Unser Dorf hat Zukunft

Aufbruchstimmung in "Höjebö"

Die Gemeinde Bötersen darf sich Chancen ausrechnen, beim Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" das Bundesfinale in Berlin zu erreichen. Bei der Schlussbereisung zeigten sich die Bewohner in Galaform.
24.08.2018, 16:58
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Aufbruchstimmung in
Von Lars Köppler
Aufbruchstimmung in "Höjebö"

Die Voltigierschule an der Dorfstraße war der erste Versammlungspunkt. Schon hier merkten die Bewertungskommissare, wie wichtig Pferde für die Dorfbewohner sind.

Björn Hake

Bötersen. Der Hype war groß, doch es waren keine Fußballstars, die die Menschen aus Bötersen, Höperhöfen und Jeerhof am Donnerstagnachmittag voller Enthusiasmus und mit großem Bahnhof vor der Voltigierschule an der Dorfstraße in Empfang genommen haben. Denn in der "Elf", die unter Jubel dem Mannschaftsbus entstieg, ruhen in diesen Tagen die Hoffnungen der 1100-Seelen-Gemeinde, die von ihren Bewohnern liebevoll "Höjebö" genannt wird. Als eine von 18 Kommunen in Niedersachsen hatte sich die Gemeinde Bötersen mit großer Leidenschaft für das Halbfinale im Landeswettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" qualifiziert. Und die elf "Kommissare" aus der Bewertungskommission – angeführt von Ralf Gebken – wollten sich nun vor Ort im Rahmen einer 90-minütigen Bereisung einen Eindruck darüber verschaffen, warum es Bötersen ins Bundesfinale nach Berlin schaffen könnte.

Keine Frage, die Dorfbewohner haben sich von ihrer besten Seite gezeigt und eine regelrechte Charmeoffensive gestartet, um die Juroren von ihrer aufblühenden Gemeinde zu überzeugen. Immer wieder streute Ute Höfer-Horn, die Witwe des im November 2016 verstorbenen Lyrikers Hartmut Horn, während der Rundreise durch die drei Dörfer kleine Gedichte über das Leben in der gemütlichen Gemeinde ein, die stets mit dem Satz endeten: "Wer hier lebt, hat einen Sechser im Lotto." Das Orgateam mit Nils Blödorn, Andreas Bühring, Susanne Cordes, Hannelore de Vries, Cord Trefke und Jana Hoops sowie die einzelnen Arbeitskreise hatten im Vorfeld der Schlussbereisung derweil noch einmal alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die Dorfbewohner auf das geschichtsträchtige Ereignis einzuschwören. Mit dem Bus und erklärenden Worten von Cord Trefke und Susanne Cordes ließ sich die Delegation durch Bötersen, Jeerhof und Höperhöfen chauffieren. Den Wegesrand säumten spielende Kinder, grasende Tiere, rastende Radfahrer und Menschen im mittelalterlichen Gewand, die auf die Geschichte der Gemeinde anspielten.

Denn schließlich, so ließen es sich die Elf von der Landesbewertungskommission erzählen, haben in dem denkmalgeschützen Bauernhaus Thölkes Hus in Höperhöfen einst die Soldaten von Napoleon Bonaparte gewohnt. Heute ist das Domizil von Klaus und Silke Klencke ein angesagter kultureller Treffpunkt und bietet überdies die Möglichkeit, Ferien im Bauernhaus zu verbringen. Unter dem Motto "Drei Dörfer – Eine Gemeinde – Unsere Zukunft" ging der Trip für den Tross weiter. Immer wieder angereichert mit wissenswerten Erläuterungen durch die Moderatoren.

So erfuhren Ralf Gebken und seine Mannschaft, dass Werte wie Zusammenhalt, Individualität und Nachhaltigkeit den Menschen in der Gemeinde besonders wichtig sind bei all ihren Vorhaben. Vorbei ging es dann an Erdbeerplantagen, Ackerflächen und der örtlichen Biogasanlage. "Wir sind in der Infrastruktur gut aufgestellt, haben ein sehr gut erarbeitetes Radwegenetz und auch der Bürgerbus fährt durch die Gemeinde", berichtete Susanne Cordes und fügt hinzu: "In Jeerhof gibt es 34 Einwohner und zwei Vollerwerbslandwirte." Als "Ort der Kreativität" feierte Ute Höfer-Horn in ihrem folgenden Gedicht das grüne Kleinod.

Mehr Pferde als Einwohner soll es derweil in Höperhöfen, dem Künstlerort in der Gemeinde, geben. "Die Gemeinde ist stark landwirtschaftlich geprägt", erklärte Cord Trefke bei der Weiterfahrt. Insgesamt gebe es sieben Voll- und vier Nebenerwerbslandwirte mit 33 Arbeitsplätzen und einem Auszubildenden in der Milchviehhaltung, Schweinemast, Aufzucht und Hähnchenmast. 268 Einwohner zählt Höperhöfen, wer sich dort mitten in der Natur erholen möchte, kann sich eines der 13 Gästebetten im Ferienhaus von Cord Hoops mieten. Zum Ende der Busfahrt, am Veranstaltungsort "Höper Hus", brachte sich dann die im vergangenen Jahr neu gegründete Dorfjugend mit einem 72-Sekunden-Spiel in die Präsentation ein. Dabei sollten die Juroren ein Puzzle mit heimischen Motiven lösen.

Angelehnt war dieses Spiel an die sogenannten 72-Stunden-Aktionen, bei denen die Dorfjugend bereits das Beachvolleyballfeld, einen Grillplatz und zahlreiche Dorfverschönerungen geschaffen hat. Durch das Neubaugebiet mit seinen vielen jungen Familien führte der weitere Weg zur Grundschule mit Kindergarten und den Sportplätzen, ehe es von dort direkt zur großen Abschlusspräsentation in die Scheune von "Zürns Hoff" ging, vor der die Dorfbewohner bereits ein klatschendes Spalier gebildet hatten. Durchweg zufrieden war das Orgateam nach der Bereisung. "Wir sind begeistert von der Resonanz aus der Dorfbevölkerung, die so zahlreich die Abschlusspräsentation mit unterstützt hat. Die Festscheune der Gaststätte Hoops, die 200 Personen fassen kann, war bis auf den letzten Platz gefüllt. Jetzt sehen wir mit Zuversicht nach vorne", freute sich Hannelore de Vries.

Den Sieg oder die Teilnahme am Bundesfinale konnte Ralf Gebken in seinem Fazit angesichts der großen Konkurrenz derweil nicht versprechen, doch zeigte er sich durchaus beeindruckt von der Bewerbung der Gemeinde Bötersen. Schon in einer Woche werden die Menschen in der Gemeinde Bötersen wissen, ob sie den Sprung ins Finale geschafft haben und den aus dem Fußball bekannten Schlachtruf „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin" anstimmen können.

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