Rollstuhl kein Hindernis für 18-Jährigen

Achimer Feuerwehrmann Finn lebt seinen Traum

Nach einem Badeunfall vor knapp drei Jahren ist Finn-Niklas Gerken querschnittsgelähmt und sitzt im Rollstuhl. Das hat ihn aber nicht davon abgehalten, sich seinen Traum zu erfüllen und Feuerwehrmann zu werden.
30.03.2019, 20:47
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Achimer Feuerwehrmann Finn lebt seinen Traum
Von Elina Hoepken
Achimer Feuerwehrmann Finn lebt seinen Traum

Seit dem Ende des vergangenen Jahres ist Finn-Niklas Gerken Mitglied in der Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Achim.

Feuerwehr Achim

Es ist ein Traum, den viele Kinder haben: „Wenn ich groß bin, will ich einmal Feuerwehrmann werden." Auch bei Finn-Niklas Gerken war das so – „ganz klischeehaft“, wie er selbst sagt. Seinen Traum hat er sich nun erfüllt. Seit dem Ende des vergangenen Jahres ist der 18-Jährige Mitglied in der Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Achim.

Soweit nichts Ungewöhnliches. Der Achimer hat sich seinen Kindheitstraum allerdings erfüllt, obwohl er nach einem Badeunfall vor knapp drei Jahren querschnittsgelähmt ist und im Rollstuhl sitzt. Doch dieses „obwohl" hört Gerken selbst eigentlich gar nicht gerne. „Warum sollte ich das Ganze denn nicht auch mit dem Rollstuhl schaffen?", fragt er. „Was spricht denn dagegen?"

Lesen Sie auch

Finn-Niklas Gerken ist schon seit seinem zehnten Lebensjahr in der Feuerwehr. Und nicht nur das. Auch bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) ist er bereits seit rund 13 Jahren Mitglied, und er engagiert sich darüberhinaus ehrenamtlich in der Jugendarbeit der Stadt. Dass er auch nach seinem Unfall weiter in den Vereinen aktiv sein würde, sei ihm schnell klar gewesen.

Auch wenn auf den Unfall zunächst einmal eine lange Zeit in Krankenhäusern und Rehazentren folgte. "Es stand aber immer außer Frage, dass ich zurückkomme", sagt er. Seine Feuerwehrkameraden und er mussten dafür durchaus die eine oder andere rechtliche und organisatorische Hürde überwinden.

Geistige und körperliche Fitness gefragt

Denn für die Truppmann-Ausbildung – also die Hürde zum Übergang in die Einsatzabteilung – muss man geistig und körperlich fit sein, heißt es in den Vorschriften. „Und ob ich körperlich fit bin, darüber lässt sich durchaus streiten“, sagt Gerken und muss selbst lachen. Doch die übrigen Mitglieder der Feuerwehr haben sich für ihn eingesetzt, sich dafür stark gemacht, dass er einer ihrer Kameraden bleiben und die Ausbildung abschließen kann. „Dieser Teamgeist, darum geht es eben auch in der Feuerwehr. Ohne meine Kameraden und ihren Rückhalt hätte ich das sicher nicht geschafft.“ Und doch hat natürlich auch Gerken selbst immer daran geglaubt, dass es klappen kann.

„Manchmal sind die Barrieren in den Köpfen eben größer als tatsächlich in der Wirklichkeit“, weiß er aus Erfahrung. Dass er mit seinem Rollstuhl auch zukünftig nicht mit zu den Einsätzen rausfahren kann, ist für ihn in Ordnung. „Es ist trotzdem kein Problem, in der Feuerwehr weiter aktiv zu sein.“ So werde er beispielsweise eine Funker-Ausbildung machen und bei Ausbildungsdiensten und vielfältigen administrativen Aufgaben unterstützen. „Ich bin nun eben einfach auf eine andere Art aktiv“, sagt er pragmatisch. „Früher habe ich immer mit angepackt, heute bin ich eher der, der delegiert.“

Lesen Sie auch

Anderen zu helfen und neue Dinge anzustoßen, das war schon immer Finn-Niklas Gerkens Bestreben. Und daran hat auch sein Unfall nichts geändert. Auch deshalb stört ihn häufig der Zusatz „obwohl er im Rollstuhl sitzt“, wenn über ihn und sein ehrenamtliches Engagement gesprochen und geschrieben wird. „Es spornt natürlich an, dass andere einen als Vorbild sehen, aber ich will durch das glänzen, was ich mache und nicht, weil ich es im Rollstuhl mache.“ Schließlich würde er all das auch tun, wenn der Unfall damals nicht passiert wäre.

Ehrenpreis für freiwilliges Engagement

Im Dezember 2018 wurde Gerken in Achim dann mit dem Ehrenpreis für sein freiwilliges Engagement in der Stadt ausgezeichnet. So ganz freimachen von seiner Vorbildfunktion kann er sich offenbar nicht, das weiß er auch. „Ich habe in der Vergangenheit viel positives Feedback bekommen – auch von anderen Rollstuhlfahrern“, erzählt er. Das sei natürlich toll, aber letztlich sei all das, was er mache, eben eine Einstellungssache.

„Es gibt einfach verschiedene Arten, wie man mit einer solchen Situation umgehen kann“, sagt er. Gerken hat sich nach dem Unfall sehr schnell fürs Weitermachen entschieden. „Natürlich habe auch ich mal Tage, an denen es mir nicht so gut geht“, gibt er zu. „Aber die schlechten Tage kann ich mittlerweile ganz gut verstecken.“

Im Sommer dieses Jahres beginnt Gerken nun eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten bei der Stadt Achim. „Ich hoffe, dass ich auch dann noch genügend Zeit für meine Ehrenämter haben werde.“ Wenn es nach ihm ginge, könnten sogar noch einige hinzukommen. „Es gibt noch so viele coole Sachen, die ich gerne machen würde“, sagt er. Aber auch für ihn hat ein Tag nur 24 Stunden.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+