Beerdigungen in der Corona-Krise

Abschied nehmen unter Auflagen

In Zeiten von Corona gelten für Beerdigungen strenge Auflagen. Diese stellen Angehörige aber auch Bestatter vor Herausforderungen. Dazu zählt auch die Frage, wie Mitarbeiter sich am besten schützen können.
31.03.2020, 16:48
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Abschied nehmen unter Auflagen
Von Elina Hoepken
Abschied nehmen unter Auflagen

Unter freiem Himmel und mit maximal zehn Personen: So dürfen Beerdigungen aktuell nur noch abgehalten werden.

Karlis Behrens

Der Tod eines nahestehenden Menschen ist ein einschneidendes Ereignis im Leben. Um sich von ihm zu verabschieden und ihn auf seinem letzten Weg zu begleiten, kommen in der Regel viele Menschen zur Trauerfeier zusammen. In der Regel. In Zeiten der Corona-Pandemie ist jedoch alles anders. Maximal zehn Personen dürfen mit entsprechendem Abstand noch bei Beerdigungen anwesend sein, die darüber hinaus ausschließlich unter freiem Himmel stattfinden dürfen. Eine Situation, die für die Angehörigen häufig sehr schwierig ist, aber auch Bestatter in ihrem Arbeitsalltag fordert.

„Wir wollen trotz dieser Umstände den Verstorbenen einen würdigen Abschied ermöglichen“, sagt Hilke von Mach-Eickhorst, Geschäftsführerin des Bestattungsinstitutes Wellborg in Achim. Aktuell funktioniere das noch recht gut. „Die Lage ist zwar ernst, aber ein bisschen was geht aktuell noch.“ Bei gutem Wetter würden derzeit zehn Stühle für die Trauergäste vor dem Grab aufgestellt, für schlechtes Wetter gebe es ein offenes Zelt. Mit ausreichend Vorlauf könne man bei den Floristen noch Blumenschmuck bekommen. Zumindest jetzt. Auch Mach-Eickhorst weiß natürlich nicht, wie sich die Lage weiter entwickelt. „In zwei bis drei Wochen ist das alles vielleicht schon nicht mehr möglich.“

Lesen Sie auch

Auf eigene Faust gehandelt

Ihr selbst sei der Ernst der Lage schon recht früh klar geworden. „Die Entwicklung hat mich ganz persönlich ereilt, weil ich schon zu Beginn der Corona-Krise selbst krank wurde und einen Test machen musste“, berichtet Hilke von Mach-Eickhorst. Der Test fiel negativ aus, „aber mir war von da an klar, wie einschneidend und beängstigend diese Lage ist“. Schon vor dem Inkrafttreten der Allgemeinverfügung habe sie daher auf eigene Faust die Öffnungszeiten ihres Betriebes reduziert. Mittlerweile ist das Büro ganz geschlossen und die Mitarbeiter arbeiten im Schichtdienst. „Vorher waren immer sechs bis acht Leute vor Ort, jetzt sind es nur noch drei“, erklärt sie.

Und auch sonst habe sich im Arbeitsablauf einiges verändert. „Früher sind wir einfach zu den Menschen in die Wohnungen gegangen, um die Verstorbenen abzuholen. Jetzt habe ich meine Mitarbeiter angewiesen zu klingeln, danach entsprechend Abstand zu halten und in jedem Fall immer einen Mundschutz zu tragen“, zählt die Geschäftsführerin auf. Aufbahrungen der Toten gebe es derzeit gar nicht mehr. Die Trauerbegleitung finde momentan mit maximal drei Angehörigen und entsprechendem Abstand im größten Büro des Betriebes statt. Hausbesuche würden darüber hinaus nicht mehr durchgeführt, vieles werde auch telefonisch geregelt.

Lesen Sie auch

Vom Bundesverband nur Empfehlungen

All das sind Regeln, die Mach-Eickhorst selbst für ihren Betrieb entwickelt hat. „Vom Bundesverband der Bestatter gibt es nur Empfehlungen, wie wir mit Corona-infizierten Verstorbenen umgehen sollen, aber nicht, wie wir uns sonst schützen sollen“, kritisiert die Bestatterin. „Das ist natürlich tragisch für meine Mitarbeiter.“ Aus diesem Grund habe sie selbst einfach strengere Schutzmaßnahmen umgesetzt.

Dazu zählt beispielsweise auch, dass die Räumlichkeiten des Bestattungsunternehmens aktuell nicht mehr nur einmal in der Woche, sondern mindestens einmal am Tag desinfiziert werden. Doch hier zeige sich ein weiteres Problem. „Wir Bestatter werden nicht als systemrelevanter Beruf eingestuft. Wir kümmern uns eigenständig um Schutzkleidung, die aber nur noch schwer zu bekommen ist.“ Erst in der vergangenen Woche habe Mach-Eickhorst Schutzkleidung für rund 3000 Euro für ihr Unternehmen besorgt – „zu völlig überhöhten Preisen“.

Trotz all dieser widrigen Umstände, würden alle aber ihr Möglichstes tun, um die Beerdigung und den Abschied der Angehörigen vom Verstorbenen so würdevoll wie möglich zu gestalten. „Ich habe schon den Eindruck, dass alle Beteiligten verstehen, dass diese Maßnahmen notwendig sind, aber bei den Hinterbliebenen gibt es natürlich häufig trotzdem ein grundsätzliches Gefühl von Alleinsein.“ Schließlich könne die Trauerarbeit, die sonst beispielsweise auch in Trauergruppen stattfinde, derzeit nicht in der bisherigen Form realisiert werden. „Glücklicherweise haben wir Rückmeldungen von Pastoren und auch Trauerrednern bekommen, die bereit wären, in diesem Bereich zu unterstützen“, berichtet Hilke von Mach-Eickhorst.

Lesen Sie auch

Schwere Zeit für Trauerredner

Denn insbesondere den Trauerrednern falle aktuell nahezu vollständig das Betätigungsfeld weg. „Einen Bestatter braucht man für eine Beerdigung immer, aber auf Trauerredner verzichten viele bei den kleinen Feiern“, weiß die Bestatterin. Eine, die das aus erster Hand bestätigen kann, ist Christiane Ohlwein. Die Achimerin arbeitet als freie Rednerin – unter anderem auf Hochzeiten und Beerdigungen. „Es ist für mich beruflich gerade eine ganz schwere Zeit“, gibt sie zu. Viele Angehörige würden sich derzeit entweder für eine stille Beisetzung entscheiden oder im engsten Familienkreis ohne zusätzlichen Redner Abschied nehmen.

„Das finde ich natürlich sehr schade, weil ich neben der Rede immer auch ein Stück weit die Seelsorge mit übernehme“, sagt Ohlwein. Einige wenige Beerdigungen gebe es noch, für die sie trotzdem angefragt wird. „Aber es ist eine ganz merkwürdige Situation.“ In der Regel würde es vorab intensive persönliche Gespräche mit den Angehörigen geben. „Das ist dann auch ein Stück weit Trauerbewältigung.“ In Zeiten von Corona sei das aber natürlich nicht möglich. „Die Gespräche finden dann telefonisch statt und ich treffe die Angehörigen bei der Beerdigung das erste Mal“, berichtet Ohlwein. Und auch hier müsse sie natürlich wieder auf den angemessenen Abstand achten. „Aktuell fällt dadurch einfach viel Unterstützung für die Angehörigen weg.“

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+