Zum Tag des offenen Denkmals am 11. September lassen sich in Achim viele Orte erkunden Begehbare Geschichte

Achim. Das Gefängnis öffnet seine Türen. Nein, es werden keine Straftäter frühzeitig entlassen.
09.09.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Tina Hayessen

Achim. Das Gefängnis öffnet seine Türen. Nein, es werden keine Straftäter frühzeitig entlassen. Stattdessen lässt das – ehemalige muss man korrekterweise sagen – Gefängnis im Achimer Amtsgericht Besucher in die Zellen. Doch am Sonntag, 11. September, wird es noch so einige andere Orte geben, an denen man sich einfach mal umschauen kann. Zum Tag des offenen Denkmals gibt es viel Historisches in der Stadt zu sehen. Alle Veranstaltungen sind kostenlos.

Der erste Termin des Tages ist im ältesten Gebäude Achims. Um 11.15 Uhr lädt die St.-Laurentius-Kirche zur Führung. Natürlich lassen sich bei der Gelegenheit auch die neuen Entwicklungen auf dem Gelände erkunden: Schließlich baut die evangelisch-lutherische Kirche in Achim nebenan gerade ihr neues Gemeindehaus. Pastor Christoph Maaß führt nach dem Gottesdienst (er beginnt um 10 Uhr, natürlich kann auch dieser besucht werden) in die Geschichte der Landkirche ein. Im Jahr 1257 wurde die sie erstmals vom Bremer Bischof Gerhard II. urkundlich erwähnt. Es gibt laut St.-Laurentius-Gemeinde allerdings deutliche Hinweise, dass die Kirche älter ist. Im Turm findet sich eine – nur schwer entzifferbare – Inschrift, die auf das Baujahr 1091 hindeutet. Es wird also viel zu erzählen geben – nicht nur, weil das Bauwerk so alt ist, sondern auch, weil der ursprüngliche romanische Feldsteinbau im Laufe der Zeit immer wieder erweitert und umgebaut wurde. Wer es nicht zur Führung schafft, kann die Kirche in der Pfarrstraße jederzeit zwischen 10 und 18 Uhr besuchen.

„Historisches und Unterhaltsames zum ehemaligen Gefängnis“ erfährt man laut Stadt bei drei Führungen im Amtsgericht Achim (Obernstraße 46). Um 11.30, 12.15 und 14.30 Uhr dürfen auch Unbescholtene mal Gefängnisluft schnuppern. Und sie werden ganz bestimmt auch wieder freigelassen. Diesmal sei sogar eine Zelle möbliert worden, heißt es in der Ankündigung. So lässt sich noch besser erahnen, wie es sich als Gefangener hier gelebt hat. Treffpunkt für die Führungen ist der Nebeneingang rechts vom Amtsgericht.

Die Flügel sind zurück: Die Achimer Mühle steht zu diesem Tag des offenen Denkmals wieder in voller Pracht. Nach langer Sanierungsphase ist das Achimer Wahrzeichen bereit für Besuch. Bei den Führungen zwischen 10 und 12 Uhr sowie zwischen 13.30 und 17 Uhr erfahren die Gäste reichlich zur Geschichte des Gallerie-Holländers. Zum Beispiel, dass es einen Vorgänger des 1761 erbauten Gebäudes gab: 1651 stand hier bereits eine Bockwindmühle. Nicht nur zur Architektur, auch zur Zimmermannsarbeit und der Arbeitsweise der Mühle will Gästeführer und Mühlenexperte Manfred Drees berichten.

Der versteckt an der Straße An der Eisenbahn gelegene ehemalige jüdische Friedhof – inzwischen gibt es keine Beisetzungen mehr – wird ebenfalls für eine Besichtigung geöffnet. Von 15 bis 16.30 Uhr können sich alle Interessierten zwischen 56 Grabsteinen umschauen. Eingerichtet im Jahr 1865, wurde der Friedhof bis 1935 von der Synagogengemeinde genutzt. Seit 1938 wurde der Friedhof mehrfach geschändet, 1945 notdürftig wiederhergestellt, um zwischen 1954 und 1957 endgültig wieder hergerichtet zu werden. Die Veranstalter betonen, dass alle männlichen Besucher, auch kleine Kinder, eine Kopfbedeckung benötigen. Egal ob Mütze, Hut oder Kippa (die gebräuchliche Kopfbedeckung männlicher Juden): Hauptsache, es ist etwas auf dem Schopf.

Einen Themenspaziergang im Rathauspark (Obernstraße 75) können Interessierte um 17 Uhr besuchen. Es soll um die Achimer Geschichte gehen – also wird es laut Ankündigung ebenso ernst wie auch heiter werden. Mit Anekdoten humorvoll verpackt, erklärt Gästeführerin Beata Hopp, wie es mal in Achim war. Im Rathauspark gibt es ja einiges zu sehen, was an die Vergangenheit erinnert: zum Beispiel das Kriegerdenkmal des deutsch-französischen Kriegs von 1870/71 und das Ehrenmal zur Schlacht bei Langensalza 1866 sowie ein Ehrenmal für die Toten des Ersten und Zweiten Weltkriegs. Dem gegenüber steht heute zum Glück ein fröhlicher Ausblick: In dem Generationenpark wird heute Sport getrieben und gespielt oder einfach Zeit verbracht.

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