Badener Bahnhof bekommt Ticketautomaten / Zahlen kann man nur mit Karte, das soll vor Vandalismus schützen Bargeldlos gegen Explosionsgefahr

Gleich zweimal knallte es 2014 gehörig am Badener Bahnhof – Unbekannte hatten im Januar und Mai die dortigen Fahrkartenautomaten gesprengt. Monatelang mussten die Badener ohne die Geräte auskommen – nun gibt es eine Neuheit, die die Nordwestbahn hier ausprobiert: Ticketautomaten, die kein Bargeld mehr nehmen. Außerdem sollen sie für Menschen mit Behinderung leichter zu nutzen sein.
19.02.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Tina Hayessen

Gleich zweimal knallte es 2014 gehörig am Badener Bahnhof – Unbekannte hatten im Januar und Mai die dortigen Fahrkartenautomaten gesprengt. Monatelang mussten die Badener ohne die Geräte auskommen – nun gibt es eine Neuheit, die die Nordwestbahn hier ausprobiert: Ticketautomaten, die kein Bargeld mehr nehmen. Außerdem sollen sie für Menschen mit Behinderung leichter zu nutzen sein.

Das erste Ticket soll ihm gehören, findet Bürgermeister Rainer Ditzfeld und schiebt seine Girokarte in den neuen Automaten am Badener Bahnhof. Wohin geht’s? Natürlich nach Achim. Die 1,95 Euro ist es ihm wert. „Endlich wieder Fahrkarten am Badener Bahnhof“, freut sich Ditzfeld. Monatelang mussten die Badener ohne Ticketautomaten auskommen. Denn unbekannte Täter hatten 2014 gleich zwei der Geräte gesprengt. Auch im weiteren Gebiet der Nordwestbahn taten Vandalen ihr Werk: Allein in sechs Wochen wurden sechs Automaten zerstört. Nun stehen zwei Neuheiten der Nordwestbahn am Bahnsteig: Automaten, die allein mit Kartenzahlung funktionieren. Bargeld nehmen sie nicht an. Es ist ein Pilotprojekt des Unternehmens, Ziel ist, dass es sich für Kriminelle nicht mehr lohnt, die teuren Geräte explodieren zu lassen.

„Aber meine Sparkassenkarte nimmt er nicht“, vermutet ein älterer Herr, der zufällig zur Vorstellung der neuen Automaten hinzustößt. „Doch!“, versichert Wigand Maethner, Bereichsleiter bei der Nordwestbahn, und zückt seine eigene, um es zu beweisen. „Sehen Sie, da steht Maestro drauf, es geht also“, betont Maethner und vergleicht das Logo auf seiner Karte mit dem auf dem Display des Automaten. Neben Geld-, Giro- und V-Pay-Karten akzeptiere dieser auch Visa- und Mastercards sowie das bargeldlose VBN-Ticket BOB.

Dass es für die Achimer „eine Umstellung sein wird“, nicht mehr mit Münzen und Scheinen ihre Tickets zu lösen, weiß Ditzfeld. Auch Maethner räumt ein, dass es den ein oder anderen Fahrgast wundern oder gar ärgern könnte. Allerdings habe ein Großteil der Fahrgäste, Pendler etwa, ohnehin ihr Ticket in der Tasche. Fahrende, die keine Geldkarte besitzen, – zum Beispiel Kinder – verweist der Automat immerhin auf die Öffnungszeiten von Schreibwaren Mildner. Hier gibt es wie bislang auch gegen Bargeld Tickets.

Mal abgesehen von der Zahlung gibt es noch einen recht offensichtlichen Unterschied zwischen den beiden neuen Fahrkartenautomaten und den alten: Das Display sitzt wesentlich tiefer. Das mache man nicht, damit sich der durchschnittlich große Fahrgast krümmen muss, versichert Maethner. Allerdings soll es nun Rollstuhlfahrern und anderen Menschen mit Behinderung leichter fallen, das Gerät selbstständig zu bedienen. Jeweils neben den beiden Fahrkartenautomaten sind, das wird viele Badener freuen, nun auch wieder Stempelgeräte zu finden. „Fragt sich, wie lange noch“, bleibt der eingangs erwähnte Badener skeptisch. Wie den meisten im Dorf ist ihm bewusst, dass die Stempelgeräte bislang schnell verstopft waren – mit Zweicentmünzen Das ist auch für Maethner nicht neu, unterstreicht er. Und er würde nur zu gerne etwas daran ändern. „Wir werben darum, dass die auch bei uns breiter gemacht werden“, sagt er über die Schlitze der Automaten. In Nordrhein-Westfalen gebe es das schon. „Da müssten die Leute Zweieuromünzen nehmen, um die Automaten zu verstopfen, das ist ihnen erfahrungsgemäß zu teuer.“

In Niedersachsen seien die neuen Stempler aber noch nicht im Einsatz. Weshalb man „nur um Unterstützung bitten“ könne. Heißt also: Wer mitbekommt, dass jemand an den Geräten herumfuhrwerkt, soll das bei der Nordwestbahn melden. An Videoüberwachung habe man noch nicht gedacht, um dem Problem Herr zu werden, erklärt Maethner auf Nachfrage. Zum einen müsse das ohnehin die Deutsche Bahn veranlassen, der der Bahnsteig gehört. Zum anderen überlege man Schritte wie diese nur in extremen Situationen – etwa wenn, wie es andernorts vorkam, das Display des Automaten regelmäßig mit dem Baseballschläger zertrümmert werde.

Vandalismus wie dieser, aber natürlich auch die Sprengung der Badener Automaten, kommt die Nordwestbahn teuer zu stehen: „Ungefähr 35 000 bis 40 000 Euro“, so Maethner, koste ein Apparat. Und weil „es den nicht von der Stange“ gebe, habe es auch so lange gedauert, bis für den Badener Bahnhof endlich Ersatz beschafft wurde. Jeder Automat werde eigens produziert, was mehrere Monate dauere.

Nicht nur die Kartenzahlung soll übrigens die beiden neuen Maschinen vor Vandalismus schützen – es gebe ein paar versteckte Sicherheitstechniken, über die man aber lieber nicht viel verraten möchten, erklärt Maethner.

Wie kompliziert der Automat von innen aussieht, konnten die Besucher der Vorstellungsrunde auch noch herausfinden: Und zwar, weil das Ticket des Bürgermeisters beim ersten Druckversuch einfach stecken blieb.

Gut, dass die beiden Techniker, die den Apparat aufgestellt hatten, noch vor Ort waren. Sie schlossen auf, pulten des Bürgermeisters Billett aus dem Gerät und suchten nach dem Fehler. Zwei Minuten später probierte Bereichsleiter Maethner sein Glück – sein Ticket schaffte es immerhin im ersten Anlauf.

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