Das Interview: Rainer Bohl

„Krönung meines beruflichen Daseins“

3000 Häuser hat Rainer Bohl bisher realisiert, die wenigsten davon in seiner Stadt Achim. Nun aber setzt der CDU-Ratsherr zwei prominente und große Bauvorhaben in Achim um. Besonderen Druck verspürt er nicht.
08.11.2020, 17:30
Lesedauer: 6 Min
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„Krönung meines beruflichen Daseins“
Von Kai Purschke
„Krönung meines beruflichen Daseins“

Ratsherr Rainer Bohl hat in den vergangenen Jahren mehr als 3000 Häuser gebaut. Mit dem Wohndorf in Uphusen für ältere Menschen erfüllt er sich einen großen Wunsch.

Björn Hake
Herr Bohl, Sie müssen ein mutiger Mensch sein.

Rainer Bohl: Das ist richtig. Mut hat mich während meiner gesamten beruflichen Entwicklung begleitet, etwa als ich nach meiner Banklehre von Iserlohn nach München gezogen bin, wo ich als Banker den Grundstein für meine Karriere gelegt habe. Dann ging es über Köln nach Düsseldorf an die Königsallee, wo ich als Bankdirektor 40 Mitarbeiter hatte und einen tollen Dienstwagen. Alle haben gesagt, ich hätte es jetzt geschafft. Dann aber kam der Umbruch, meine Bank fusionierte. Ich hatte bis dahin sehr viele Baufinanzierungen gemacht und viel Kontakt mit Bauträgern. Da ich aber das Credo habe, nur das zu verkaufen, was ich selbst kaufen würde, hatte ich ein großes Problem damit, die Vorgaben der Geschäftsleitung umzusetzen, die mir diktieren wollte, was ich verkaufen muss. Das konnte ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren. Ich hatte bis dahin wie gesagt sehr viele Baufinanzierungen gemacht und viel Kontakt mit Bauträgern. Daher wollte ich endlich selbst Häuser bauen und wechselte nach Bremen zur Gewoba, wo ich als Abteilungsleiter für Neubauten zuständig war. Darüber lernte ich I.D.-Bau-Firmengründer Diederichs kennen, der einen Nachfolger gesucht hat. Ich übernahm die Geschäftsführung im Jahr 2000 und drei Jahre später machte ich mich durch den Kauf der Firmenanteile selbstständig. Insofern war jeder dieser Schritte mutig, insbesondere wegen der Ortswechsel und der erheblichen finanziellen Risiken.

Ich habe das Wort Mut eigentlich auf ihre Funktion als Achimer Ratsherr der CDU bezogen, der mit der geplanten Wohnbebauung auf dem Lieken-Areal sowie mit der Realisierung der neuen Kita in Uphusen und dem Seniorenwohnpark dort nebenan sehr prominente Bauvorhaben in der Stadt direkt vor seiner Haustür umsetzen will. Wie kam es dazu?

Nur jahrelanges Netzwerken eröffnet einem die Möglichkeit, solche Projekte realisieren zu können. Zum einen muss man die Menschen in der Branche kennen, zum anderen einen guten Ruf genießen und als zuverlässig gelten. Ich stand immer auf der Sonnenseite des Lebens und hatte unfassbar viel Glück – damit meine ich, gesund zu sein, zwei gesunde Kinder zu haben und sehr gute Mitarbeiter. Mir ist es daher wichtig, etwas zurückzugeben, daher war ich zehn Jahre bei den Rotariern aktiv, im Aufsichtsrat einer Bank und eben als Ratsherr der CDU. Das Wohnungsbauprojekt bei Lieken ist mir über einen Hamburger Makler angeboten worden. Aber 150 Wohnungen sind für I.D.-Bau alleine eine Nummer zu groß, daher haben wir mit Detlev Herrmann von der Bremischen Volksbank ein Achimer Kooperationsprojekt daraus gemacht. Wir kennen uns schon seit 20 Jahren.

Verspüren Sie denn als lokaler Akteur einen besonders starken Druck, es gut zu machen – weil Sie ja jederzeit in Achim angesprochen und kritisiert werden könnten. Da hat es ein auswärtiger Investor deutlich einfacher.

Nein, ich verspüre keinen Druck. Gute Qualität zu schaffen, ist mein tägliches Geschäft. Und es ist besonders schön, etwas in der eigenen Stadt bauen zu können. Ich habe in den vergangenen 20 Jahren über 3000 Häuser gebaut, aber die meisten davon nicht in Achim, sondern in Bremen und im Speckgürtel.

Wie schwierig war es für Sie, potenzieller Investor und gleichzeitig Mitglied der CDU-Fraktion zu sein, die ja auch über die beiden Bauvorhaben in den politischen Gremien mit abgestimmt hat?

Ich achte sehr darauf, als Ratsmitglied keinen Interessenkonflikt einzugehen. Meine Fraktion, ja selbst Mitglieder von anderen Fraktionen und der Stadtverwaltung hätten mich wegen meines Know-hows gerne im Planungsausschuss gehabt. Das aber hätte meiner Meinung nach Geschmäckle und daher habe ich das abgelehnt. Wenn ich jetzt trotzdem politisch mit meinen Projekten auf der Tagesordnung konfrontiert werden, gehe ich bei diesen Tagesordnungspunkten raus oder bleibe der Sitzung gleich fern. Bei Lieken war es zudem so, dass die komplette CDU-Fraktion im Rat gegen den Bebauungsplan gestimmt hat, wie er jetzt umgesetzt wird. Als Mitglied des Ausschusses für Bauunterhaltung, in dem es um die Straßen und die öffentlichen Gebäude in Achim geht, sowie des Betriebsausschusses Abwasserbeseitigung und des Ortsausschusses Uesen habe ich ein sehr reines Gewissen.

Sie sind als Nachrücker für Petra Gölz im Frühjahr 2018 in den Rat gekommen. Welche Erfahrungen haben Sie dort gemacht und sind diese so positiv, dass Sie es bei der Kommunalwahl im Jahr 2021 wieder probieren wollen?

Als mich die Fraktion 2016 gefragt hatte, ob ich mich aufstellen lassen würde, habe ich aus zeitlichen und beruflichen Gründen gezögert und darum gebeten, mich weiter hinten auf der Liste zu platzieren. Und als ich in den Rat aufrücken sollte, dachte ich mir: Wer A sagt, muss auch B sagen. Wir haben dann über die Ausschüsse gesprochen, damit ich zeitlich die Ratsarbeit mit meinem Geschäft vereinbaren kann und nun kann ich sagen, dass es mir Spaß macht, auch weil ich für die Stadt so etwas bewegen kann. Von daher habe ich die jüngste Frage der Fraktion, ob ich nächstes Jahr zur Wahl antreten möchte, mit Ja beantwortet.

Sie sind seit 2003 Inhaber und noch länger Geschäftsführer – haben Sie eigentlich jemals überlegt, den Sitz Ihrer Firma, der I.D- Wohnungsbaugesellschaft, nach Achim zu verlegen?

Daran habe ich natürlich gedacht und ich persönlich hätte es auch gerne getan. Aber: Ich habe über 60 Beschäftigte, die überwiegend im Landkreis Oldenburg wohnen. Da hätte ich bestimmt drei Viertel dieser Mitarbeiter verloren, wenn die nun täglich nach Achim gemusst hätten. So bin ich nur eine Person in der Firma, die jeden Tag jeweils 47 Kilometer hin und zurück fährt. Wir zahlen unsere Gewerbesteuer zwar in Harpstedt, aber meine Einkommenssteuer zahle ich als Achimer Bürger.

Werden Sie das denn als Geschäftsführer noch lange tun, wie steht es um die Firmennachfolge?

Seit Anfang dieses Jahres sind meine beiden Söhne Mitgesellschafter geworden. Im Mittelstand ist es ein großes Problem, Nachfolger zu finden. Auch da habe ich wieder Glück, dass meine Söhne – ohne, dass ich sie dazu gedrängt hätte – in meine Fußstapfen treten werden. Daniel, der Ältere, hat nach einer Banklehre seinen Bachelor in Wirtschaftsingenieur und Bau gemacht. Seit März dieses Jahres ist er bei uns als Bauleiter beschäftigt und er absolviert nebenberuflich noch seinen Master in Facility Management und Immobilienwirtschaft. Das dürfte er jetzt zwei bis drei Jahre machen und dann in den kaufmännischen Bereich der Firma einsteigen. Oliver wird nach seinem Abitur am Cato seine Lehre als Maurer im Januar nächsten Jahres absolvieren. Dies freut mich sehr, denn Handwerker werden demnächst ja quasi unter Naturschutz gestellt, weil sie eine immer rarer werdende Spezies sind. Im Frühjahr nächsten Jahres wird er dann ein Studium als Bauingenieur beginnen und perspektivisch in der Firma den technischen Part abdecken. Mit Daniel, der den kaufmännischen Part abdeckt, ergänzt sich das ideal.

Nun befindet sich die Gesellschaft derzeit im zweiten, wenn auch nicht kompletten Lockdown. Wie haben sich der erste Stillstand und die Corona-Situation insgesamt bisher auf Ihre Branche und Ihr Unternehmen ausgewirkt?

In der Firma hatten wir bisher drei Corona-Fälle, die unsere Arbeit zum Glück nicht beeinflusst haben. Da sind wir also bisher weitgehend verschont geblieben. Was die Branche angeht: Es ist eher so, dass der Wohnungsbau von der Corona-Pandemie profitiert, weil am Markt sehr viel Geld vorhanden ist und die Menschen ihr Geld entweder in Aktien oder in Immobilien anlegen. Baufirmen werden neue Bauprojekte fast schon aus der Hand gerissen, weil Anleger ganze Projekte als Paket erwerben, etwa 22 Wohnungen auf einmal. Die Lage stellt sich jedoch im Gewerbebau leider ganz anders dar.

Was oder wo in Achim würden Sie noch gerne bauen, wenn Sie einen Wunsch frei hätten?

Das Wohndorf, das ich für ältere Menschen zusammen mit Convivo in Uphusen realisieren werde, ist schon ein Wunsch, der sich erfüllt. Das ist ein völlig neues Geschäftsfeld, das ich erschließe, auch um die Firma auf sicheren Kurs zu bringen. Denn auf die Dauer Einfamilienhäuser zu bauen, das wird nicht die Zukunft sein. Stattdessen braucht es gute Konzepte für Wohnraum, insbesondere für ältere Menschen. Für die habe ich nun etwas konzipiert, wo ich später selbst gerne einziehen würde. Dieses Projekt wird die Krönung meines beruflichen Daseins. Mir ist es besonders in Zeiten des demografischen Wandels sowie aufgrund der aktuellen Entwicklung des Wohnungsmarktes auch eine Herzensangelegenheit, etwas für die ältere Generation zu tun, ohne die wir nicht existieren würden.

Das Gespräch führte Kai Purschke.

Info

Zur Person

Rainer Bohl

ist 59 Jahre alt und wurde in Hagen in Westfalen geboren. Seit 1999 lebt er, inzwischen geschieden, in Achim und hat zwei Söhne, Oliver (20) und Daniel (26). Er ist selbstständiger Kaufmann und geschäftsführender Gesellschafter der I.D.-Wohnungsbaugesellschaft mbH & Co. KG mit Sitz in Harpstedt im Landkreis Oldenburg. Als Mitglied der CDU sitzt er seit 2018 im Achimer Stadtrat.

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