, werden deren Einwände am nächsten Dienstag, 24. November, ab 17 Uhr in einer öffentlichen Sitzung im Rathaus dem Ausschuss für Wirtschaft, Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr vorgestellt. Der Lärmaktionsplan enthält Vorschläge zur Lärmminderung, die meistens die Hauptverkehrsstraßen betreffen.

So werden im aktuellsten Entwurf unter anderem die Empfehlungen ausgesprochen, die erlaubten Geschwindigkeiten für Autofahrer Am Schmiedeberg/Obernstraße, an der Brückenstraße (bebauter Bereich) sowie an der Obernstraße/Bremer Straße zwischen Gieschen-Kreisel und Bierdener Kämpe und an der Uphuser Heerstraße zwischen Fahrenheitstraße und Uphuser Dorfstraße auf 30 km/h sowie das erlaubte Höchsttempo für Badener Holz/Roedenbeckstraße von 70 km/h auf 50 km/h zu reduzieren.

Massive Kritik an diesen Empfehlungen kommt von der Freiwilligen Feuerwehr Achim. Wie der stellvertretende Stadtbrandmeister Klaus Mindermann im Namen der Feuerwehr der Stadt Achim mitgeteilt hat, betrachte die Feuerwehr die beabsichtigten Temporeduzierungen „mit Skepsis und Sorge im Hinblick auf die Hilfsfristen, die wir im Einsatzfalle einhalten müssen“. Zumal der Stadtrat einen Brandschutzbedarfsplan beschlossen hat, in dem die Zeiten, in denen die Feuerwehr am Einsatzort sein muss, klar geregelt sind. Die Hilfsfrist (Eintreffzeit) ist die Zeitdauer zwischen dem Beginn der Notrufabfrage (Regionalleitstelle) und dem Eintreffen des ersten Feuerwehrfahrzeuges an der Einsatzstelle.

Zwar sei die Ausrückzeit, die Zeitspanne zwischen Alarmierung der Einsatzkräfte und deren Ausrücken vom Feuerwehrhaus, von der Feuerwehr selbst beeinflussbar, nicht aber die Verkehrslage, die die Einsatzkräfte bei Alarmierung aus dem privaten Umfeld auf dem Weg zum Feuerwehrhaus vorfinden. „Eine reduzierte Geschwindigkeit in den Anfahrtsbereichen hätte dann unmittelbaren Einfluss auf die Hilfsfrist und ein späteres Eintreffen am Feuerwehrhaus zur Folge“, betont Mindermann. Dies könne etwa bei einem sogenannten kritischen Wohnungsbrand drastische Auswirkungen haben. „Aus diesem Grund halten wir Tempobegrenzungen auf diesen wichtigen Straßen seitens der Feuerwehren für falsch und äußerst kritisch.“

Weil alarmierten Feuerwehrleuten auf der Anfahrt zu den Feuerwehrhäusern keine Sonderrechte zustehen und sie die Straßenverkehrsordnung beachten müssen, bedeutet laut Feuerwehr eine Reduzierung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 50 auf 30 km/h eine Reduzierung von 40 Prozent. „Demzufolge würde sich die Anfahrtszeit zu den Feuerwehrhäusern um 40 Prozent erhöhen.“ Das allein sorge bei einem kritischen Wohnungsbrand bereits für eine anderthalbminütige Verlängerung der Hilfsfrist.

Auch Anlieger der Uesener Feldstraße (L 156) sowie der angrenzenden Straßen haben sich zum Lärmaktionsplan geäußert – sie befürworten etwaige Temporeduzierungen dort. Rund 120 von ihnen haben der Verwaltung mit einer Unterschriftenliste klargemacht, dass sie eine starke Gesundheitsgefährdung wegen des Verkehrslärms befürchten. Sie monieren beispielsweise Lärmbelastungen an der Straße Am Osterfeld sowie durch die Ansiedlung Amazons steigende Verkehrszahlen auf der L 156. Zur Steigerung der Verkehrssicherheit sowie zur Lärmminderung wird die Ausweisung von Tempo 30 ab der Ueser Kreuzung bis zur Weserbrücke angeregt. Im südlich anschließenden Abschnitt bis zum Kieswerk fordern sie die Ausweisung von Tempo 50, da Lärm von den Dehnungsfugen der Brücke insbesondere in der Nacht übertragen werde.

Das beauftragte Gutachter-Büro LK Argus erklärt mit Blick auf den Einwand der 120 Anlieger, dass für die L 156 (Uesener Feldstraße) zwischen der Einmündung Desmastraße und der Kreuzung Obernstraße/ Verdener Straße im Süden die Empfehlung zur Anlage von Schutzstreifen fortgeschrieben werde, „um den Kfz-Verkehr von den angrenzenden Wohngebäuden abzurücken“. Das bringe eine lärmmindernde Wirkung von bis zu einem Dezibel. Die auf der Unterschriftenliste erwähnten Nebenstraßen, die nicht näher benannt sind, befänden sich nicht im Kartierungsnetz der Lärmkartierung der dritten Stufe. „Somit liegen im Rahmen der Lärmaktionsplanung der dritten Stufe keine Informationen zu Lärmbelastungen in den angrenzenden Bereichen vor“, heißt es.

LK Argus erläutert auch, dass die bestehende Empfehlung zur Ausweisung von Tempo 30 ganztags aus Lärmschutzgründen auf der L 156 (Brückenstraße) im Bereich zwischen Alte Dorfstraße/Im Osterfeld und Verdener Straße fortgeschrieben werden soll. Tempo 30 besteht bereits im Bereich der Grundschule. Aber: „Die angeregte Ausweitung der empfohlenen Geschwindigkeitsreduzierung auf den südlichen Abschnitt zwischen der Einmündung Alte Dorfstraße Am Osterfeld, über die Weserbrücke und bis zum Kieswerk kann in den Lärmaktionsplan nicht aufgenommen werden.“ Dafür lägen keine ausreichenden Gründe wie weitergehende Lärmbelastungen an Wohngebäuden vor.

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