Konzert

Champagnerlaune im Kasch

Mit Stücken von Künstlern wie John Lennon und Supertramp hat das Bremer Kaffehaus-Orchester das Neujahrskonzert in Achim gespielt.
12.01.2020, 17:52
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Von Wilfried Adelmann
Champagnerlaune im Kasch

Das Orchester hatte ein buntes Repertoire an unterschiedlichen Stücken im Gepäck. Mit dabei war zum Beispiel Filmmusik von Star Wars oder auch eine fernöstliche Liebesballade aus dem Reich der Mitte.

Björn Hake

Eigentlich ist die Kaffeehaus-Musik nur ein Hintergrundgeräusch. Wenn zum Beispiel Literaten und andere Künstler sich in Wien, Budapest oder Prag trafen, um über die verschiedenen Ansätze ihrer Kunst zu streiten, spielte nicht selten ein kleines Orchester dazu eingängige Melodien. Die Gäste des Kaffeehauses konnten in den Gesprächspausen entspannt einem Walzer zuhören und danach wieder mit aller Kraft ihre Wortgefechte fortsetzen. Ganz anders war es aber am Freitagabend im Kasch, als das Bremer Kaffehaus-Orchester sein Neujahrskonzert spielte.

Bier und Brause statt Kaffee

Heutzutage ist ein solches Konzert eine Veranstaltung, die selten nebenbei anzuhören ist. Die Gäste dieses Musikgenres genießen die Klänge von Streichern, Holzblasinstrumenten und einem Klavier von Stuhlreihen aus, haben Eintritt gezahlt und verköstigen keinen Kaffee oder Schokolade, sondern schlürfen Brause, trinken Bier und Wein und knabbern an Brezeln. Nur die hinteren Plätze im Kasch in Achim sind mit kleinen Tischchen versehen und dort ist es „erlaubt“, sich dezent zu unterhalten, wenn die Musik vorne spielt.

Den „Guten Alten Zeiten“ nachzutrauern ist jedoch kaum angebracht, denn was das Bremer Kaffeehaus-Orchester an musikalischer Atmosphäre seinem Publikum darbietet, ist nicht verstaubt oder aus einer vergessenen Zeit herübergerettet. Die fünf Musiker bringen den schon historischen Walzer „An der schönen, blauen Donau“ mit Wucht ´rüber, haben aber auch Neuzeitliches im Repertoire. „Blackbird“ von John Lennon und Paul McCartney wird genauso gern gespielt, wie auch Filmmusik aus dem Star-Wars-Universum von John Williams oder auch eine samtene, fernöstliche Liebesballade aus China. Zur prickelnden Champagnerlaune gehörte ein Song von Supertramp ebenso wie die Toccata von Bach und die Tritsch-Tratsch-Polka von Stauß.

Den Staub wegblasen

Constantin Dorsch an der Violine, Klaus Fischer – Flöten, Saxophone, Klarinetten, Machiko Totani am Klavier, Anselm Hauke – Kontrabass und Gero John am Violoncello sind eine Truppe, die sichtlich Spaß daran haben, den Staub vom Image eines traditionellen Kaffeehaus-Ensembles wegzublasen und ihre Gäste nicht nur mit dem Radetzky-Marsch in Neujahrsstimmung zu versetzen.

Die Zwischenmoderationen von Klaus Fischer sind humorig, einfallsreich und zuweilen bringen sie das Publikum auch zum Nachdenken, wenn es wie vor der zweiten Zugabe mit dem Lied „What a wonderful world“ von George David Weiss (Melodie) und Bob Thiele (Text) um die Erhaltung unseres Planeten geht. Die Zugaben hatten es diesmal besonders in sich. Mit einer VuVuZela widmete der Geiger Constantin Dorsch ein Lied dem Fußballverein „Werder Bremen“ und versuchte die positive Voodoo-Magie dieses „Instruments“ auf die im Moment eher erfolglose Spielweise des Vereins an der Weser zu übertragen.

Ohne eine letzte, dritte Zugabe wurden die beklatschten Musiker nicht entlassen. Mit dem – ursprünglich jiddischen – Klassiker „Bei mir bist du schön“ zeigten die Fünf, dass sie auch anders können, als traditionelle Kaffeehaus-Orchester-Musik zu spielen. Mit immer schneller werdendem Tempo, einem Saxophon- und einem Geigensoli machte das Ensemble noch mal Dampf und vielleicht sollten solche Zugabe-Freiheiten auch ins normale Repertoire einfließen.

Das Publikum war begeistert und der Stand mit Musik-CDs, den leibhaftigen Musikern und Listen der nächsten Auftritte wurde umlagert und so mancher Seufzer entfuhr den Nachhausegehenden: „Ach, war das schön...“

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