Tag der Töpferei Das Handwerk in den Fokus rücken

Einblicke in die Welt des Töpferhandwerks hat Silvia Flamisch interessierten Gästen am Sonntag beim "Tag der Töpferei" in der Eißeler Finkenburg gegeben. Früher arbeitete sie als Bauzeichnerin.
11.03.2018, 18:11
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Von Gisela Enders

Zwischen Hobby und Profession: Seit mehr als 20 Jahren arbeitet Silvia Flamisch mit dem Werkstoff Ton. Hetzen und in irgendein Schema pressen lässt sich die 48-Jährige dabei nicht. Sie geht ihrem Gefühl nach, liebt das Natürliche, Lebendige, Erdige und fühlt sich augenscheinlich wohl auf dem alten Anwesen in der Wesermarsch. „In meinem vorherigen Leben war ich Bauzeichnerin“, gewährte Flamisch schmunzelnd Einblick in eine Zeit, an die sie kaum noch Gedanken verschwendet.

Auf dem Lande, fernab allen städtischen Trubels, fertigt sie in der Eißeler Finkenburg Gebrauchskeramik – Schalen, Krüge, Becher, Tassen und Teller. Weder Skulpturen noch Zierrat also, sondern Dinge des täglichen Bedarfs. Alles um sie herum wirkt bodenständig. Äußerlichkeiten und Effekthascherei passen nicht in die Umgebung, die geprägt ist von Ruhe und Weite. Auch die Glasuren, Garant für die Langlebigkeit der Produkte, sind natürlichen Ursprungs: Sinterengoben, Feldspat oder Asche unterstreichen die lebendigen Formen und das Wesen der Arbeiten, die auf schlichten Holzborden auf ihre Abnehmer warten.

„Der Bezug zum Grundmaterial meiner Arbeiten hat für mich einen hohen Stellenwert“, erklärte Silvia Flamisch im Gespräch. Als verwittertes Gestein sei es Teil des Erdreiches und werde durch das Töpfern an der Drehscheibe in eine dynamische Form gebracht. In einer Fachzeitschrift habe sie kürzlich gelesen, dass der Ton, den sie verwende, positive rechtsdrehende und damit aufbauende Schwingungen habe. „Durch den Einfluss des Brennvorganges in meinem Gasofen wird der Ton dann wieder zu Stein, die sichtbare Flamme gewährt dabei einen direkten Bezug zum Fortgang des Herstellungsprozesses. Keramik, wie ich sie herstelle, bezeichnet man auch als Steinzeug.“

Eine Ausbildung im klassischen Sinne habe sie nicht absolviert, erklärte die Keramikerin ihren persönlichen Werdegang. Sie sei eher Autodidakt, habe in Bayern, im Schwarzwald und in der Pfalz Praktika durchlaufen, und dadurch – gepaart mit nun jahrelanger Erfahrung – Sicherheit und einen eigenen Stil im Umgang mit dem plastisch verformbaren Mineral erlangt. Um die unter ihren geübten Händen und im eigenen Ofen bei 1280 Grad gebrannten Gegenstände an den Mann beziehungsweise an die Frau zu bringen, bereist Silvia Flamisch Fachmärkte im Umkreis von etwa 400 Kilometern. Weihnachtsmärkte spart sie dabei aus. „Ich mag die Stimmung dort nicht, friere nicht gerne und habe darüber hinaus die Erfahrung gemacht, dass meine Klientel dort nicht zu finden ist“. Ganz besonders gerne halte sie sich hingegen in Ostdeutschland auf, weil handwerkliches Können dort noch geschätzt werde und die Töpferei in der ehemaligen DDR auf eine lange Tradition zurückblickt.

Uwe Ciesla bezeichnet sich als „Mann für alles“ in der Finkenburg. Seit 1995 kümmert sich der der Diplomingenieur, Partner der Töpferin, zum Beispiel um die Außendarstellung des gesamten Resthofes, auf dem neben dem Paar noch einige weitere Personen leben. „Auch die Verarbeitung von Äpfeln aus Privatgärten gehört zu meinen Aufgaben und Hilfestellung bei der Organisation des jeweils am 3. Oktober stattfindenden Apfeltages." Eine Ausstellung zahlreicher regionaler Sorten und ein umfangreiches Rahmenprogramm prägen seit Jahren den Ablauf des beliebten Events am „Tag der deutschen Einheit“. Im Anschluss an den Apfeltag bliebe dann wieder Zeit, sich um die Vermarktung der Tonwaren zu kümmern, bei der er seiner Partnerin gerne zur Seite steht. Auch der „Tag der offenen Töpferei“, der bundesweit zum 13. Mal stattfindet, biete Gelegenheit, den Keramikern bei der Arbeit zuzusehen und dabei vielfältige Erkenntnisse zur Verwendung des nachhaltigen Materials zu sammeln.

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