14-Jähriger hat Sneaker produziert Schüler aus Achim vertreibt eigenes Schuhmodell

Mit 12 Jahren hat er als Ferienspaß das Sneaker-Camp bei Desma besucht. Nun, zwei Jahre später, verkauft der erst 14-jährige Santiago Ribot sein eigenes Schuhmodell. Und damit tut er auch noch etwas Gutes.
21.12.2020, 16:35
Lesedauer: 2 Min
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Schüler aus Achim vertreibt eigenes Schuhmodell
Von Kai Purschke

Noch ist es ein Versuch, ein Hobby. Aber ein beeindruckendes: Santiago Ribot, gerade mal 14 Jahre jung, hat ein eigenes Schuhmodell aus dem Boden gestampft und verkauft es nun. Vorerst 50 Paar hat er in Indien fertigen lassen und hofft nun, dass nicht nur die Achimer Gefallen daran finden. Denn von dem Verkaufserlös, von dem er zehn Prozent einem gemeinnützigen Verein spendet, möchte er die Produktion weiterer Modelle finanzieren. „Das ist eine coole Geschichte“, findet Christian Decker, Geschäftsführer der Achimer Schumaschinen-Fabrik Desma. Eine Geschichte, die in seinem Hause begann.

Vor zwei Jahren hatte der in Riede lebende GamMa-Schüler am Sneaker-Camp von Desma teilgenommen, in dem sich Kinder und Jugendliche mit der Schuhherstellung – vom Fertigen eines Prototyps aus Lederfetzen bis hin zu Ideen der Vermarktung – beschäftigen. Schon da war der damals Zwölfjährige positiv aufgefallen, weil er eben keine angesagten Nike- oder Adidas-Sneaker nachbaute, sondern sich etwas komplett Eigenes überlegt hatte. Vom damaligen Prototyp, den er während des Camps herstellte, ist einiges geblieben: die Farben und das Logo. „Das hat mir damals sehr gut gefallen“, sagt der junge Schuhdesigner. Er habe im Camp viel gelernt und sei auf gute Ideen gekommen.

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Zwei Jahre später kann er nun stolz das fertige Produkt präsentieren, das erste Schuhmodell von „SanRi - Socially -“, wie er sein Projekt, denn eine eingetragene Marke gibt es noch nicht, nennt. Die Farben weinrot und weiß sind geblieben, ebenso die schwarze Fersenklappe und das blaue Logo, das einen Vogel zeigt. „Der soll Kraft verleihen“, erzählt der Neuntklässler, der sich nicht ohne Grund dieses Logo ausgedacht hat. Denn dank der sozialen Komponente seines Projekts geht Geld an den Verein Schritt für Schritt für Kinder und Jugendliche mit einer Hirnverletzung. „Ich habe einen persönlichen Bezug dazu, denn mein Bruder leidet an einer frühgeburtlichen Hirnschädigung.“ Dank der Hilfe des Vereins habe sein Bruder sogar mit einem Rollator am Achimer I-Run teilnehmen können, schildert er.

Er wollte einen Sneaker entwerfen, der sich immer tragen lässt, selbst im Büro. Der Kalbslederschuh „soll auffallen, sich abheben“. Daher verwunderte es nicht, dass der Erfinder selbst seine Schuhe an den Füßen trägt und auch Desma-Chef Decker zeigte sein Paar, das er erstanden hatte. Für 89,95 Euro verkauft der junge Mann seine Schuhe namens „Number one“ zum einen online, zum anderen hat er Kontakt zu Karstadt und dem Kaufhaus des Westens aufgenommen.

Bis er das fertige Produkt allerdings in den Händen halten konnte und auch zufrieden war, war es ein langer Weg. „Wir haben Fotos und Videos hin- und hergeschickt, immer wieder Elemente verändert“, erzählt er über seine eigenständige Zusammenarbeit mit der Manufaktur in Indien, an die er über einen Bremer Im- und Exporthandel gelangt war. Etwa anderthalb Jahre habe es gedauert, bis das endgültige Design stand und der junge Mann mit der Qualität seiner Schuhe zufrieden war – das Geld für die ersten 50 Paar haben ihm übrigens seine Eltern vorgeschossen. „Das will ich natürlich zurückzahlen“, verspricht er artig.

Was einst als Ferienspaßunterhaltung bei Desma begann, könnte also noch in einem echten Start-up-Unternehmen enden, zunächst aber steht die Schule ganz oben auf der To-do-Liste von Santiago Ribot. „Die sollte er auch unbedingt zu Ende bringen“, empfiehlt Decker, der nicht verhehlen kann, dass er große Stücke auf den Nachwuchsschuhdesigner hält: „Eine grandiose Leistung“. Und auch Bürgermeister Rainer Ditzfeld ist angetan. „Ein toller junge Mensch“, lobte der Verwaltungschef, der solch ein Eigenengagement und Geschäftssinn gerade in Zeiten des Fachkräftemangels für noch wichtiger als ohnehin hält.

Weitere Infos über das Schuhprojekt gibt es im Internet unter www.sanri.info.

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