Ärchäologie in Achim

Bodenuntersuchung mit einem Quad

Mit einem Quad, das ein Magnetometer hinter sich her zog, wurde nun ein Acker in Achim abgefahren. Die Untersuchung soll Aufschluss darüber geben, ob sich dort vor 2000 Jahren eine Siedlung befunden hat.
14.08.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Bodenuntersuchung mit einem Quad
Von Kai Purschke
Bodenuntersuchung mit einem Quad

Hin und her fuhr Jens Lühmann mit dem Quad samt Magnetometer im Schlepptau über den Acker – in einem Tempo von 15 bis 20 Kilometern pro Stunde.

Björn Hake

Zu beneiden war Jens Lühmann nicht. Der Mitarbeiter des Niedersächsischen Instituts für historische Küstenforschung fuhr in einem Quad mit Plastikkabine stundenlang einen Acker in Uphusen ab, der an der Bollener Landstraße (K 1) und am Klinkdamm liegt – nahe der Landesgrenze zu Bremen. 18 Hektar hoffte er bei Temperaturen von 30 Grad und mehr am Ende des Tages abgefahren zu haben, Spur für Spur.

Mit einem Tempo von 15 bis 20 Kilometern pro Stunde fuhr er also hin und her und zog hinter sich Messsonden her, die die erdmagnetischen Veränderungen registrieren und Aufschlüsse darüber zulassen sollen, ob sich auf dem jetzigen Acker vor 2000 Jahren eine Siedlung befunden hat oder nicht. Davon jedenfalls gehen Verdens Kreisarchäologin Jutta Precht und Küstenforscherin Annette Siegmüller aus, die zusammen bereits gemeinsam an Projekten gearbeitet haben. Nun hatten sie ihre Puzzlestücke zusammengefügt und sich entschlossen, dass der Acker mithilfe der Geomagnetik untersucht werden soll.

Eine Menge Fundstellen

„Es ist die beste Prospektionsmethode, also die Suche nach archäologischen Fundstücken“, erklärte Annette Siegmüller vor Ort. Denn man könne an einem Tag auf einer riesigen Fläche nach archäologischen Fundstücken suchen, ohne zeitaufwendig graben zu müssen und dabei möglicherweise etwas zu zerstören. Auf einem Luftbild von Google-Earth war der Wissenschaftlerin eine helle Linie in Uphusen aufgefallen und sie geht davon aus, dass es sich dabei früher um einen Flussnebenarm gehandelt haben muss. Dieser Flussarm, vermutlich der Aller, soll schließlich zur römischen Kaiserzeit die Siedlung mit der Weser verbunden haben.

Denn auch auf Bremer Gebiet, jenseits der K 1 gab es eine Menge Fundstellen, die noch immer untersucht würden. Zur Annahme einer früheren Besiedelung der Fläche passen unzählige Scherben, die Jutta Precht einst von einem Bremer Hobbyarchäologen erhalten hat. Der hatte diese in den 70er- und 80er-Jahren auf dem Acker gesammelt und der Kreisarchäologie vor etwa zehn Jahren kistenweise zur Verfügung gestellt. Bereits an diesem Freitag, wenn Annette Siegmüller die Ergebnisse der Bodenuntersuchung ausgewertet hat, soll also feststehen, ob die beiden Frauen richtig liegen.

Denkmalschutz auf dem Acker

Während Annette Siegmüller das Interesse der Forschung treibt, blickt Jutta Precht aus Sicht des Denkmalschutzes auf den Acker. Das bedeutet: Ausgrabungen und dergleichen stehen in der Folge dort erstmal nicht an. „Wenn irgendwann hier gebaut werden soll, wissen wir dann aber schon Bescheid“, sagte die Kreisarchäologin.

Ob es vielleicht im Anschluss noch kleinere Bohrungen sowie weitere Forschungen gibt, steht laut Annette Siegmüller noch nicht fest. Dafür müsse erstmal ein Forschungsetat bereitstehen. Die geomagnetische Untersuchung trifft keine Aussage über die Tiefe möglicher Fundstücke, sie zeigt am Ende auf einer topografischen Karte schwarze Punkte überall dort, wo Metall im Erdreich festgestellt wurde.

Genügend Fahrtwind

Diese können auf frühere Standorte von Häusern, Schmieden oder Feuerstellen hinweisen – „wenn es gut läuft“, klärte Jutta Siegmüller auf. Von früheren Projekten wissen die beiden Frauen mit Doktortitel jedenfalls, dass es damals eine Menge Nebenarme von Weser und Aller gab, diverse davon haben sie auf einer Karte verzeichnet. „Das dürften aber längst nicht alle sein“, betonte Annette Siegmüller.

Währenddessen drehte Jens Lühmann weiter eifrig seine Runden in dem olivfarbenen Traxter, der auch über eine kleine Ladefläche verfügt. Das etwa 2,50 Meter breite Magnetometer zog er an einer langen Deichsel hinter sich her. „Die GPS-Daten helfen mir, wirklich Spur für Spur abzufahren“, erklärte er und schilderte, dass trotz der knappen Kabine genügend Fahrtwind ins Innere gelange. Nur beim Stehen und Reden mit der Presse nicht.

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