Lätare-Spende

Brot und Heringe für den guten Zweck

Bremens Bürgermeister Carsten Sieling greift am 1. April in Verden zu Schürze und Handschuhen. Das Geld kommt wie immer karitativen Einrichtungen zugute.
10.03.2019, 14:50
Lesedauer: 3 Min
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Brot und Heringe für den guten Zweck
Von Jörn Dirk Zweibrock
Brot und Heringe für den guten Zweck

Züchtet sich für seinen großen Auftritt extra einen Bart: Störtebeker alias Schauspieler Bernd Maas aus Kirchlinteln.

Björn Hake

Nun steht die Liste der Ehrengäste also fest. Für die Lätare-Spende am Montag, 1. April, konnte Angelika Revermann, Leiterin der Abteilung Stadtmarketing und Tourismus, wieder drei Polit-Promis verpflichten. Brot und Heringe verteilen diesmal Bremens Bürgermeister Carsten Sieling (SPD), die niedersächsische Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten Birgit Honé (SPD) sowie Hendrik Hoppenstedt (CDU), Staatsminister bei Bundeskanzlerin Angela Merkel. Traditionell greifen bei der Lätare-Spende ja immer ein Vertreter der Bundesregierung, der niedersächsischen Landesregierung und des Senats der Freien Hansestadt Bremen zu Schürze und Handschuhen auf dem Verdener Rathausplatz. Diesmal konnte Angelika Revermann dafür gleich drei waschechte Niedersachsen verpflichten.

Bremens Bürgermeister und Kultursenator Carsten Sieling ist nämlich keineswegs ein gebürtiger Hanseat, sondern auf einem Bauernhof im Nachbarlandkreis Nienburg, genauer gesagt in Meinkingsburg an der Bundesstraße 6, aufgewachsen. „Mein Vater hat bei Volkswagen gearbeitet und Landwirtschaft im Nebenerwerb betrieben. Meine Mutter hatte im Dorf die Poststelle“, erzählte der Bürgermeister bei der Einweihung des neuen Dorfgemeinschaftshauses im vergangenen Jahr. Beitragsfreie Kitas waren Mitte der 1960er-Jahre natürlich noch ein Fremdwort.

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„Meine Kita waren meine Großeltern väterlicherseits und mütterlicherseits“, erinnerte sich Sieling bei seinem Heimatbesuch. Er sei damals bei Wind und Wetter zu Fuß den zwei Kilometer langen Weg zur Schule gegangen. Hausaufgaben habe er als Kind komischerweise nie aufgehabt. „Ich wollte nachmittags immer schnell zu meinen Kumpels auf den Fußballplatz.“ Mit 20 Jahren hat Carsten Sieling dann das Dorf seiner Kindheit und Jugend verlassen und ist zum Studium nach Hamburg aufgebrochen. Zu Fuß zur Arbeit, sprich ins Bremer Rathaus, geht er nach eigenen Worten aber heute immer noch.

Sieling über Jugendraum-Initiative politisch sozialisiert

Politisch sozialisiert wurde der heutige Bremer Bürgermeister nach eigenen Worten über eine Jugendraum-Initiative. „Als 16-Jähriger bin ich gemeinsam mit meinem Kumpel zu einer Gemeinderatssitzung gegangen. Die Politik hat uns damals sogar 120 Mark für die beiden Jugendräume in der Scheune bewilligt“, erinnerte sich Sieling bei seinem Heimatbesuch im März 2018. Und weiter: „Später haben wir dann Getränke und Bratwürste beim Osterfeuer verkauft und hatten auf den Schlag 1000 Mark in der Kasse. Von da an brauchten wir dann nie wieder einen Antrag zu stellen.“

Auch in den Adern von Birgit Honé, Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten im rot-schwarzen Kabinett von Stephan Weil in Hannover, fließt niedersächsisches Blut. Bevor sie in die Landeshauptstadt kam, ist sie im Landkreis Harburg aufgewachsen, den ja bekanntlich nur der Landkreis Rotenburg/Wümme von Verden trennt.

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Wenn Hendrik Hoppenstedt Seeräuber Klaus Störtebeker und sein mittelalterliches Gefolge drei Wochen vor Ostern bei der Verteilung von Brot und Heringen unterstützt, wird es sicherlich ein Heimspiel für ihn sein. „Als Koordinator für die Bund- und Länderbeziehungen wird er bestimmt einiges zur Zusammenarbeit mit Piraten und in der Seefahrt berichten können“, mutmaßt Angelika Revermann. Obwohl er jetzt als Staatsminister im Bundeskanzleramt sitzt, das die Berliner wegen seinem architektonischen Erscheinungsbild ja gerne als „Waschmaschine“ bezeichnen, ist der Christdemokrat doch Niedersachse durch und durch. „Bevor es ihn in die Hauptstadt zog, war Hendrik Hoppenstedt Bürgermeister von Burgwedel“, geht Angelika Revermann davon aus, dass es allein deshalb schon genügend Gesprächsstoff mit Verdens Bürgermeister Lutz Brockmann (SPD) geben dürfte.

Spendenengel Störtebeker

Sechs Projekte haben sich in diesem Jahr erfolgreich um Beiträge aus der Lätare-Spende beworben. Auf eine große Spendenbereitschaft beim Heringsessen hoffen die Kinderfeuerwehren der Stadt Verden, der Imkerverein und die Frauenberatung. Die kleinen Blauröcke wollen im Sommer zum Kreiszeltlager fahren, die Imker möchten das Geld in ihren Lehrbienenstand investieren und die Frauenberatung benötigt eine Unterstützung für ihr Kunstprojekt „Kraft schöpfen durch Farben“. Auch die Verdener Kirchengemeinde St. Nikolai, der Verein für psychomotorische Entwicklungsförderung und das Verdener Frauenhaus gehören zu den Auserwählten.

Im Zuge des offenen Quartiersangebots des Gemeinde- und Begegnungszentrums St. Nikolai soll das Projekt Spiele in Bewegung gefördert werden. Für sein psychomotorisches Angebot für Kindergärten benötigt der Verein für psychomotorische Entwicklungsförderung Spenden. Das Frauenhaus will mit dem Geld Angebote für Kinder zur Bewältigung traumatischer Belastungen unterstützen.

Mit der Lätare-Spende pflegt Verden Störtebekers Vermächtnis. Vor seinem Tod soll er der Legende nach bestimmt haben, dass jährlich Brot und Heringe an bedürftige Menschen aus Verden verteilt werden.

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