Ehrenbürger

Das Original mit dem grünen Daumen

Heinz Treptow hat am Montagabend im Gemeinderat eine Auszeichnung erhalten, die bisher nur wenigen Einwohnern zuteil geworden ist. Der 81-jährige Grünpfleger darf sich ab sofort Ehrenbürger nennen.
19.03.2018, 21:05
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Das Original mit dem grünen Daumen
Von Lars Köppler
Das Original mit dem grünen Daumen

Der neue Hassendorfer Ehrenbürger Heinz Treptow (links) und Bürgermeister Klaus Dreyer machen Pause am Dorfgemeinschaftshaus. Das Duo kennt und schätzt sich seit vielen Jahren.

Björn Hake

Hassendorf. Wenn Heinz Treptow morgens noch vor 7 Uhr mit seinem Deutz-Trecker und dem Anhänger gemütlich durch die Straßen tuckert, dann ist jedem Hassendorfer Bürger sofort klar: Der Mann mit dem grünen Daumen ist wieder unterwegs und kümmert sich um die Grünpflege im Ort. Der Landwirt ist ein Hassendorfer Original, bekannt im Dorf für seine zuverlässige und vertrauensvolle Art. Und eben diese Tugenden, gepaart mit seinem unermüdlichen Einsatz für die Erhaltung der Natur und Verschönerung des Landschaftsbildes, haben die Mitglieder des Gemeinderates am Montagabend dazu bewogen, den 81-Jährigen zum Ehrenbürger der Gemeinde Hassendorf zu ernennen.

Eine Ehrung, die nach Angaben von Bürgermeister Klaus Dreyer (SPD) bisher nur wenigen Bürgern zuteil geworden ist. "Unser Gemeinderat hat mit großer Unterstützung aus der Bevölkerung bisher nur dem ehemaligen Bürgermeister Werner Sackmann, dem langjährigen Jagdpächter Heinz-Günter Murke, den Eheleuten Gernot und Siever-Johanna Breitschuh und Heinz Hüner als nebenamtlichem Mitarbeiter im Grünpflegebereich das Ehrenbürgerrecht verliehen", erklärte Dreyer in seiner Laudatio. Durch den Tod von Heinz-Günter Murke, der im vergangenen Jahr starb, war ein Platz frei geworden in dem erlauchten Kreis der Ehrenbürger. Warum die Wahl auf Heinz Treptow fiel, war Klaus Dreyer und seinen Ratskollegen derweil sofort klar. "Er ist seit gefühlt 50 Jahren mit seinem Trecker und Wagen für die Gemeinde im Grünbereich tätig", sagte der Bürgermeister und fügte hinzu: "Heinz Treptow hat einfach ein Auge für die schönen Dinge in der Gemeinde und braucht keine Anweisungen. Er hat sich im Bereich der Grünpflege und der Dorfverschönerung außerordentliche und nachhaltige Verdienste erworben."

Fast täglich knattert Treptow mit seinem Gespann vom Typ "D400G" durch den Ort und legt Hand an, wo es seiner Meinung nach nötig ist. Ruhe findet der neue Ehrenbürger erst am späten Abend, wenn er die Grünflächen in Hassendorf beackert und optisch ansprechend hinterlassen hat. "Er lebt dafür und ist mit Geld nicht zu bezahlen", weiß Klaus Dreyer den nimmermüden Einsatz für die Gemeinde und ihre Menschen zu schätzen. Vor allem der Erfolg der Gemeinde Hassendorf in dem Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" trägt eindeutig die Handschrift Heinz Treptows. "Heinz wusste immer, was die Kommission gern sehen möchte", sagt Dreyer und lacht.

Ein vorzeitiges Ende seiner ehrenamtlichen Grünpflege kann sich Heinz Treptow derweil überhaupt nicht vorstellen. "Ich werde weitermachen, so lange ich noch kann", sagt der Landwirt, der seit 1959 in Hassendorf lebt und dort einst auch seine mittlerweile verstorbenen Ehefrau Irmgard kennengelernt hatte. Auf einen Einsatzplan kann Heinz Treptow getrost verzichten. "Er sieht selbstständig, wo Arbeiten angesagt sind, wo Hilfe gebraucht wird und an welcher Ecke das Dorf noch weiter verschönert werden kann", lobt Klaus Dreyer, der besonders die ruhige und meist fröhliche Art an Heinz Treptow mag. Der wiederum fühlt sich in Hassendorf, wo er selbst 15 Morgen Land mit großem Obstgarten fleißig in Eigenregie bewirtschaftet, pudelwohl. "Wir haben eine tolle Gemeinschaft in Hassendorf. Die Menschen kennen mich und sind sehr nett zu mir."

Seinen Lebensabend verbringt der 81-Jährige allerdings mitnichten nur auf dem Trecker. Zwar sind auch seine drei Kinder längst aus dem Haus, doch regelmäßig bekommt Heinz Treptow seine mittlerweile auch aus sechs Enkelkindern bestehende Familie zu sehen. Sein ganzer Stolz ist sein Fachwerkhaus mit den markanten Fledermausgauben, dessen Unterhalt ihm ebenfalls alles abverlangt. Das 1834 als Stallanlage erbaute Objekt hat er seit 1972 in kleinen Schritten umgebaut und gegenüber der Kommission sogar als "Waffe" eingesetzt. "Ich habe immer nur dann umgebaut, wenn ich wieder Geld erwirtschaftet hatte", erinnert sich Heinz Treptow an eine Zeit des Kleckerns. Mittlerweile ist das Fachwerkhaus eine Augenweide, das viele interessierte Blicke auf sich zieht.

Ehrenbürger sein, das ist in Hassendorf derweil eine sehr exklusive Angelegenheit. Erst zum dritten Mal nach 2008 und 2016 hat der Gemeinderat mit seinem einstimmigen Votum diese Auszeichnung vergeben. "Die niedersächsische Gemeindeordnung sieht vor, dass besondere Verdienste mit dem Ehrenbürgerrecht belohnt werden können, das lebenslang zugesprochen wird“, erklärt Klaus Dreyer. Siever-Johanna und Gernot Breitschuh waren vor zwei Jahren für diesen engen Kreis auserkoren worden. Die Eheleute haben sich verdient gemacht bei der Gründung und Leitung des Hassendorfer Singkreises sowie bei der Erstellung der Chroniken für die Gemeinde mit seinen Vereinen und Institutionen im Jahr 1999 und der Leitung des Hassendorfer Archivs.

Acht Jahre zuvor waren es Ex-Bürgermeister und Wegemeister Werner Sackmann, Jagdpächter Heinz-Günter Murke und Grünpfleger Heinz Hüner – und seit Montagabend eben auch Heinz Treptow.

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