Konzert in Kirche Thedinghausen Beeindruckendes Stimmvolumen

Kathy Kelly sorgte beim Konzert in der Kirche Thedinghausen für große musikalische Momente, die ohne das Zutun des Keyboarders jedoch oft noch besser zur Geltung gekommen wären.
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Von Ilias Subjanto

Thedinghausen. Selten war Deutschland in Musikfragen so gespalten wie vor 20 Jahren. Mitte der 1990er Jahre feierte die Folk-Pop-Truppe Kelly Family ihren Durchbruch, wodurch einerseits eine mehr als enthusiastische Anhängerschaft entstand, andererseits auch eine vehemente Gegnerschaft entfachte, die die Kelly-Family-Songs für ihre Schnulzigkeit kritisierte und die musizierende Großfamilie auch mal als „singende Altkleidersammlung“ verspottete. Eines der Familienmitglieder, die Sängerin Kathy Kelly, gab nun am Freitag gemeinsam mit dem Thedinghauser Chor „TonArt“ ein Konzert in der Maria-Magdalena-Kirche Thedinghausen. Damit steht das Jahr 2017 ganz im Zeichen der einstigen Straßenmusiker, nachdem bereits im Frühsommer die Reunion von sechs der Geschwister für ausverkaufte Hallen sorgte und nach 13 Jahren erstmals wieder ein neues Studioalbum veröffentlicht wurde.

Der Samtgemeinde Thedinghausen bescherte Kathy Kelly als Solokünstlerin im Rahmen ihrer Weihnachts-Tournee eine vollbesetzte Kirche. Der frauendominierte Chor „TonArt“ durfte den Abend mit drei Weihnachtsliedern eröffnen und die – seit den Erfolgszeiten der Kelly Family Mitte der Neunziger merklich älter gewordene – Fangemeinde auf die Solokünstlerin Kathy Kelly einstimmen. Gemeinsam mit ihrem Keyboarder Andreas Recktenwald unterhielt sie das Publikum mit einem Potpourri aus populärer Musik, traditionellen Volksliedern und bekannten Weihnachtsstücken.

Nach dem ersten Song „Who‘ll come with me“, dem ersten Charterfolg der Kelly Family, fand Kathy Kelly stimmlich in die Spur und spielte ihre ganze Routine aus. Vor allem in der irischen Ballade „Danny Boy“ und im Kelly-Hit „Fell in Love With an Alien“ überzeugte die Mittfünfzigerin als Grande Dame des Gesangs mit beeindruckendem Stimmvolumen. Dabei begleitete die Multi-Instrumentalistin sich stets selbst mit Gitarre, Akkordeon oder Violine und bewies, wie gekonnt sie ihr musikalisches Handwerk beherrscht.

Bei ihrem Auftritt präsentierte sie ein buntes Allerlei von Musical, über Shantys bis hin zu Franz Schuberts „Ave Maria“, bei dem sie nicht mit Pathos sparte und wenig Gespür für leise Zwischentöne zeigte – Kathy Kelly ist nun mal keine Céline Dion. Der Schmalz, mit dem der Keyboarder den Gesang unterlegte, tat sein Übriges. Überhaupt war es bedauerlich, dass er sich oftmals nicht auf Klavierklänge beschränkte, sondern wie ein Alleinunterhalter die gesamte Begleitmusik aus seinem Keyboard produzierte. Dies hat eine bodenständige Künstlerin wie Kathy Kelly eigentlich nicht nötig, widerspricht ihrem Image als authentische Straßenmusikantin und wurde dem kirchlichen Auftrittsort auch nicht gerecht; eine akustische Begleitband mit Percussions und Gitarre hätte hier viel besser gepasst.

Wohl fühlte sich Kathy Kelly bei irischen Weisen, Kelly-Gassenhauern wie dem Song „An Angel“, den sie an diesem Abend auf Spanisch interpretierte, und Leonard Cohens „Hallelujah“, bei dem das Publikum gerne mitsang. Zum Ende des Konzertes gab es dann den gemeinsamen Auftritt von Chor und Künstlerin: Zusammen intonierte man „Glory Glory Hallelujah“ im Boogie-Woogie-Stil, „Oh Holy Night“ und „Leise rieselt der Schnee“. Damit war die vorweihnachtliche Stimmung vollends beim zufriedenen Publikum angelangt.

Beglückt waren auch Thomas Meyer aus Verden und seine Schwester Elsbeth Vogel, die eigens aus Langeoog angereist war. „Vor allem bin ich von Kathys Stimme angetan“, sagte Thomas Meyer. Seine Schwester pflichtete ihm bei und freute sich über die ausgelassene Stimmung im Publikum. Das Chormitglied Renée Henke wusste nur Gutes über die gemeinsame Probe mit Kathy Kelly zu berichten: „Sie ist ein sehr umgänglicher Mensch, sehr sympathisch.“ Für sie wie für den gesamten Chor sei das Konzert ein absolutes Highlight gewesen.

Damit ging ein Abend zu Ende, bei dem zumindest die Fans der Kelly Family und der Solokünstlerin Kathy Kelly auf ihre Kosten kamen.

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