Umbau der ehemaligen JVA

Abrissarbeiten am Amtsgericht

Lange passierte augenscheinlich nichts, nun sind die Bauarbeiten am Achimer Amtsgericht nicht mehr zu übersehen. Doch der Umbau des denkmalgeschützen Gebäudes muss unter einigen Auflagen erfolgen.
11.04.2021, 16:15
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Abrissarbeiten am Amtsgericht
Von Elina Hoepken
Abrissarbeiten am Amtsgericht

Stein für Stein tragen die Bauarbeiter die Verblendersteine des Durchgangs ab. Sie sollen später wieder verwendet werden.

Björn Hake

Achim. Schritt für Schritt, Stein für Stein. So arbeiten sich die Bauarbeiter langsam vor und befreien den Zwischengang, der das Achimer Amtsgericht an der Obernstraße mit dem Gebäude der ehemaligen Justizvollzugsanstalt (JVA) verbindet, von seinen Verblendersteinen. Es sind die ersten Handgriffe, die für den Abriss des Gebäudeteils erfolgen müssen, und sie können nun, nachdem sich die Arbeiten zuletzt immer wieder verzögert hatte, endlich beginnen. Doch die ersten Schritte müssen sorgsam vollzogen werden, denn die Steine sollen später noch einmal genutzt werden.

So will es das Landesamt für Denkmalpflege, das intensiv in die Planung für den Umbau des Amtsgerichts einbezogen wurde. Denn das Gebäude steht unter Denkmalschutz. Erbaut wurde es in den 1860er-Jahren. „Die miteinander verbundenen Gebäude des Amtsgerichts Achim und der ehemaligen JVA bilden ein Ensemble. Dieses stellt ein denkmalgeschütztes Einzelstück dar, das es in dieser Form nur noch ein weiteres Mal gibt – in dem Fall im Privatbesitz“, erklärt der zuständige Bauleiter Michael Brassel vom Staatlichen Baumanagement Weser-Leine.

Steine werden wieder genutzt

Wie berichtet, soll die ehemalige JVA zukünftig als Teil des Amtsgerichts mitgenutzt werden und für Büro- und Nebenräume umgebaut und technisch neu ausgestattet werden. Zuletzt dienten die Räumlichkeiten nämlich hauptsächlich als Aktenarchiv. „Das Landesamt für Denkmalschutz hat die Vorgabe gemacht, dass wir die Verblendersteine einzeln abtragen müssen, um möglichst viele zu erhalten“, berichtet Brassel. Später sollen diese dann, gemischt mit neueren Exemplaren, wieder verbaut werden. „Auf diese Weise bleibt der Denkmalcharakter am stärksten erhalten.“ Die komplette Baumaßnahme muss das Staatliche Baumanagement Weser-Leine im Bestand umsetzen. Dabei muss es zum einen die Gegebenheiten des historischen Gebäudes berücksichtigen, zum anderen aber auch die Bedürfnisse an eine moderne Raumgestaltung und -nutzung erfüllen. „Diesen Spagat schaffen wir unter anderem dadurch, dass wir die vorhandene Zellenstruktur des Gebäudes so anpassen, dass daraus neun neue Büroräume entstehen“, sagt Brassel.

Die Büroräume der Mitarbeiter des Amtsgerichts sind derzeit noch auf drei verschiedene Gebäude aufgeteilt. Neben dem Hauptsitz an der Obernstraße ist das Amtsgericht zusätzlich noch im früheren Rathaus sowie im angrenzenden Gebäude (Nebenstelle II) an der Straße „Am Rathauspark“ untergebracht. „Ein Umzug in das JVA-Gebäude ist aus organisatorischen Gründen sinnvoll, da die Richter und Rechtspfleger umfangreiche Aktenlagerfläche benötigen und der jetzige tägliche Unterlagentransport zwischen den Standorten einen hohen Aufwand bedeutet“, weiß auch Brassel.

Verbindungsgang wird aufgestockt

In den nächsten Tagen steht nun zunächst der Abriss des Verbindungsgangs an. Das Staatliche Baumanagement Weser-Leine wird anschließend den Gang um ein Geschoss aufstocken und einen Aufzug einbauen. „Der geplante Aufzug erreicht jeweils beide Geschosse des Amtsgerichtes und der ehemaligen JVA“, sagt Brassel. Das Amtsgericht ist derzeit rückwärtig über einen eingeschossigen Verbindungsgang an die ehemalige JVA angeschlossen. Das Fußbodenniveau des Erdgeschosses der ehemaligen JVA weicht nach Angaben von Brassel zum Amtsgericht um etwa einen Meter, das Obergeschoss um etwa 70 Zentimeter ab. „Die Höhenunterschiede der Geschosse sollen in dem Verbindungsgang barrierefrei überwunden werden. Dafür wird der vorhandene Verbindungsgang um ein Geschoss aufgestockt, um zunächst die Obergeschosse der ehemaligen JVA und des Amtsgerichtes miteinander zu verbinden“, erklärt Brassel. Nach Abschluss dieser Arbeiten startet das Staatliche Baumanagement Weser-Leine dann mit der Sanierung der ehemaligen JVA.

Im Zuge der Baustelle wird nach Angaben der Leiterin des Amtsgerichts, Sabine Reinicke, ein Bauzaun errichtet. Der hintere Hof ist daher derzeit nicht mehr für den Geschäftsbetrieb des Amtsgerichts Achim nutzbar. Das bedeutet auch, dass für die Dauer der Baumaßnahme das historische Amtsgericht nicht mehr barrierefrei zu erreichen ist. „Personen mit körperlichen Einschränkungen werden daher gebeten, die Klingel am Haupteingang, die entsprechend versetzt wurde, zu nutzen. Von dort werden die weiteren Abläufe organisiert werden“, erklärt Reinicke.

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