Verwirrung bei den Sozialdemokraten in Oyten Achimer SPD fordert eine Gesamtschule

Achim/Oyten .Achim konnte bisher mit zwei Gymnasien punkten - nun hat Oyten die Nase vorn und darf, wenn alles läuft wie geplant, nach den Sommerferien 2012 mit einer Integrierten Gesamtschule (IGS) starten. Doch das passt den Achimern nicht.
23.06.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Bianca Belouanas

Achim/Oyten . Standortvorteil Schule: In Zeiten des demografischen Wandels gewinnt er immer mehr an Bedeutung. Achim konnte bisher mit zwei Gymnasien punkten - nun hat Oyten die Nase vorn und darf, wenn alles läuft wie geplant, nach den Sommerferien 2012 mit einer Integrierten Gesamtschule (IGS) starten. Auf den Weg gebracht hat die Idee die Oytener SPD. Doch nun fallen ihr die Achimer Genossen in den Rücken und fordern in ihrem Wahlprogramm eine eigene IGS für Achim.

"Das kann ich so gar nicht nachvollziehen", sagt Siegfried Ukat, Ratsvorsitzender der Oytener SPD und Mitglied des Schulausschusses. Schließlich basiere der Antrag auf eine IGS in Oyten ja auf Umfragen der Eltern vor Ort sowie aus Ottersberg und eben auch aus Achim. "Da muss man sich natürlich fragen, ob eine IGS in unmittelbarer Nachbarschaft überhaupt genehmigungsfähig ist und ob nach dem Nordkreis nicht erstmal der Südkreis dran ist", überlegt Ukat. Im Durchschnitt 32 Achimer Eltern pro Jahrgang würden ihr Kind in den kommenden Jahren zur IGS Oyten schicken, hatte die Umfrage ergeben, die der Kreistag veranlasst hatte.

Gleichzeitig stellt Siegfried Ukat die Frage in den Raum, ob die Achimer SPD parallel zu ihrer Forderung eines ihrer Gymnasien abschaffen wolle, um die notwendigen Schülerzahlen aufrecht zu erhalten.

Die Achimer SPD wolle ja nicht sofort, sondern erst 2016 eine IGS einrichten, beruhigt Fritz-Heiner Hepke die Genossen in Oyten. Denn dann, so der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Achim, seien die Schülerzahlen an der Hauptschule so weit gesunken, dass diese nicht mehr eigenständig existieren könne. Die Alternativen wären dann entweder die Oberschule oder die Integrierte Gesamtschule. Von der Oberschule halten die Sozialdemokraten in Achim nichts. Also bleibt für sie nur die IGS als Schulform übrig. Wobei klar sei, dass das Votum der Eltern letztendlich über das Schicksal einer IGS in Achim entscheidet. "Wir gehen davon aus", so Hepke, "dass sich eine IGS in Achim nicht negativ auf die IGS in Oyten auswirkt."

Im kommenden Jahr, das sagt die aktuelle Statistik aus, wird es in Achim 285 Fünftklässler geben. Im Jahr darauf rechnet man im Rathaus mit 271, dann mit 316 und im Jahr darauf mit 263 Fünftklässlern. 2016 werden es 273 Jungen und Mädchen sein. Wenn jeweils zehn Prozent der Schüler eines Jahrgangs zur Hauptschule gehen, und dazu noch drei Schüler zur IGS nach Oyten abwandern, schwankt die Hauptschule Achim zwischen Ein- und Zweizügigkeit. Die Klassen-Teilungsgrenze liegt derzeit bei 26 Schülern.

Die Zahlen beruhen auf Umfragen bei den Eltern durch den Landkreis. "Ich finde solche Zahlenspiele schwierig", sagte dazu Wiltrud Ysker, zuständige Fachbereichsleiterin im Achimer Rathaus. Sie wolle sich nicht darauf verlassen, dass sich die Eltern tatsächlich so verhalten, wie angekündigt.

Oytens Bürgermeister Manfred Cordes zeigt Verständnis für das Anliegen der Achimer: "Ich kann jeden verstehen, der das Modell auch haben will". Grundsätzlich müsse die IGS "flächendeckend" vorgesehen werden - "allerdings muss man das nachbarschaftlich absprechen", gibt sich Cordes versöhnlich.

Zunächst sei es aber ohnehin Sache des Landkreises Verden, sich mit den Auswirkungen zweier benachbarter IGS zu befassen. "Schließlich dürfen sich die beiden nicht gegenseitig die Schüler wegnehmen", sagt Cordes. Bei der aktuellen Gesetzeslage räumt er den Achimern aber eher geringe Chancen für ihr Vorhaben ein. "Demnach muss eine IGS fünfzügig sein: Das heißt pro Jahrgang muss es fünf Klassen mit jeweils mindestens 24 Schülern geben, und dieser Bedarf ist auf mindestens zehn Jahre über eine Elternbefragung nachzuweisen", erklärt der Bürgermeister. So basierten auch die Oytener Schulpläne auf einer Befragung der Eltern von Erst- bis Drittklässlern sowie Kindern des letzten Kindergartenjahrgangs. Unter diesen Voraussetzungen dürfte es laut Cordes schwierig werden für die Pläne der Achimer SPD - "es sei denn, das Schulgesetz wird geändert und man rückt von der Fünfzügigkeit ab", so Cordes.

Wer in Oyten wohnt und sein Kind nicht zur IGS schicken möchte, "für den bleiben die Oberschulen in der Umgebung", sagt Cordes. Am 1. Juni haben die Schulträger in Hannover genehmigt, dass es ab August dieses Jahres in den Flecken Langwedel und Ottersberg jeweils eine Oberschule geben wird. Damit reagiert die Niedersächsische Landesregierung auf den Bevölkerungsrückgang und stellt durch Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen die "wohnortnahe Beschulung" sicher.

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