Raubüberfall in Oyten vor Gericht

Angeklagter bestreitet Vorwürfe

Vor dem Landgericht Verden hat am Mittwoch der Prozess gegen Harry S. begonnen, einen der mutmaßlichen Täter des brutalen Raubüberfalls im Februar in Oyten.
03.12.2015, 00:00
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Angeklagter bestreitet Vorwürfe
Von Marius Merle
Angeklagter bestreitet Vorwürfe

Harry S. (rechts), der die terroristische Organisation Islamischer Staat unterstützt haben soll, muss sich seit Mittwoch vor dem Landgericht Verden wegen angeblicher Mittäterschaft bei einem brutalen Raubüberfall in Oyten verantworten. Links sein Anwalt Udo Würtz.

Focke Strangmann

Vor dem Landgericht Verden hat am Mittwoch der Prozess gegen Harry S. begonnen, einen der mutmaßlichen Täter des brutalen Raubüberfalls im Februar in Oyten.

„Ich dachte, das war’s jetzt“, schilderte die 52-jährige Oytenerin bei ihrer Zeugenaussage vor dem Landgericht Verden am Mittwoch ihre schlimme Gefühlslage vom Morgen des 12. Februar diesen Jahres. Denn an diesem Tag wurden sie und ihr Mann Opfer eines brutalen Raubüberfalles in ihrem Haus in Oyten. Gegen Harry S., einen der mutmaßlichen Täter, hat am Mittwoch das Verfahren vor der 2. Großen Strafkammer begonnen – und das bei verstärkten Sicherheitsvorkehrungen und Einlasskontrollen.

Denn bei dem 27-Jährigen Bremer handelt es sich nicht um irgendwen: 2013 saß er bereits eine Strafe wegen schweren Raubes ab und soll dabei in Kontakt mit der Bremer Islamisten-Szene gekommen sein. Dieses Jahr soll Harry S. nach Syrien gereist sein und sich der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) angeschlossen haben. Er war auch in einem Video des IS zu sehen, in dem unter anderem Angela Merkel bedroht und Menschen hingerichtet wurden. Bei seiner Rückkehr nach Deutschland wurde er festgenommen und sitzt seitdem im Hochsicherheitstrakt der Justizvollzugsanstalt Oldenburg.

Zu den Vorwürfen der Tatbeteiligung am Raubüberfall in Oyten äußerte sich Harry S. zu Prozessbeginn über seinen Rechtsbeistand nur in der Form, als dass er diese bestritt. Ansonsten machte er von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Viel erzählten derweil die Opfer, die Eheleute waren als Zeugen zur Verhandlung geladen.

Der 53-jährige Oytener schilderte die Vorkommnisse am Tatmorgen wie folgt: Morgens um 7 Uhr klingelte es an der Haustür. Dahinter habe er einen Mann erkennen können, der Kleidung mit der Aufschrift „Zoll“ sowie einen angeblichen Zollausweis durch die Scheibe an der Tür zeigte. „Dann habe ich den blöden Fehler gemacht und die Tür geöffnet“, sagte er. Denn daraufhin habe der Mann direkt den ersten Schlag ins Gesicht bekommen.

Insgesamt seien es fünf maskierte Täter gewesen. Von einigen habe er in der Folge fortwährend brutale Tritte und Schläge bekommen, auch als er schon wehrlos am Boden lag. „Irgendwann gingen die Lampen aus und ich habe nur immer mal wieder kurz etwas mitbekommen“, schilderte er die Situation. Genauere Angaben zu den Tätern, außer dass sie gebrochenes Deutsch gesprochen haben, konnte er daher auch nicht machen.

Der 53-Jährige erlitt erhebliche Verletzungen, wie eine Quetschrisswunde im Gesicht und mehrere offene Wunden und Hämatome. „Als ich ihn in der Blutlache auf dem Boden liegen sah, wusste ich nicht, ob mein Mann noch lebt“, verdeutlichte seine Frau die Dramatik der Situation. Sie sei nach dem Klingeln zunächst im Schlafzimmer im Obergeschoss geblieben, dann aber von einem Täter nach unten gezerrt worden.

„Die Täter wollten 900.000 Euro haben, die wir angeblich als Schwarzgeld zu Hause hatten“, sagte die Oytenerin. Aber das habe gar nicht gestimmt. Als einer der Männer dann sagte, dass „wenn wir nichts finden, euch dann anzünden werden“, habe sie gedacht, dass sie und ihr Mann sterben müssten. Sie versuchte die Männer mit anderen Wertgegenständen aus dem Haus, etwa mit dem Inhalt aus dem Tresor, zufrieden zu stellen – was letztlich auch gelang. Nachdem die Täter alles Diebesgut zusammen getragen hatten, flüchteten sie rund eine halbe Stunde nachdem sie sich gewaltsam Zutritt zum Haus verschafft hatten. Das Ehepaar ließen sie gefesselt zurück. Insgesamt erbeuteten sie rund 2400 Euro an Bargeld, diversen Schmuck und Uhren sowie Münzen, Briefmarken, Sparbücher und eine Geldbörse.

Auch die Frau habe die Täter, obwohl sie ihnen Wertgegenstände aushändigt hatte, nicht erkennen können, da sie den Blick immer auf den Boden gerichtet hätte. Aus diesem Grund konnten die Geschädigten, die nach ihren Worten bis heute sehr unter der Tat leiden, auch keine Angabe darüber machen, ob der Angeklagte zu dem Täterquintett gehörte. Die Staatsanwaltschaft hatte gegen Harry S. Anklage erhoben, weil dieser von einem der Täter, bei dem sich Teile des Diebesguts fanden und der bereits verurteilt worden ist, als Komplize beschuldigt worden ist.

Der Prozess wird am 21. Dezember mit einer weiteren Zeugenaussage fortgesetzt.

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