Plattdeutsche Komödie

Avancen mit starken Nebenwirkungen

Mit ihrem plattdeutschen Stück „Dree neede Froons för Wotan“ hat die Wulmstorfer Theatergruppe eine umjubelte Premiere gefeiert. In dem Stück buhlen drei liebestolle Damen um einen Mann.
14.01.2018, 14:35
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Avancen mit starken Nebenwirkungen
Von Jürgen Juschkat

Blender-Inschede. „Entschülligen Se, man Se söökt nicht tofällig´n Seniorenwahnung?“ Der von Torsten Mai gespielte Herr Schaller fragte eingangs des Dreiakters „Dree neede Froons för Wotan“ als Vermieter im Zuschauerbereich einzelne Personen, ob sie nicht eine Seniorenwohnung benötigen würden. Mit ihrer Komödie feierte die Wulmstorfer Theatergruppe am Sonnabend in der Turnhalle der Gemeinschaftssportanlage Intschede eine gelungene Premiere.

Die niederdeutsche Komödie von Bernd Spehling, die Wolfgang Binder ins Plattdeutsche übersetzt hat, spielt in einem zentralen Vorraum einer Seniorenhaus-Gemeinschaft. In dieses Haus muss der von Helmut Lührs gespielte Wotan wider Willen einziehen. Sohn Maurice (Martin Kleemeyer), mit Vorsorge- und Betreuungsvollmacht ausgestattet, will das so. Immerhin hat Sylvia (Marlies von Hollen) ihren Ehemann Wotan verlassen und angeblich mit einem „chilenischen Gefäßflötenspieler“ angebandelt. Da jedoch in der Etage des Seniorenhauses ausgerechnet drei liebeshungrige Frauen mit unterschiedlichen Charakteren wohnen, kommt es zu einem bunten Werben um den einzigen Mann in der Gemeinschaft, der fortan ein Leben auf der Überholspur führt.

Emily (Petra Reicksmann) hält sich auf ihre Art für unwiderstehlich, spielt in kniefreien Röcken und Kleidern ihren besonderen Reiz aus. Ella (Heike Meyer), bei der die Hippievergangenheit der 1970er-Jahre immer wieder durchscheint und die ihre Demo-Teilnahmen kaum auf die Reihe bekommt, bemüht sich ebenfalls um den Mitbewohner. Schließlich taucht auch die schreckhafte Elke (Eike Lührs) auf, die von Luise Gehrke in der Maske entsprechend krankhaft geschminkt wurde. Sie testet an sich Medikamente von Pharmafirmen, um die Rente aufzubessern. Das hat aber so seine Nebenwirkungen.

Und so passieren fortan kuriose und lustige Dinge, die das Publikum immer wieder erheitern. Wotan Steller, zunächst mit Hut, Hose und im Sakko mit kariertem Hemd darunter, trägt unter dem Arm ein großes Bild seiner Frau Sylvia und hofft auf deren Rückkehr. Durch die Aufdringlichkeiten der Mitbewohnerinnen wird er jedoch von einer Verlegenheit in die andere gestürzt, kommt mal aus dieser, mal aus jener Wohnung. Besonders im Wasserglas aufgelöste „Libido-Pillen für die Frau“ beheben bei ihm nach durchzechter Nacht nicht etwa die Kopfschmerzen, sondern erzielen eine ganz andere Wirkung.

Ständig wechselnde Kostümierungen sorgen nicht nur für ein buntes Bild auf der von Alfred Gehrke, Günter Grieme, Torsten Mai, Hendrik Schlottmann und Fred Wigger hergerichteten Bühne, sondern verfehlen auch sonst nicht ihre Wirkung – so wie ein knapper Morgenmantel oder ein Indianer-Outfit. Ein Schornsteinfeger spielt in dem Stück ebenso eine Rolle wie eine graue Maus mit langem Schwanz.

Dass es den Wulmstorfer Laienspielern derweil nicht an Nachwuchs fehlt, konnte vor der Hauptaufführung festgestellt werden. Mit einem plattdeutschen Sketch, bei dem es um Kaffee und Kuchen geht, ernteten die zehnjährigen Celin Bielefeld und Malte Szczes verdienten Applaus.

Theaterfreunde haben noch bei vier anderen Aufführungen die Möglichkeit zu erfahren, wie es in der Komödie weitergeht. Gespielt wird der lustige Dreiakter noch am Freitag, 19. Januar, ab 20 Uhr, am Sonnabend 20. Januar, um 14.30 Uhr und 20 Uhr sowie am Sonntag, 21. Januar, ab 14.30 Uhr. Bei den Nachmittagsveranstaltungen werden Kaffee und Kuchen angeboten. Karten können bei Heike und Fred Wigger unter der Telefonnummer 0 42 33 / 24 35 64 bestellt werden. Nähere Infos auf der Homepage www.wulmstorfer-theatergruppe.de.

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