Volleyball 2. Bundesliga

Auf Frust folgt beim TV Baden Gier

Nach dem 0:3 gegen Schüttorf will der TV Baden beim Doppel-Heimspieltag unbedingt Zählbares einfahren.
17.01.2020, 18:00
Lesedauer: 3 Min
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Auf Frust folgt beim TV Baden Gier
Von Patrick Hilmes
Auf Frust folgt beim TV Baden Gier

Zuletzt herrschte nach drei knapp verlorenen Sätzen gegen Schüttorf Enttäuschung beim TV Baden. Nun soll diese Energie umgewandelt werden.

Björn Hake

Achim. Kassieren Sportler oder Sportmannschaften Niederlagen, wird damit ein Prozess in Gang gesetzt, der zumeist denselben Verlauf nimmt. An erster Stelle steht der unmittelbare Frust, der Ärger über die verbuchte Pleite. Es folgt die Analyse: Was und wer war verantwortlich für den Misserfolg? Dies wiederum mündet in den nächsten Punkt und dabei wird es entscheidend: Entweder die Protagonisten sind im Grunde doch zufrieden mit dem Erreichten und lehnen sich zurück, oder es entsteht die Gier, es beim nächsten Mal besser zu machen.

Zufriedenheit mit einem Aber

Im ersten Spiel des neuen Jahres in der 2. Bundesliga Nord mussten die Volleyballer des TV Baden eine 0:3-Niederlage beim FC Schüttorf 09 schlucken. Das Bittere und zugleich das Gefährliche dabei: Es war eine äußerst knappe mit 31:33, 25:27, 23:25. „Mit einer Woche Abstand kann ich von einem guten Start sprechen. Wir haben Schüttorf alles abverlangt. Schüttorf verfügt einfach über mehr Mittel und ist seit Jahren immer zwischen den Plätzen drei bis sechs zu finden. Daher war das sehr, sehr in Ordnung von uns.“ Die Sätze von Badens Coach Werner Kernbeck lassen auf Zufriedenheit schließen. Doch das Zurücklehnen bleibt aus: „Aber wir brauchen uns nichts vorzumachen, wir haben keine Punkte geholt, obwohl die durchaus möglich gewesen wären. Zahlen lügen leider nicht und daher hat uns das 0:3 schon geärgert. Das ist auch gut so, denn nur, wenn es uns ärgert, können wir uns entwickeln und nur dann ist man gierig auf neue Punkte.“

Diese neuen Punkte sollen nun beim Doppel-Heimspieltag eingefahren werden. Die vermeintlich besten Chancen besitzt der TVB am Sonnabend, wenn der VC Bitterfeld-Wolfen zu Gast sein wird (Anpfiff um 16 Uhr in der Lahofhalle). Bitterfeld-Wolfen wurde zum einen in der Hinrunde mit 3:1 bezwungen und ist zudem derzeit Tabellenvorletzter. Doch Werner Kernebeck warnt nicht ohne Grund vor den Gästen, haben sie 2020 doch schon fünf Punkte eingefahren (3:1 gegen Bocholt, 3:2 gegen Warnemünde). Kernebeck, der sich mit jedem Gegner gleich beschäftigt, kennt den VCB zwar nicht aus der Hinrunde – damals stand noch Fabio Bartolone in der Verantwortung –, doch der Coach hat sich gut informiert. „Der Mittel- und der Diagonalangreifer ragen aus dem System heraus und können den Unterschied machen. Ansonsten spielen sie sehr solide.“ In puncto Schwächen hat Kernebeck, der auf Außenangreifer Balint Bencsik sowie Zuspieler Max Kernebeck (beide aus der Zweiten) als Back-ups setzt, nur wenig ausfindig machen können. Ein Punkt ist ihm aufgefallen: Bitterfeld-Wolfen spielt immer wieder in neuen Konstellationen. Zum einen könne das zum Problem für die Gäste werden, zum anderen aber auch für die Badener. „Das macht sie natürlich auch unberechenbar.“

Etwas einfacher wird es in diesem Punkt am Sonntag in Spiel zwei (Anpfiff um 16 Uhr in der Lahofhalle). Denn den VCO Berlin kennt Kernebeck wiederum sehr gut. In Berlin stand im November seine Premiere als Badener Zweitliga-Coach an und es war eine erfolgreiche mit einem 3:2. Damals ging er noch deutlich aufgeregter in die Partie, als er es am Sonntag tun wird. „Das hat sich verändert, das ist ein Prozess als Trainer, den man mitmacht. Man wird gelassener – nicht im Sinne, dass es einem egal ist, aber dass man seinen Job so gut wie möglich macht, und dann sind die Jungs dran“, schildert Kernebeck, der zudem gleich drei Spieler, die das VCO-Trikot tragen, gut kennt: Filip John (Schüttorf), Julian Hoyer (Bremen) und Benedikt Gerken, den Sohnemann von Badens Hallensprecher Marko Gerken. Werner Kernebeck ist sich sicher, dass sich insbesondere diese drei in Baden gut präsentieren wollen und erwartet daher einen „heißen Ritt“.

Die Entwicklung der drei jungen Spieler verfolgt er in besonderem Maße: „Da schaut man schon mit ein paar mehr Augen drauf.“ Diese drei Jungs im Badener Trikot? „Ich nehme sie sofort. Das sind starke Spieler, die richtig gut ausgebildet wurden“, betont Kernebeck, schickt dem Ganzen jedoch direkt ein Aber hinterher. „Aber mit denen jetzt darüber zu sprechen, wäre nicht gut. Die sollen in Ruhe ihre Saison spielen.“ Zudem winkt den drei Akteuren in der kommenden Spielzeit die 1. Bundesliga. Der VCO Berlin, die Mannschaft des Volleyball-Bundesstützpunktes, dessen Kader ausschließlich aus Spielern des Jahrgangs 2000 besteht, tritt nämlich mit einem Sonderspielrecht an. Der VCO spielt nächste Saison definitiv eine Liga höher, ob auch das Trio aus Niedersachsen dabei sein wird, entscheidet sich laut Kernebeck im April bei den Perspektivgesprächen. Ziel dieses Projekts ist es, Bundesliga- und Nationalspieler zu generieren.

Heimschwäche ablegen

Das Ziel beim TV Baden ist der Klassenerhalt und dafür bedarf es Punkte. Die müssen auch mal wieder daheim generiert werden. In der laufenden Spielzeit konnte der TVB seine Fans nicht gerade verwöhnen, steht doch bei fünf Duellen vor heimischer Kulisse nur ein Sieg auf der Habenseite (3:0 gegen Mohndorf). „Wir wollen unseren Fans etwas zurückgeben, denn der Funke zwischen Team und Zuschauer ist wieder übergesprungen. Am Saisonanfang war das ja etwas ernüchternd“, erzählt Kernebeck. Zurückgeben heißt in diesem Fall siegen. Die nötige Gier scheint der TV Baden zu haben.

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