Bettler treiben sich in Baden herum / Polizei rät, das Hausrecht zu nutzen und im Zweifel die Beamten zu rufen Aufdringliche Besucher

Achim. Wenn unbekannter Besuch vor der Tür steht, werden viele Leute skeptisch. Da will doch bestimmt einer etwas verkaufen, denkt sich mancher.
14.10.2016, 00:00
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Von Tina Hayessen

Achim. Wenn unbekannter Besuch vor der Tür steht, werden viele Leute skeptisch. Da will doch bestimmt einer etwas verkaufen, denkt sich mancher. In Baden waren jüngst solch unerwartete Gäste unterwegs – und sie wollten zwar etwas, aber Staubsauger oder Versicherungen hatten sie nicht im Angebot. Es waren schlicht Bettler, allerdings ist es doch weiterhin ungewöhnlich, dass Menschen, die einen auf eine spontane Geldspende ansprechen, nicht in der Fußgängerzone warten, sondern auf Hausbesuch gehen. Entsprechend verwundert und verärgert reagierten die Hausbewohner zum Teil.

„Mir kommt die Sache komisch vor, die laufen richtig auf den Grundstücken rum“, verschaffte ein Badener im Internet seinen Bedenken einen Raum. Gerade hatte er offensichtlich den unerwünschten Besuch bekommen und wollte Nachbarn auf einer Facebook-Seite warnen. Schnell entspann sich eine Diskussionen mit etlichen Einträgen. Nicht nur über die Bettler selbst, sondern auch über den Umgang mit ihnen. Darf man sie fotografieren, um ihre Identität festzuhalten? Haben sie nicht ein Recht auf ihr eigenes Bild? Ist es erlaubt, die Fotos dann auf Facebook zu teilen? Und natürlich: Was macht man mit allzu aufdringlichen ungebetenen Gästen?

„Man hat ein Hausrecht, und das sollte man in so einem Fall nutzen“, sagt Polizeisprecher Jürgen Menzel. Ja, es sei am Dienstagnachmittag ein Fall von Bettelei in der Straße Am Sonnenhang gemeldet worden, bestätigt er. Doch die Betreffenden seien schließlich der Aufforderung nachgekommen und verschwunden. Hausrecht nutzen, einen Platzverweis erteilen, das ist im Endeffekt ganz einfach. Man sagt den Bettlern, dass sie hier nichts bekommen und fordert sie auf, das Grundstück zu verlassen. Klappt das nicht, müssten die Bewohner nicht verzagen, versichert Menzel. „Wenn sie nicht gehen, ruft man uns. Wir helfen.“

Es sei traurig, aber leider müsse die Polizei immer wieder erleben, dass sich Nachbarn zwar gegenseitig im Internet oder beim Gespräch am Gartenzaun warnen, niemand allerdings die Beamten alarmiert. Das sei nicht nur bei Bettelei ein Thema, sondern auch bei waschechten Straftaten, erklärt Menzel. Vor nicht langer Zeit habe es im Südkreis einen Vorfall gegeben, bei dem mutmaßlich ein Hund gestohlen werden sollte. Die Zeugen hätten im Internet alle Hundebesitzer gewarnt, „aber niemand hat uns angerufen“. Das sei nicht nur für die Strafverfolgung schwierig, das Schweigen gegenüber der Polizei bringe sie auch in den Verdacht, Vorfälle unter Verschluss zu halten. „Dann bekommt man gesagt, man würde etwas vertuschen, dabei weiß man einfach nicht, dass etwas passiert ist.“ Der Hund, setzt Menzel nach, sei dann übrigens wieder aufgetaucht.

Ratschläge was die Fotos angeht, hat Menzel für die Betroffenen auch. Er rät davon ab, Bilder von Verdächtigen oder von Bettlern ins Internet zu stellen. Die Menschen hätten durchaus noch ihr Recht auf ein eigenes Bild. Sie zu fotografieren kann dann sinnvoll sein, wenn man von einem Verbrechen ausgeht. „Dann kann man etwas vorzeigen, wir wissen so, wie diejenigen aussehen, wir können sie identifizieren“, erklärt der Polizist.

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