Historisches Achim

Auf den Spuren der Jakobi-Kapelle

Die Bezeichnung “Jakobi-Kapelle“ beginnt sich allmählich zu verlieren, aber in Achim-Uphusen ist heute noch die Stelle zu erkennen, wo einst die Kapelle stand.
19.08.2020, 16:05
Lesedauer: 4 Min
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Von Rainer Pöttker
Auf den Spuren der Jakobi-Kapelle

Die frühere Kapelle in Uphusen, hier ist ihr Standort zu sehen, hat eine bewegte Geschichte hinter sich.

Sammlung Rainer Pöttker

Uphusen verändert sich derzeit, Generationswechsel beschleunigen den Strukturwandel und seit Jahrzehnten verschwinden uralte Bauernhöfe aus dem Dorfbild und machen Platz für Neues. Das führt zu massiven Einschnitten in den alten, gewachsenen Dorfkern – ebenso sollte vor mehreren Jahrzehnten das Ehrenmal vom Bakenberg ein kleines Wäldchen in Höhe der Zuwegung zum Klinkdamm versetzt werden. Dieser mit Erlen und Eichen bewachsene Platz ist seit nahezu 700 Jahren so geblieben, wie er war. Das Dreieck mit etwa 60 bis 70 Metern Seitenlänge war nach alten Aufzeichnungen wesentlich größer, verlief noch etwa 20 Meter über den jetzigen Klinkdamm hinaus und war mit einer kleinen Kapelle bebaut.

Dem aufmerksamen Besucher fällt eine auch heute noch erkennbare Vertiefung auf, die in früheren Zeiten einmal das gesamte Areal umschlossen haben könnte, nun aber von der Dorfstraße und dem im spitzen Winkel auf diese einmündende Stichstraße zum Klinkdamm hin überbaut wurde. Das wie eine übergroße Verkehrsinsel wirkende Stück Grünfläche begrenzt der geradeaus auf den Deich zulaufende Klinkdamm. Dort befindet man sich an dem historischen Platz, wo sich mindestens bis 1567 eine aus roten Ziegeln errichtete kleine Dorfkirche befand, der wahrscheinlich auch noch ein kleiner Friedhof gegenüber lag.

Das ehemalige Vorhandensein dieser, dem heiligen Jakobus geweihten, Filialkirche hat sich bis heute im Bewusstsein weniger, älterer Dorfbewohner gehalten und auch nach mehr als 450 Jahren nach Beseitigung des Bauwerkes kann die Stelle gezeigt werden, wo sie mehrere Hundert Jahre mit eigenem Pfarrer dem katholischen Kirchenleben sowie dem dörflichen Seelenheil diente. Die Bezeichnung “Jakobi-Kapelle“ beginnt sich aber allmählich zu verlieren.

Auf einer alten Karte von 1744 ist der Platz noch frei von Baumbewuchs und ein Wassergraben umschließt das Areal, vielleicht konnten die Dorfbewohner in unruhigen Zeiten dort Schutz und Geborgenheit finden. Die Clüver als Gefolgsleute der Bremer Erzbischöfe besaßen neben anderen befestigten Häusern das Gut „Clüverswerder“ (damals noch als „Sehekampswerder“ bekannt) zwischen Bierden und Uphusen und die meisten Einwohner beider Dörfer waren dem Lehnsherren zins-und abgabepflichtig.

Was die Herren auf Clüverswerder dazu bewogen hat, mitten im Dorf und etwa anderthalb Kilometer von ihrem Sitz entfernt, eine Kapelle als Filialkirche zur Mutterkirche in Achim zu gründen, ist nicht mehr bekannt. Aber solche Landkapellen unterstanden damals nicht dem Klerus, sondern waren sozusagen Privatkirchen des Adels und die Clüver nahmen für sich das Recht in Anspruch, die Priester nach eigenem Ermessen vorzuschlagen und mit Zustimmung des Klerus zu besetzen. Eine Filialkirche ist ein für den öffentlichen Gottesdienst bestimmtes Gebäude mit Taufstein, Friedhof und dem Zehntrecht und steht deshalb in ihrer Bedeutung über einer Kapelle.

Eine handschriftliche Nachricht beurkundet eine Schenkung zum Bestehen des Gotteshauses, die als Tochtergründung oder Filialkirche der Achimer Kirche entstand. Gesiegelt von Erzbischof Burchard und der Familie Clüver am 13. Dezember 1339: „Nicolaus, Pfarrer, und Ritter Alverich Clüver, Patron der Kapelle zu Uphusen, bekunden, dass sie mit Zustimmung des Erzbischofs Burchard und einiger Mitglieder der Familie Clüver sowie dem Komptur Willekin und dem Konvent des Deutschordenshauses in Bremen eine halbe Hufe Landes in Hemelingen nebst einer daselbst gelegenen Wurt für 20 Mark Bremer Silbers verkauft haben. Der Kaufpreis ist zum Ankauf einer Hufe in Bollen für die Kapelle zu Uphusen verwandt worden."

Damals war Uphusen nach Achim eingepfarrt, wie einer Urkunde von 1420 zu entnehmen ist. Später kam das Dorf Uphusen aus nicht mehr nachvollziehbaren Gründen und somit auch die Kapelle zum Arberger Kirchspiel. Die Einkünfte dieser Kapelle kamen dem jeweiligen Patron der Kirche, der Familie Clüver, zugute und es ist davon auszugehen, dass man nach der Reformation möglichst lange am alten Glauben festhielt.

Aus dem Jahr 1582 stammt folgende Mitteilung, die zur Erhellung des weiteren Verbleibs der Kapelle beiträgt: "Die Kapelle zu Uphusen und die dazugehörigen Güter gebrauchen die Clüver, der Patron ist St. Jakob gewesen. Uphusen gehöret unter Arbergen. Die Güter der Kapellen gebrauchet jetzt Alverich Clüver, des Gowgröfen Bruder“. Somit fielen die ehemaligen Güter wieder an die Landesherren zurück und die Uphuser Kirchengeschichte mit der Jakobikapelle findet ihr zeitliches Ende. Das Gebäude zerfiel, die Anlieger trugen die Mauern ab und nutzten die gebrannten, klosterformatigen Steine für ihre Baumaßnahmen an den Häusern und besonders für die Anlage von Brunnenschächten.

Vor über 200 Jahren waren die Mauerreste und Fundamente schon verschwunden und manchmal stieß man beim Nachgraben im damaligen Garten des Baumanns F. Seekamp auf Ziegelsteine; Überbleibsel eines ehemals massiven, uralten Gebäudes. Weil das Wissen über die Kapelle über Generationen weitergegeben wurde, konnte die letzte Stätte mit lokalhistorischer Bedeutung in Uphusen erhalten und vor der Einbeziehung in andere Baumaßnahmen geschützt werden.

Die vor 30 Jahren vom Heimatverein in Verbindung mit der Stadt Achim und dem Landkreis Verden absolvierte Testgrabung musste ohne Ergebnis beendet werden. Allerdings konnte ein wesentlicher Teil nicht untersucht werden, da das ehemalige Kapellengrundstück nach neuesten Ergebnissen und dem Vergleich mit Kartenmaterial aus dem Jahre 1875 noch etwa 20 Meter in voller Breite über die Straße Klinkdamm hinwegreichte und mehr als 400 Quadratmeter wegen Überbauung nicht untersucht werden konnten.

Aber dieser denkwürdige Platz konnte aufgrund der konkreten Angaben in die Denkmalliste des Landes Niedersachsen aufgenommen werden. Das Wissen um eine fast 700 jährige Jakobi-Kapelle ist schon eine Besonderheit. In diesem Zusammenhang könnte eine weitere Urkunde an Bedeutung gewinnen, denn das aus dem Jahre 1320 datierte Schriftstück in lateinischer Sprache besagt, dass Uphusen mit dem Verkauf von zwei Höfen einen gesicherten Nachweis für die Ersterwähnung vor 700 Jahren hat – das Dorf feiert in diesem Jahr also Jubiläum.

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