Ampelumrüstung Grüne Welle für den Allerbus

Durch die technische Aufrüstung von Ampeln könnte der ÖPNV in Verden pünktlicher, schneller und attraktiver werden. 589.000 Euro soll das kosten.
04.07.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Marie Lührs

Die Bremer Straße ist für viele Autofahrer eine Geduldsprobe. Doch nicht nur, wer im Pkw unterwegs ist, verliert auf der Strecke Zeit, auch für den Allerbus ist der zähfließende Verkehr oftmals eine Herausforderung. Ein wenig Abhilfe soll nun die Umrüstung einiger Ampeln bringen. Nicht nur an der Bremer Straße, sondern gleich an 16 Standorten in Verden sollen sie mit einem Modul ergänzt werden, das die Ampelschaltung beeinflusst, wenn ein Bus herannaht.

„Wir sind ein kleiner weißer Fleck in Niedersachsen“, erklärte Geschäftsführer Henning Rohde in dieser Woche im Ausschuss für Straßen und Stadtgrün. In vielen anderen Städten, insbesondere in den Metropolen, sei es bereits Gang und Gäbe, dass die Ampeln schneller auf Grün wechseln, wenn ein Bus sich nähert. Von diesem Eingriff in die Lichtsignaltechnik profitieren allerdings auch einige andere Verkehrsteilnehmer. „Der Bus schiebt den Verkehr vor sich her“, erläuterte Rohde. Denn nicht erst, wenn der Bus an der Ampel zum Stehen gekommen ist, sondern schon früher springt das Signal für ihn bestenfalls um.

Verspätung durch rote Ampeln

Jede rote Ampel kostet Zeit. Oftmals sind es zwar nur einige Sekunden, doch auf den Routen der Busse summieren sich diese Sekunden zu Minuten, und das ist gleich in mehrerer Hinsicht problematisch. Die Busse kommen dadurch zu spät an ihrem Zielort an. „Im Zweifelsfall ist der Anschlusszug dann weg“, erklärte Rohde das Ärgernis. Drei bis fünf Minuten Verzögerung können sich die Linien durch rote Ampeln einhandeln.

Die Unpünktlichkeit wirkt sich auch negativ auf die Attraktivität der Busverbindungen aus. Das ist für das Busunternehmen ungünstig, aber auch für das Ziel der Stadt Verden, den öffentlichen Nahverkehr zu fördern. „Der ÖPNV muss vorrangig behandelt werden“, fordert Rohde. „Wir müssen Qualität und Verlässlichkeit bieten, sonst steigen die Menschen nicht auf den Bus um.“ Verspätungen stellen das Unternehmen allerdings nicht nur mit Blick auf die Fahrgäste vor Probleme. Denn für die Fahrer gelten strenge Ruhezeiten. Sind die Fahrer auch nur eine Minute länger unterwegs, könne es rechtliche Konsequenzen geben, machte der Geschäftsführer deutlich. Wenn sich die Fahrzeiten in die Länge ziehen, kann sich das auch auf den Personalbedarf auswirken.

Lesen Sie auch

Ein weiteres mögliches Szenario, dass Rohde beispielhaft nennt, ist die Kürzung der Routen. Vor einigen Jahren ereilte dieses Schicksal die 712 in Borstel. Damit die Busse ihren Zeitplan einhalten können, mussten Haltestellen aus dem Fahrplan gestrichen werden. Wegfallende Haltestellen und Personalmehraufwand lassen sich jedoch – so die Hoffnung – durch sogenannte Busbeschleunigungsmaßnahmen vermeiden. Der Zweckverband Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (ZVBN) hat für die Umrüstung von Signalanlagen Fördergelder in Aussicht gestellt. Der zuständige Baulastträger, die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr (NLStBV), kann diese allerdings nicht selbst beantragen, da es sich um Landesmittel handelt, heißt es in der Vorlage. Die Landesbehörde stimme der Umrüstung grundsätzlich zu, lehne jedoch eine Kofinanzierung mit der Begründung ab, dass die Förderung des ÖPNV eine kommunale Aufgabe sei. Die Beantragung und die Kofinanzierung muss somit die Stadt Verden übernehmen.

Auch andere Linien könnten von der Vorrangschaltung profitieren

16 Prozent Zeitverlust sind Voraussetzung für die Förderung. Diese Marke übertreffen die Busse in Verden – insbesondere in der Hauptverkehrszeit – deutlich, räumt Rohde ein. Für den Fördergeldantrag wurden die Linie 711 (ZOB – Dauelsen – ZOB) und die Linie 712 (ZOB – Roggenkamp – Trift – ZOB) genauer in Hinblick auf Zeitverluste untersucht. Mit einer Vorrangschaltung würde demnach die Linie 711 in Richtung Verden 85 Sekunden und in Richtung Dauelsen 138 Sekunden einsparen. Auf der Linie 112, die im Ringverkehr fährt, käme eine Ersparnis von 126 Minuten zusammen. Doch auch andere Linien und Busunternehmen können von der Vorrangschaltung profitieren, vorausgesetzt, die Fahrzeuge selbst sind mit der erforderlichen Technik ausgestattet. Die Allerbus-Flotte wurde bereits vor zwei Jahren aufgerüstet. Seither können die Nutzer per App oder im Internet genau verfolgen, ob ihr Bus pünktlich ist.

589.000 Euro soll die Umrüstung der Ampelanlagen kosten. Förderfähig sind laut Vorlage 50.000 Euro. Da die Förderquote bei 75 Prozent liegt, verbleibe ein Eigenanteil von 214.000 Euro. Den Antrag hat die Stadt Ende Juni eingereicht. Der Ausschuss sprach sich einstimmig für die Aufrüstung der Ampelanlagen aus. Auf weniger Zustimmung stieß hingegen ein anderer Wunsch von Henning Rohde. Der liebäugelte mit der Idee, auf der Bremer Straße eine Busspur einzurichten. Im Gegensatz zur Vorrangschaltung an Ampeln sei diese auch eine Hilfe bei Stau.

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+