Geschäfte öffnen wieder

Ein Schritt in Richtung Normalität im Landkreis Verden

Einzelhändler im Landkreis Verden zeigen sich erleichtert: Autohäuser, Fahrradhändler, Buchhandlungen sowie Geschäfte mit einer Fläche von unter 800 Quadratmetern dürfen wieder öffnen.
20.04.2020, 22:03
Lesedauer: 3 Min
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Von Antonia Blome und Marie Lührs
Ein Schritt in Richtung Normalität im Landkreis Verden

Geschäftsführer Jens Uwe-Buse (links) und Daniel Ballin von Enterprise in Achim freuen sich über die Wiedereröffnung.

Björn Hake

Ein erleichtertes Lächeln ist vielen Einzelhändlern in der Region am Montag ins Gesicht geschrieben. Denn nach wochenlangen Schließungen dürfen sie bei ihren Geschäften mit einer Verkaufsfläche von unter 800 Quadratmetern die Türen wieder aufschließen. Autohäuser, Fahrradhändler sowie Buchhandlungen können seit dieser Woche sogar unabhängig von ihrer Verkaufsfläche wieder Kunden in ihren Geschäften begrüßen.

„Es fühlt sich richtig gut an, den Laden wieder öffnen zu dürfen“, erzählt Mirja Hehenbeger, die das Achimer Schuhgeschäft Scarpovino leitet. Die vergangenen Wochen seien aber alles andere als entspannt gewesen, denn es sei als Selbständige schwer, „plötzlich von hundert auf null zu gehen“.

Ein kleiner Lichtblick sei es gewesen, dass sich während der Schließung Kunden an die Inhaberin gewandt und Schuhe sowie einen Gutschein erworben hätten. „Nach der Wiedereröffnung ist die Freude bei den Kunden groß“, erzählt sie nun und deutet auf einen Blumenstrauß, den ihr ein Kunde geschenkt habe.

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„Wir freuen uns sehr“

Im Jeansladen Enterprise in der Achimer Innenstadt hat Verkäufer Daniel Ballin derweil Klebestreifen auf dem Boden angebracht. Denn der Sicherheitsabstand gehöre natürlich auch dort zu den neuen Regeln. Im Geschäft würden außerdem neben Desinfektionsmittel auch Schutzmasken angeboten. „Die Stimmung ist sehr gut und es ist toll, die Kunden nach so langer Zeit wieder begrüßen zu dürfen“, erzählt Ballin. Dem stimmt Inhaber Jens-Uwe Buse zu: „Wir freuen uns sehr.“ Die Neueröffnung habe bis jetzt gut funktioniert, die Kunden seien diszipliniert und würden sich an die Regeln halten.

Iris Söllner vom Modegeschäft Iris in Thedinghausen beschreibt die neue Situation wie folgt: „Normalerweise gehen wir einen Schritt auf die Kunden zu, nun müssen wir einen Schritt zurück gehen.“ Doch obwohl „es natürlich nicht mehr so ist, wie vor der Krise“, sei die Stimmung unter den Mitarbeitern gut. Auch die Kunden seien glücklich und würden dem Geschäft nach der Wiedereröffnung die Treue halten. Die vergangenen Wochen überbrückte Söllner mit einem Lieferservice.

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„Die Kunden konnten sich die Ware auf Facebook ansehen, haben uns angerufen und wir haben die Bestellung vor der Haustür abgelegt“, erzählt die Inhaberin. Dieses Angebot bestehe auch weiterhin. In dem mehr als 100 Quadratmeter großen Geschäft dürfen sich laut Vorgaben eigentlich bis zu zehn Kunden gleichzeitig aufhalten. „Damit wir die Sicherheit gewährleisten können und sich unsere Kunden wohlfühlen, haben wir diese Zahl allerdings auf sechs beschränkt“, berichtet sie. Die Mitarbeiter seien darüber hinaus mit Mundschutz und Handschuhen ausgestattet, um zum Beispiel gefahrlos beim An- und Ausziehen der Kunden zu helfen.

Wiedereröffnung mit Vorsicht

Das Spielwarengeschäft Kinderparadies Witte an der Verdener Einkaufsmeile verfügt über eine Verkaufsfläche von 300 Quadratmetern. Den Publikumsverkehr beschränkt Geschäftsführerin Carmen Witte derzeit noch durch eine begrenzte Anzahl von zehn Einkaufskörben. „So wird sichergestellt, dass nur zehn Kunden zur selben Zeit im Laden sind“, erklärt Witte. Theoretisch dürften es laut der Verordnung sogar mehr Menschen sein. Doch Witte möchte es ähnlich wie ihre Kollegin aus Thedinghausen vorsichtig angehen.

Sie hatte ihre Mitarbeiter bereits am 12. März, noch vor der offiziell angeordneten Schließung von Geschäften am 17. März, nach Hause geschickt. In der Zeit setzte sie auf den Online-Handel, Abholstationen und eine abendliche Auslieferung der Spielwaren. Insgesamt hat Witte die Zeit der Schließung als interessante Erfahrung empfunden, wie sie sagt. „Ich werde das Erlebte in der Chronik festhalten. Ich habe mir gesagt: Dieses Unternehmen hat schon zwei Weltkriege erlebt, da wird es auch Corona überstehen.“

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Die Zeit hat sie unter anderem auch genutzt, um das Verdener Geschäft neu zu sortieren. „Und ich bin 6000 Schritte mehr als sonst gelaufen“, verrät die Geschäftsführerin. Schritte, die sonst die Kunden selbstständig im Geschäft zurücklegen. Gemeinsam mit ihrer Mutter hat sie dort viel Zeit verbracht und auch die Lieferungen mit ihr zusammen bewerkstelligt. „Wir hatten herrliche Gespräche, die gemeinsame Zeit hatte Qualität – das wird mir als positiv in Erinnerung bleiben.“

Großer Ansturm

Mit viel Ansturm hat am Tag der Wiedereröffnung das Stoffparadies in Verden zu kämpfen. Vor allem Webwaren und Gummibänder stehen bei den Kunden hoch im Kurs, berichtet Verkäuferin Martina Alurralde. Kein Wunder, machen sich doch viele Nähmaschinenbesitzer nun daran, selbst Mund-Nasen-Masken zu fertigen. Die Verkäuferinnen im Stoffparadies sind bereits damit ausgestattet und empfehlen den Kunden, es ihnen gleich zu tun. Neben dem nötigen Equipment bieten sie auch fertige Masken zum Verkauf an. Maximal zwei Besucher dürfen sich gleichzeitig in dem Laden aufhalten und jeder werde vor der Tür dazu aufgerufen, Abstand zu seinen Mitmenschen zu halten.

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