Gemeindebücherei

Bücher leihen bleibt vorerst kostenfrei

Bisher ist die Ausleihe in der Oytener Bücherei kostenlos. Ob das so bleibt, darüber stritten am Mittwochabend die Ausschussmitglieder.
10.08.2017, 17:43
Lesedauer: 3 Min
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Von Lieselotte Scheewe

Oyten. Wer in der Gemeindebücherei in Oyten ein Buch ausleiht, der braucht nichts dafür zu bezahlen. Ob das auch in Zukunft so bleibt, ist nicht sicher. In der Sitzung des Ausschusses für Jugend, Kultur, Soziales, Senioren und Sport diskutierte die Politik erneut über das Für und Wider einer Büchereigebühr.

Das Thema eines Jahresbeitrags war bereits Ende 2015 politisch beraten worden. Damals hatte sich im Fachausschuss eine Mehrheit – bestehend aus CDU und Grüne – noch für die Einführung einer Gebühr ausgesprochen, im Rat konnte die SPD dann den Beschluss aber aufgrund gleich drei fehlender CDU-Mandatsträger noch kippen. In der Sitzung am Mittwoch starteten die Christdemokraten einen neuen Vorstoß. Ihren Antrag auf die Einführung des Beitrags von zwölf Euro im Jahr diskutierten die Ausschussmitglieder kontrovers.

„Wir könnten damit für die Bibliothek ein noch anspruchsvolleres Angebot schaffen“, sagte Sandra Röse von der CDU. Den administrativen Aufwand schätzt sie dabei als sehr gering ein. Zudem bedeute die Gebühreneinführung eine Erleichterung und Wertschätzung Jana Siegert-Bondzio gegenüber, die die Gemeindebücherei in Oyten leitet. „Ich glaube nicht, dass die Gebühren viel an der Qualität ändern werden“, sagte Siegert-Bondzios auf Nachfrage am Donnerstag. Es könne aus ihrer Sicht allerdings schon passieren, dass Nutzer verloren gehen, wenn die Gebühren kommen. Wichtig sei, erst einmal zu prüfen, wie viele erwachsene Nutzer es zur Zeit gebe. Vor zwei Jahren, als das Thema das erste Mal diskutiert wurde, gab es das neue Angebot der Online-Ausleihe. Dieser Mehrwert rechtfertigte aus Sicht der Büchereileiterin zu dieser Zeit eine Einführung von Gebühren. Jetzt sei es eine ganz andere Situation und die aktuellen Zahlen müssten erst einmal genau angeschaut werden. „Letztlich sei die Entscheidung aber eine der Politik“, sagte Siegert-Bondzios.

Sandra Röses Argument, andere Kommunen hätten auch Büchereigebühren, konnte Mirko Ulrich (Linke) in der Sitzung am Mittwoch nicht teilen. Dass andere Kommunen etwas tun oder nicht tun, sei für ihn kein Argument. „Ich finde es gerade gut, dass die Ausleihe in Oyten kostenfrei ist und das sollte sie auch bleiben“, sagte er. Die Gemeinde Oyten brauche das Geld nicht. Auf der anderen Seite gebe es Viele, ältere Menschen mit einer kleinen Rente beispielsweise, die gern in die Bücherei kommen, um Bücher auszuleihen und für die zwölf oder 15 Euro im Jahr viel Geld sei. Dem Argument stimmte Anne Fehn, Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde, zu. Sie würde von vielen Frauen und Müttern angesprochen, von Alleinerziehenden oder Geringverdienerinnen, die gern kommen und Bücher ausleihen für sich und ihre Kinder, gerade weil die Ausleihe in Oyten umsonst ist. „Wenn es Gebühren gibt, da würden schon ein paar Frauen wegbrechen, da bin ich mir sicher“, sagte Fehn.

Hermann Wahlers (SPD) findet die Idee, Gebühren für die Buchausleihe einzuführen, grundsätzlich gut. In Achim seien es immerhin 15 Euro. Sein Parteikollege Johann Bollmann stellte die Frage in den Raum, ob man nicht Schüler, Studenten und Rentner von der Gebühr befreien sollte und was dann überhaupt noch bliebe. Eine genaue Kosten-Nutzen-Rechnung sei von Nöten, um die Entscheidung für oder gegen die Gebühren zu treffen. „Nicht, dass die Verwaltung mehr Aufwand als Nutzen hat“, warnte er. Auch Ingo Köhn (AfD) interessierten die Fragen, was bei den Gebühren am Ende übrig bliebe und ob sich der Aufwand überhaupt lohne. Genaue Zahlen konnte die CDU-Fraktion, die den Antrag gestellt hatte, in der Sitzung nicht vorlegen.

Nach der politischen Diskussion sprachen sich die Mitglieder dafür aus, die Situation und die genauen Zahlen nun erst einmal zu prüfen, bevor sie sich für oder gegen Büchereigebühren entscheiden. Björn Meyer (Grüne) machte noch einmal darauf aufmerksam, dass es im Gremium kein Konsens darüber gebe, die Gebühren einzuführen. Er hatte vielmehr einen sehr pragmatischen Vorschlag: „Warum stellen wir nicht einfach ganz unbürokratisch ein Schweinchen auf den Bücherei-Tresen und jeder kann spenden“. Dann bliebe auch der administrative Aufwand erspart.

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