Bau des Logistikzentrums hat begonnen

Amazon wird in Achim auf 250 Pfähle gestellt

Während die Baufahrzeuge kreuz und quer auf dem Uesener Feld in Achim unterwegs sind, schildert dort Jan-Dietrich Hempel, Geschäftsführer des Projektentwicklers Garbe, die Details über den Bau für Amazon.
30.03.2020, 15:53
Lesedauer: 4 Min
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Amazon wird in Achim auf 250 Pfähle gestellt
Von Kai Purschke

Der dunkle BMW mit Hamburger Kennzeichen rollt die Max-Naumann-Straße entlang, vorbei an den Baufeldern links und rechts des Wendehammers auf dem Uesener Feld. Während die Baufahrzeuge eine Menge Staub aufwirbeln, steigt Jan-Dietrich Hempel aus seinem Auto, robustes Schuhwerk an den Füßen, vor der Kälte geschützt von einem grünen, sportlichen Mantel. Knapp 1,90 Meter misst der Geschäftsführer des Projektentwicklers Garbe Industrial Real Estate, der in Uesen das Logistikzentrum für den Onlinehändler Amazon errichtet.

Hempel ist zum ersten Mal wieder vor Ort in Achim, zuletzt hatte er das Gewerbegrundstück gesehen, als es noch eine satte grüne Wiese war. Nun, grün ist dort gar nichts mehr und der 55-Jährige nickt anerkennend, als er auf das Treiben der Bauarbeiter blickt. In Zeiten der Corona-Pandemie hält auch Hempel Abstand, anders geht es ja auch derzeit nicht. „Bisher können wir nur abwarten, welche Veränderungen sich noch für unsere Bautätigkeiten hier wegen des Coronavirus ergeben“, sagt Hempel. Noch seien die Arbeiten an der frischen Luft auf dem riesigen Baufeld direkt an der A 27 nicht gefährdet, aber der Branchenkenner Hempel weiß, „dass es bei Projekten problematisch sein kann, bei denen der Innenausbau ansteht“.

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Daran ist in Achim noch lange nicht zu denken, da zwischen Max-Naumann-Straße und Autobahn derzeit erst der Untergrund für das Logistikgebäude vorbereitet wird. Auf der anderen Seite der Stichstraße lagern rund 80 Stahlbetonteile, die jeweils bis zu 15 Meter lang sind. „Das sind sogenannte Pi-Platten“, erklärt Hempel. Und tatsächlich: Schaut man sich die Stirnseiten der Bauteile genauer an, fällt die Ähnlichkeit zum Pi-Zeichen auf. „Das sind die Deckenplatten fürs erste Obergeschoss“, erläutert er, während einige Arbeiter ein paar Meter weiter damit beschäftigt sind, mithilfe eines Krans einige der Bauelemente umzulagern.

Diese Pi-Platten erzählen auch ein bisschen die Geschichte der Besonderheit des Logistikzentrums, wie es in Achim entstehen wird. „Das ist ja nicht einfach nur eine Halle, die wir bauen“, leitet Hempel ein, „sondern auf die Logistikhalle werden zwei weitere Stockwerke gesetzt“. Diese Bauform gäbe es in Deutschland noch nicht so oft – sie bedeutet aber, dass der gesamte Gebäudekomplex sehr gut gegründet sein muss. Dazu werden in Achim rund 250 Pfähle ins Erdreich getrieben, einer misst 18 Meter. „Da steht die Ramme, die das vollbringt“, schildert Hempel und zeigt auf das Baufahrzeug, das sich mitten auf dem Baufeld befindet.

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Die Fläche, auf der der von Garbe beauftragte Generalunternehmer Max Bögl aktiv ist, wurde in vier Abschnitte – sogenannte Areas – eingeteilt. Für den ersten Abschnitt sind die Pfähle bereits in den Boden gerammt worden. Sie und die anderen Pfähle müssen nachher die große Last schultern. „Der Trend geht bei E-Commerce-Gebäuden hin zur gestapelten Logistik“, erklärt Jan-Dietrich Hempel. Zwar sagt er mit keiner Silbe, wer der Mieter dieses speziellen Logistikzentrums wird, aber längst ist klar, dass Amazon dort einziehen und den Innenausbau selbst betreiben wird. Und so ist davon auszugehen, dass das Gebäude später in Grautönen gestaltet sein dürfte und honiggelbe Akzente aufweist.

Wie sich die Corona-Pandemie eventuell auf die Zeitpläne auswirken wird, ist derzeit auch für den Projektentwickler nicht abzusehen. Wie Hempel schildert, dürften aber noch im April die ersten Stützen zu sehen sein, die in den Himmel ragen und auch die Querträger sollten dann verbaut sein. Für Ende Mai rechnet er derzeit damit, dass die Fassade des ersten Abschnitts zu sehen sein wird. Welche Dimensionen das spätere Logistikzentrum mit seiner Grundfläche von 40 000 Quadratmetern haben wird, lässt sich auch vor Ort nur erahnen.

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Für Jan-Dietrich Hempel, aufgewachsen in Hamburg, sind derlei Großprojekte nichts Ungewöhnliches, seit mehr als zehn Jahren ist er in der Garbe-Führungsetage. Und Achim war ihm auch vor dem Kauf des Grundstücks von der Vermarktungsgesellschaft EVG bestens bekannt, schließlich hat er damals sein Logistikstudium an der Deutschen Außenhandels- und Verkehrsakademie (DAV) in Bremen absolviert. Weitere Erfahrungen sammelte er in Oxford, wo er sein MBA (Master of Business Administration) machte und beim Unternehmen Bax Global.

Hempel ist also ein Kind der Logistik, wenn man so will. Und er weiß, was der Kunde will. „Auch wenn wir hier nur, salopp gesagt, eine dumme Hülle bauen und unsere Kunden die logistische Intelligenz einbringen“. Dennoch bezeichnet er das Projekt Achim, als „ein ganz besonderes“. Mit einem Gesamtinvest von 140 Millionen Euro sei das Logistikzentrum eine echte Hausnummer. Und in dieser Form, wie es geplant ist, sei es so kein zweites Mal vorhanden. Auch das Logistikzentrum von Amazon in Winsen an der Luhe sei so direkt gar nicht vergleichbar.

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„Da wurde die Technik in ein bestehendes Gebäude gebaut, hier ist beides neu“, beschreibt Hempel die Einzigartigkeit. Und die Komplexität dieses Bauvorhabens sei mit der einer 0815-Logistikhalle gar nicht zu vergleichen. Die Bauzeit der Hülle soll, wenn alles optimal läuft, Mitte/Ende Juni dieses Jahres enden, bis zur Fertigstellung dürfte dann nochmal knapp ein Jahr vergehen. Die Freigabe des Gebäudes ist für Anfang April 2021 geplant. Bis dahin wird rund um die Max-Naumann-Straße noch eine Menge Staub aufgewirbelt.

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