Lockdown-Lockerungen

Achim will Modellregion werden

In Achim könnten bald wieder Geschäfte und Außengastronomie öffnen. Das hofft zumindest der Bürgermeister und hat sich mit der Stadt als Modellregion für Lockdown-Lockerungen beworben. Vorbild ist Tübingen.
01.04.2021, 15:50
Lesedauer: 4 Min
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Von Elina Hoepken und Andreas Becker
Achim will Modellregion werden

Noch ist die Achimer Innenstadt wie leer gefegt. Doch das könnte sich schon bald ändern.

Björn Hake

Achim. Das Ziel, die Achimer Innenstadt zu beleben, verfolgt die Politik in der Stadt schon seit vielen Jahren. In Zeiten der Corona-Pandemie bekommt dieses Vorhaben allerdings noch einmal eine ganz andere Bedeutung. Denn aktuell sind Gastronomie, Einzelhandel, Kultureinrichtungen und vieles mehr wegen des Lockdown bekanntlich geschlossen. Zumindest aktuell. Denn wenn es nach Bürgermeister Rainer Ditzfeld geht, könnte sich das schon bald ändern. Achim hat sich beim Land Niedersachsen nämlich als Modellregion für Lockdown-Lockerungen beworben. Es handelt sich hierbei um ein dreiwöchiges Modellprojekt nach Tübinger Vorbild.

Das bedeutet: Außengastronomie, Geschäfte, Kinos und Fitnessstudios können wieder öffnen. Voraussetzung für den Zutritt sind allerdings ein tagesaktueller negativer Corona-Schnelltest sowie die elektronische Erfassung der Kontaktdaten über die Luca-App. Insgesamt 25 ausgewählte Städte und Gemeinden sollen sich daran beteiligen. Für den Bezirk des Amtes für regionale Landesentwicklung Lüneburg, zu dem auch Achim zählt, sollen zwei Oberzentren, drei Mittelzentren und ein Grundzentrum ausgesucht werden. Achim könnte dann eines der drei Mittelzentren werden. Mit im Rennen ist aber auch die Stadt Verden, die sich ebenfalls beworben hat. Die Entscheidung darüber soll an diesem Sonnabend fallen. Der Start des Projektes ist für den 6. April angedacht.

Das Land Niedersachsen hat vor Kurzem einen Vertrag zur Nutzung des digitalen Kontaktnachverfolgungssystems „Luca“ für zwölf Monate abgeschlossen. Es plant den Start zunächst mit den 25 Modellkommunen nach Ostern. In spätestens einem Monat sollen sämtliche 43 Gesundheitsämter in Niedersachsen an das Luca-System angeschlossen sein. Sollte Achim oder Verden für das Modellprojekt ausgewählt werden, so würde das Gesundheitsamt des Landkreises Verden zu den ersten gehören, die damit versorgt werden.

„Ein Stück mehr Normalität“

„Wir versprechen uns sehr viel von der Teilnahme an diesem Modellprojekt“, sagt Bürgermeister Rainer Ditzfeld. „Es wäre schön, wenn wir es so schaffen, wieder ein Stückchen mehr Normalität zu erreichen und unsere Unternehmen und die Kultur vor Ort zu unterstützen.“ Um überhaupt in den Kreis der Bewerber aufgenommen werden zu können, musste die Stadt einige Voraussetzungen erfüllen. Dazu zählte auch, die Bereitschaft der Unternehmen zur Teilnahme abzuklären. Doch viel Zeit hatte die Verwaltung dazu nicht. „Wir haben am vergangenen Sonntag die Info aus dem Ministerium bekommen, welche Voraussetzungen man erfüllen muss“, berichtet Ditzfeld. Montagmittag seien dann die entsprechenden Unterlagen eingetroffen. Allerdings endete die Bewerbungsfrist bereits am Mittwochabend.

„Wir konnten daher nur ein erstes Stimmungsbild einholen“, sagt Wirtschaftsförderer Martin Balkausky. Das sei allerdings sehr positiv gewesen. „Alle waren bereit, das Projekt mit zu unterstützen. Immerhin steht der Handel wegen der aktuellen Schließungen sehr unter Druck.“ Die Einzelhändler seien daher froh, über alles, was sie unterstütze.

Abgegrenzter Modellbereich

Allerdings können nicht alle Unternehmen in der Stadt von dem Modellprojekt profitieren. Die Verwaltung musste nämlich vorab einen Bereich festlegen, in dem das Projekt umgesetzt werden soll. „Wir hatten nicht die Möglichkeit, die gesamte Stadt zu nehmen und aus diesem Grund haben wir uns für den Bereich vom E-Center Schieweck an der Bierdener Kämpe bis zur Ueser Kreuzung entschieden.“ In diesen Bereich sei dann auch die komplette Innenstadt mit der Herbergstraße sowie etwa ein Fitnessstudio und ein Möbelhaus eingeschlossen. „Wir haben uns für einen Projektbereich entschieden, wo etwas mehr los ist“, erklärt Balkausky.

Wichtigste Voraussetzung, um das Modellprojekt erfolgreich starten zu können, sind aber natürlich die Testmöglichkeiten. Und die sollen in Achim in den kommenden Wochen noch einmal ausgeweitet werden. So ist geplant, ein weiteres Testzentrum beim Lidl-Markt an der Bremer Straße einzurichten. Sechs Tage die Woche sollen dort Testungen möglich sein. Erst wenn das Zentrum mit dem Betrieb startet, kann für die Stadt Achim auch das Modellprojekt beginnen. „Ohne einen tagesaktuellen negativen Corona-Test läuft das Ganze schließlich nicht“, sagt Balkausky. Das bedeutet aber auch, dass Achim voraussichtlich erst eine Woche später, also am 12. April, mit dem Projekt starten könnte. Für dieses Datum ist nämlich auch der Start des Testzentrums angedacht.

Inzidenzwert immer im Blick

Nach den Plänen des Landes sollen die drei Wochen der kontrollierten Öffnung und deren Auswirkungen auch wissenschaftlich begleitet werden. „Wie das genau aussehen wird, dazu haben wir allerdings auch noch keine Informationen“, erklärt Ditzfeld. Die werde es erst geben, wenn eine Entscheidung über die teilnehmenden Städte und Gemeinden gefallen ist. Gradmesser für den Erfolg des Ganzen wird aber vor allem auch die Entwicklung des Inzidenzwertes sein. Sollte dieser während der Modellphase über 200 steigen, werde das Projekt sofort abgebrochen.

Und auch bei Inzidenzwerten über 100 soll es Einschränkungen geben, wie Landrat Peter Bohlmann erklärt. „Dann würde Click and Eat, also das Essen im Restaurant nach einer Online-Reservierung, wieder gestoppt. Ab 200 geht dann nichts mehr.“ Insofern liege das Hauptaugenmerk des Landkreises darauf, den Inzidenzwert unter 100 zu halten. Der aktuelle Wert lag am Donnerstagmorgen bei 80,9. „Das ist noch deutlich unter 100, aber wir haben in der Vergangenheit gesehen, wie schnell das gehen kann. Schließlich lag der Landkreis Verden vor nicht allzu langer Zeit bei unter 20“, betont Bohlmann. Jeder sei daher aufgerufen, sich entsprechend zu verhalten und vorsichtig zu sein.

Trotz der Gefahr weiter steigender Infektionszahlen sieht Rainer Ditzfeld in dem Modellprojekt aber vor allem eine Chance für seine Stadt. „Bisher sind Gastro, Kultur und Einzelhandel zu und die Infektionszahlen steigen trotzdem. Mit dem Modellprojekt haben wir die Chance, zu ermitteln, wo die Inzidenztreiber möglicherweise sind. Wir könnten dann die Bereiche endlich richtig benennen.“ Er vermute, dass die Ursache für steigende Fallzahlen ohnehin eher im Privaten zu finden seien.

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