Serie 24 Stunden in Verden: Im Verwell Bademeister als Fels in der Brandung

In den Schwimmbecken des Verwell in Verden herrscht in der Zeit von 18 bis 19 Uhr ein reges Treiben. Bademeister Jörn Kruse bringt das nicht aus der Ruhe. Er und seine Kollegen sorgen unauffällig vom Beckenrand aus für Sicherheit.
16.01.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Bademeister als Fels in der Brandung
Von Mareike Meyer

Planschende Kinder, übermütig im Wasser tobende Jugendliche und diszipliniert ihre Bahnen ziehende Erwachsene. In den Schwimmbecken des Verwell in Verden herrscht in der Zeit von 18 bis 19 Uhr ein reges Treiben. Für die Sicherheit beim unbeschwerten Badevergnügen sorgen Bademeister Jörn Kruse und seine Kollegen möglichst unauffällig vom Beckenrand aus.

18 Uhr: Wenn der Fachangestellte für Bäderbetriebe Jörn Kruse seine Runde durch das Schwimmbad im Verwell in Verden macht, wird er schnell von seinen Stammgästen erkannt. „Moin Jörn“, grüßen ihn zwei Jungs als er den Spaßbereich betritt. „Die beiden haben einen Schwimmkurs bei mir gemacht“, erklärt der Bademeister. Der Kontakt mit ganz vielen Menschen gefalle ihm besonders an seinem Beruf. „Das ist ein sehr schöner Job“, so Kruse, „wenn auch ein anstrengender.“

Hohe Verantwortung

Die Bademeister arbeiten meistens dann, wenn andere frei haben. „Viele denken, wir stehen nur am Beckenrand herum, aber wir tragen eine unwahrscheinlich hohe Verantwortung“, berichtet Kruse. Dazu komme eine hohe körperliche Belastung durch die Lautstärke und die Temperatur im Schwimmbad. Nach kurzer Zeit sei das T-Shirt durchgeschwitzt und auch der Kreislauf gewöhne sich nur langsam an das tropenartige Klima.

Aber die Arbeit als Fachangestellter für Bäderbetriebe umfasst noch einiges mehr: In den Katakomben unter den Schwimmbecken ist die Technik untergebracht. Wenn die Techniker Feierabend haben, überwachen die Bademeister die Gerätschaften für die Wasseraufbereitung und Chemikalien. Außerdem findet sich hier unten ein großes Regal voller Fundsachen. Zumeist bleiben Handtücher im Verwell liegen. „Die Handtücher werden gewaschen und dann hier gelagert. Das ist alles von einem Monat“, sagt Kruse und deutet auf acht voll beladene Regalbretter. Nach einem Jahr würden die Fundsachen dann als Spende weggegeben.

Schwarzer Schlund

Der Gang durch die Katakomben endet an einem kleinen Becken, das nur etwa kniehoch mit Wasser befüllt ist. Der schwarze Schlund der Rutsche spuckt beinahe im Sekundentakt johlende Badegäste aus. „Kommt bitte raus aus dem Becken“, fordert Kruse zwei Jungs auf, die am Ende der Rutsche im flachen Wasser sitzen. „Das hier ist einer der Gefahrenpunkte, die wir immer besonders im Blick haben“, erklärt der Bademeister. Immer wieder würden hier Jugendliche im Wasser auf ihre Freunde warten, die sich noch auf dem Weg nach unten befinden. Ein Zusammenprall sei gefährlich.

Zum Äußersten kam es im Verwell übrigens noch nie. „Wir hatten noch nie einen Todesfall hier bei uns“, sagt Kruse. Nur im vergangenen Jahr wurde es einmal sehr brenzlig, als ein Mann mit Herzkammerflimmern von den Bademeistern mit einem Defibrillator gerettet wurde. „Wir werden darauf geschult, Probleme zu erkennen, aber manchmal ist es bei einem starken Badebetrieb auch für uns schwierig“, meint Kruse.

Pflaster sind Meterware

Im Notfall werden die Verletzten hinter den Kulissen behandelt. „Das Pflaster haben wir hier gleich als Meterware“, sagt Kruse. Etwa ein Meter pro Tag gehen raus, wenn das Schwimmbad gut besucht ist. Doch an diesem Tag ist es ruhig im Verwell. Einige Schwimmer ziehen im Sportbecken ihre Bahnen, während die Bademeister schon die Schilder für den nächsten Aquafitness-Kurs an den Beckenrand stellen. Auch das gehört zu den Aufgaben der Fachangestellten für Bäderbetriebe. „Wir geben die Schwimm- oder Aquafitness-Kurse, machen Büro- und Kassendienst und in der Sauna die Aufgüsse und Veranstaltungen“, beschreibt Kruse, der auch Teamleiter im Saunabereich ist.

Ein weiterer Gefahrenpunkt ist der Strömungskanal im Spaßbecken. Zwei Kinder mit Schwimmflügeln planschen in dem 1,40 Meter tiefen Bereich. Noch ist die Strömung ausgeschaltet, aber das ändert sich regelmäßig. „Die hat man dann natürlich im Blick und man guckt, wo die Eltern sind“, sagt Kruse und blickt sich suchend um. Von der Brücke, die über das Becken führt, hat er in diesem Bereich den besten Überblick.

Trotzdem wechseln die Bademeister häufiger ihre Positionen und wandern durch den Raum. „Man hat fast immer einen toten Winkel und so behalten wir alles im Blick“, so Kruse. Dabei versuchen Kruse und seine Kollegen unauffällig zu bleiben, um den Badegästen nicht das Gefühl einer Totalüberwachung zu geben. „Wir halten uns im Hintergrund, sind aber als Ansprechpartner jederzeit greifbar. Wir sind praktisch der Fels in der Brandung.“

24 Stunden in Verden: In dieser 24-teiligen Serie suchen Redakteurinnen und Redakteure der VERDENER NACHRICHTEN 24 verschiedene Orte in der Stadt Verden auf und beobachten hier jeweils 60 Minuten lang das Geschehen. Die Autoren berichten von einem für die jeweilige Uhrzeit typischerweise stark genutzten Platz.

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