Großkonzern die Stirn geboten

Achimer gewinnt gegen Europcar

Europcar hat einen Achimer nach dessen Unfall mit einem Mietauto in den Bergen Österreichs auf Schadensersatz verklagt. Mithilfe eines Bremer Anwalts konnte sich dieser aber erfolgreich wehren.
13.08.2018, 18:04
Lesedauer: 3 Min
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Achimer gewinnt gegen Europcar
Von Kai Purschke
Achimer gewinnt gegen Europcar

Der Wagen, aus dem letztlich alle gesund hinausgekommen sind, musste den Abhang hinauf gezogen werden.

Landespolizeidirektion Tirol

Nur die wenigsten Menschen wagen es wohl, sich auf einen Rechtsstreit mit einer der führenden Autovermietungen in Europa einzulassen. Ein mittlerweile 29-jähriger Achimer hat es getan, weil er sich im Recht sah und letztlich auch in zwei Instanzen Recht zugesprochen bekam. Wie sein Anwalt André Ehlers aus Bremen mitgeteilt hat, muss Europcar jetzt daher den zugesagten Vollkaskoschutz für einen Mietwagen auch bezahlen.

Das stellte erst das Landgericht Verden im März dieses Jahres und nun das Oberlandesgericht Celle fest. Und das, nachdem der Autovermieter den Achimer auf Schadensersatz verklagt hatte, weil er aus Sicht des Unternehmens grob fahrlässig gehandelt habe. Auf rund 14 000 Euro belief sich zwischenzeitlich der Streitwert.

"Ich wollte das nicht hinnehmen, zunächst kam eine Art Drohbrief", erzählt der Achimer unserer Redaktion. Aber seine Freunde und er hätten sich damals bestmöglich abgesichert und sich auf die Aussagen des Europcar-Kundenservices verlassen. "Mehr konnten wir nicht tun", sagt der Mann.

Mit drei Kindern im Auto

Aber der Reihe nach: Mit insgesamt fünf Familien reiste der Achimer im Dezember 2016 nach Österreich, um dort über Weihnachten und den Jahreswechsel Urlaub zu machen. Dazu flog ein Teil der Gruppe nach München und mietete dort einen Neunsitzer bei Europcar. "Am Flughafen München haben wir alle Versicherungen abgeschlossen, damit wir im Falle eines Falles abgesichert sind.

Auch nach Schneeketten haben wir gefragt, der Europcar-Mitarbeiter sagte aber, die seien nicht nötig, das Fahrzeug habe Winterreifen drauf." Daher waren die Urlauber guter Dinge, ebenso wie die Frauen unter ihnen, als die Männer mit den größeren Kindern an jenem Tag ein paar vergnügliche Stunden beim Rodeln verbringen wollten.

"Wir hatten drei Kinder mit im Auto und waren zum Rodeln an einer Stelle, die aber nicht so geeignet war, also waren wir noch zu einer anderen gefahren", erzählt der 29-Jährige. Sie nahmen in Osttirol eine Abzweigung und da das Verbotsschild nur für Fahrzeuge über 16 Tonnen gilt sowie ältere Fahrspuren auf der schneebedeckten Straße zu sehen waren, fuhren sie langsam dort entlang. "Es ging bergauf, denn oben sollte eine Hütte sein, von der aus man rodeln kann", schildert der Mann.

So seien sie mit drei Kindern im Auto langsam die Steigung hochgefahren, bis ihnen Spaziergänger mit einem Hund entgegenkamen. Der Achimer, der am Steuer des Neunsitzers saß, bremste, um die Passanten vorbei zu lassen. Der Wagen aber rutschte trotz der Winterreifen nun langsam rückwärts, da sich unter der Schneeschicht Eis befand.

"Wir haben die Kinder aussteigen lassen, mein Beifahrer und ich haben es aber nicht mehr rechtzeitig geschafft", erzählt er. Langsam rutschte der Wagen einen Abhang hinunter und schlug der Länge nach hin, landete auf dem Dach. Verletzt wurde niemand. "Weniger Glück hatte das Fahrzeug, es entstand ein Schaden von knapp 12.500 Euro", sagt Rechtsanwalt Ehlers, dessen Kanzlei sich auf Fragen des Verbraucherschutzes konzentriere.

Landgericht Verden wies die Klage ab

Europcar verlangte von dem Achimer, der daher seine Rechtsschutzversicherung bemüht hatte, nun Schadensersatz, weil er sich nicht auf den Vollkaskoschutz berufen könne. Denn er habe den Unfall vorsätzlich, mindestens aber grob fahrlässig verursacht. Ehlers: "Der Vorwurf der Vorsätzlichkeit war hier aber absurd.“

So sah es auch das Landgericht Verden, das die Klage des Autovermieters – bis auf einen minimalen Zinsanspruch – abwies und auch die Berufung von Europcar vor dem Oberlandesgericht Celle hatte keinen Erfolg. Der Autovermieter habe das Verfahren "mit einer erheblichen Aggressivität" geführt, merkt Ehlers an.

So soll sich der Achimer laut Europcar "extrem leichtsinnig" verhalten haben und "auf Teufel komm raus" gefahren sein. Auch hätte er die Straße nicht befahren dürfen, lautete ein Vorwurf. Diesen und alle anderen räumten die Gerichte jedoch aus – auch anhand von Fotos der Polizei. Europcar, bei denen der Achimer kein Auto mehr mieten möchte, wollte sich auf Nachfrage nicht äußern.

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