Bürgerbus Achim

Eine ganz besondere Tour

Annemarie Büthe ist der 200.000. Fahrgast des Achimer Bürgerbusvereins. Dafür ist die 80-Jährige nun mit einem Blumenstrauß, Freifahrtscheinen und einem Gutschein geehrt worden.
12.08.2020, 17:17
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Von Gisela Enders
Eine ganz besondere Tour

Annemarie Büthe ist der 200 000. Fahrgast – sie wurde von Reiner Aucamp und Herfried Meyer (rechts) empfangen.

Björn Hake

Die roten Busse rollen wieder. Mitte März wegen des Lockdowns eingestellt, sei der Fahrbetrieb am 2. Juni wieder aufgenommen worden, erklärte Herfried Meyer, 1. Vorsitzender des Achimer Bürgerbus-Vereins. Die Geschichte des ehrenamtlichen Engagements sei insgesamt eine Erfolgsstory mit ständig wachsenden Beförderungszahlen, freut sich der SPD-Mann; allein im vergangenen Jahr seien 30 000 Fahrgäste gezählt worden. „Dieses Mal könnten es wegen der Pandemie deutlich weniger sein; insgesamt werden die Dienste unserer Fahrerinnen und Fahrer jedoch nach wie vor gerne in Anspruch genommen“.

Der Anlass, weshalb sich auch der stellvertretende Bürgermeister und ein Teil der Ehrenamtlichen am Mittwoch während der sengenden Mittagshitze am Achimer Bahnhof eingefunden hatten, war ein ganz besonderer. Mit bunten Blumen bedankte sich Reiner Aucamp für das Vertrauen, das Annemarie Büthe dem Team über Jahre entgegengebracht hatte und dessen Dienste sie nach eigenen Worten auch weiterhin zu nutzen gedenke. Ermittelt worden war sie als 200 000. Fahrgast der wendigen Fahrzeuge, die seit 2011 durch die Weserstadt kurven. „Zu Zeiten der Gründung war zunächst nur ein Bus unterwegs", informierte Herfried Meyer, der zweite sei dann im Dezember 2013 dazugekommen.

Erfreut zeigte sich die Rentnerin über die Blumengrüße, zehn Freifahrtscheine und einen Überraschungsgutschein, die sie nach der Jubiläumsfahrt entgegennehmen durfte. Ein- bis zweimal pro Woche nutzt sie das Angebot, um von Uphusen aus zu Arztbesuchen, zum Wochenmarkt oder zum Friseur in die Innenstadt zu gelangen. Als ganz besonders attraktiv bezeichnete die 80-Jährige die Möglichkeit, zum Inklusivpreis von 6,20 Euro mit dem Bürgerbus in einen beliebigen Ortsteil zu fahren und für die Rückfahrt ein Taxi nutzen zu können. „Das ist eine tolle Sache“, findet auch Herfried Meyer; so brauche man zum Beispiel nach einem Abendessen nicht den Fahrdienst von Kindern oder Freunden in Anspruch zu nehmen. Einzige Bedingung: der Fahrgast muss 75 Jahre oder älter sein.

Durch Corona habe sich der Verein insgesamt mit ernsten Problemen konfrontiert gesehen, blickt Meyer zurück in die jüngste Vergangenheit. Zum Beispiel seien Rollos zum Schutz der Fahrer eingezogen worden, um die Gefahr einer Ansteckung zu minimieren. Besondere Vorsicht habe man zudem deshalb walten lassen müssen, weil ein Großteil der Fahrer und auch der Fahrgäste altersmäßig der Risikogruppe zuzuordnen sei. Glücklicherweise hätten sich zum Ende des Monats Mai hin aber zahlreiche Mitglieder bereit erklärt, ihren Dienst für die Bürger wieder aufzunehmen, sodass das Streckennetz nun wieder uneingeschränkt bedient werde.

Apropos Streckennetz: Meyer ist stolz auf die bedarfsgerecht ausgeklügelten Fahrpläne, die mehrere Schnittstellen zu anderen Linien enthalten. So gäbe es beispielsweise sechsmal täglich ein „Rendezvous“ an der Grundschule in Uesen, wo die Möglichkeit bestehe, in einen Bus nach Thedinghausen umzusteigen.

Etwa 15 Frauen befinden sich mittlerweile unter den 59 Fahrern, informierte Ex-Lehrerin Gitta Hahn. Nach ihrer Pensionierung habe sie darüber nachgedacht, wie sie ein Engagement für die Allgemeinheit verbinden könne mit dem Wunsch nach persönlichen Kontakten. Sehr schnell sei sie dann auf den Bürgerbus gekommen und fühle sich wohl zwischen netten und hilfsbereiten Kollegen. Auch die oft sehr persönlichen Gespräche mit den Fahrgästen – derzeit erschwert durch das Tragen der Masken – tragen viel zu ihrem Wohlbefinden während der Dienstzeit bei.

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