Landratswahl 2019

Bisher allein auf weiter Flur

An den Start fürs Rennen um den Chefsessel im Verdener Kreishaus geht bisher nur der amtierende Landrat Peter Bohlmann (SPD). Einzig die Grünen sagen, dass sie einen Gegenkandidaten aufstellen wollen.
28.08.2018, 15:54
Lesedauer: 4 Min
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Bisher allein auf weiter Flur
Von Kai Purschke
Bisher allein auf weiter Flur

Seit 2005 ist Peter Bohlmann (SPD) Landrat des Landkreises Verden.

Björn Hake

Landkreis Verden. Keine Frage: Landrat Peter Bohlmann (SPD) will Landrat des Landkreises Verden bleiben. Auch über das kommende Jahr hinaus, in dem die Besetzung dieses Postens neu gewählt wird. Das Wann steht jetzt auch fest: Am Sonntag, 26. Mai 2019, dann, wenn die Menschen auch ihre Kreuzchen für die Europawahl machen sollen und die Bewohner der Stadt Verden ihren Bürgermeister wählen. Das Datum für die Direktwahl des Landrates muss vom Kreistag am 19. Oktober dieses Jahres noch bestätigt werden, gilt aber als sicher, zumal es bei Zusammenlegung der Wahlen organisatorische und kostensparende Synergieeffekte gibt, wie die Kreisverwaltung den Kreistagspolitikern in einer Beschlussvorlage erläutert.

"Ich möchte weitermachen", sagt Peter Bohlmann auf Nachfrage bestimmt. Warum auch nicht, der ehemals jüngste Landrat Deutschlands ist erst 46 Jahre alt und seit nunmehr 2005 Amtsinhaber. Außerdem sind seinen Worten nach "eine Menge Dinge im Fluss" und die wolle er doch auch mindestens von 2019 bis 2026 weiter begleiten. Als Beispiele nennt Bohlmann die Aller-Weser-Klinik, wo die Minimierung des Zuschussbedarfs ihn ebenso umtreibt wie der 37 Millionen Euro schwere Neubau des Bettenhauses am Standort Verden. Der Industriepark Barme mit Schienenanschluss ist ein weiteres Projekt, ebenso die Straßen, der ÖPNV, der Radwegeausbau oder auch die Inklusion und Integration. "Die Wiedereröffnung des Bahnhofs Kirchlinteln" ist laut Bohlmann "mit Sicherheit" ein Termin, der auf den neuen (möglicherweise alten) Landrat bis 2026 zukommen dürfte.

Aber Bohlmann wäre nicht Bohlmann, wenn er nicht brav darauf verweisen würde, dass die Kreis-SPD ihn formell nominieren muss, am 2. Oktober soll dazu Näheres besprochen werden. "Wir werden dann darüber beraten und den Mitgliedern dann Peter Bohlmann vorschlagen", betont der SPD-Kreisverbandsvorsitzende Bernd Michallik. Er geht nicht davon aus, dass es einen parteiinternen Gegenkandidaten geben wird. "Weil er in den letzten Jahren gute Arbeit für den Kreis geleistet hat und wir sehr zufrieden mit ihm sind", begründet Michallik, warum Bohlmann erste Wahl bleibt. Der amtierende Landrat, dessen aktuelle achtjährige Amtszeit im Oktober 2019 endet, bringe den Kreis Verden voran. Ob es eine Gegenkandidatin oder einen Gegenkandidaten einer anderen Partei geben wird, davon wissen weder Michallik noch Bohlmann bisher etwas.

Zur Erinnerung: Bei der jüngsten Landratswahl im Jahr 2011 hatte die CDU auf einen eigenen Kandidaten verzichtet, weil sie mit Bohlmann so zufrieden war. Und auch, wenn die Christdemokraten dies für die anstehende Wahl noch nicht abschließend und via Basisbeschluss festgelegt haben, geht zumindest ihr Kreisvorsitzender Adrian Mohr davon aus, dass die Christdemokraten keinen Konkurrenten ins Rennen schicken werden. "Das würde ich persönlich auch für falsch halten", macht er deutlich. Sicher, nicht alle in der CDU seien mit Bohlmann und seinem Wirken einverstanden und waren es auch nicht mit der CDU-Unterstützung vor sieben Jahren, aber Mohr findet: "Auch ein CDU-Landrat kann es nicht jedem Mitglied recht machen."

Noch dazu mache Bohlmann seine Sache ziemlich gut, der Kreis Verden stehe gut da und Bohlmann schaffe es, die Fraktionen mitzunehmen. Ganz klar spricht sich Mohr dagegen aus, einen Zählkandidaten aufzustellen – also jemand, der als eigentlich aussichtsloser Kandidat ins Rennen geschickt wird, nur um als Partei jemanden präsentieren zu können. "Das bringt inhaltlich nichts", weiß Mohr. Und ein CDU-Kandidat, der sofort jedem kreisverdener Christdemokraten einfallen würde und zur Verfügung stünde, gebe es nicht. "Wir haben keinen geborenen Kandidaten", stellt Mohr klar. Dahingehend unterscheide sich die Landratswahl von der Bürgermeisterwahl in Verden, wo die CDU bekanntlich mit Jens Richter gegen Amtsinhaber Lutz Brockmann (SPD) antritt. Sollte die CDU tatsächlich ohne eigenen Bewerber agieren, werde sie aber ein inhaltliches Gespräch mit Landrat Bohlmann führen, kündigt Mohr an. "Als stärkste Fraktion im Kreistag haben wir natürlich Hoffnungen und Erwartungen."

Susanne Hüneke vom Kreisvorstand der Grünen erklärt, dass Bündnis 90/Die Grünen wie schon im Jahr 2011 einen eigenen Kandidaten für den Landratsposten aufstellen wollen, "aber eine Person kann ich noch nicht benennen". Auch wenn sie dies schon sehr gerne getan hätte, aber so weit sei die Partei noch nicht. Der Vorstand komme aber noch diese Woche zusammen, um über das Thema zu sprechen. Die Grünen möchten laut Susanne Hüneke daher einen Bewerber ins Rennen schicken, weil ihnen die grünen Themen unter Bohlmann bisher zu kurz kamen. "Die Erdgasförderung und der Trinkwasserschutz, da hätten wir uns beispielsweise klarere Positionen gewünscht", nennt sie Beispiele.

Für Die Linke erklärt Vorstandsmitglied Jürgen Baumgartner ohne Umschweife: "Von uns kommt nichts." Soll heißen: Einen eigenen Bewerber schicken die Linken nicht ins Rennen ums Kreishaus. Mit Blick auf Bohlmann sagt Baumgartner: "Besser geht es ja immer, es ist aber eine gute Zusammenarbeit. Wir wissen, was wir an ihm haben und was nicht – das passt!" Einen CDU-Gegenkandidaten würde die Linke keinesfalls unterstützen, sehr wahrscheinlich aber eine Frau aus einer anderen Partei, sollte sich eine zur Wahl stellen.

Der Kreisverband der AfD hat die Frage, ob er einen Landratskandidaten benennt, noch nicht für sich beantwortet, wie dessen stellvertretender Vorsitzende Jochen Rohrberg ausführt. "Die Frage, ob wir jemanden benennen und wer das dann sein soll, wird augenblicklich zum Anlass für intensive Beratungen genommen", sagt er. Man würde "es lieber sehen", wenn die Position des Landrats aus den Reihen der AfD oder zumindest einer Person, die ihr nahe stehe, besetzt wird.

Noch nichts entschieden ist auch bei der FDP. Wie Kreisgeschäftsführer Benjamin Berg, der selbst 2011 gegen Bohlmann angetreten war, sagt, werden die Liberalen das Ob und das Wer im Herbst entscheiden.

Was den Termin für eine Stichwahl, sollte sie notwendig werden, angeht, da schlägt die Kreisverwaltung den 16. Juni 2019 vor. Üblicherweise fände eine Stichwahl am zweiten Sonntag nach der Direktwahl statt, aber nächstes Jahr wäre der 9. Juni ausgerechnet der Pfingstsonntag, ein kirchlicher Feiertag. Als Kreiswahlleiterin schlägt die Verwaltung die Erste Kreisrätin Regina Tryta vor. Auch sie muss vom Kreistag bestätigt werden, da nach dem Gesetz eigentlich der Landrat Kreiswahlleiter ist, Bohlmann jedoch selbst zur Wahl steht.

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