Sänger Hartmut Engler schreibt der kranken Leonie Tamina Meyer ein Lied / Song auf neuer Pur-CD veröffentlicht Das pure Glück

Bald wird der Name "Leonie Tamina" in deutschen Stadien und Klubs rauf und runter gesungen. Der Grund: Die Pop-Gruppe Pur hat für die schwer kranke Leonie aus Achim ein Lied geschrieben. Frontsänger Hartmut Engler hat die Neunjährige besucht. Der ACHIMER KURIER erzählt die Geschichte.
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Das pure Glück
Von Alexander Tietz

Bald wird der Name "Leonie Tamina" in deutschen Stadien und Klubs rauf und runter gesungen. Der Grund: Die Pop-Gruppe Pur hat für die schwer kranke Leonie aus Achim ein Lied geschrieben. Frontsänger Hartmut Engler hat die Neunjährige besucht. Der ACHIMER KURIER erzählt die Geschichte.

Achim. Die Worte von Hartmut Engler waren unwirklich, fast schon spöttisch: "Ja. Wenn Ihr wollt, kann ich mal bei Euch vorbeikommen", sagte der Frontsänger der Popgruppe Pur zu Ramona Meyer. Die Mutter aus Achim hatte die Musik-Ikone während der Wolkenschieber-Gala angesprochen. Einfach so. Und genauso direkt, wie er geantwortet hatte, ging sie auf ihn zu: "Wollt Ihr für meine Tochter Leonie nicht mal ein Lied schreiben?" Sie wusste schon, wie sie Englers Antwort zu nehmen hatte: "Na klar. Der wird bestimmt bei uns vorbeikommen."

Heute, ein knappes Jahr später, ist das einstige Versprechen, das Ramona Meyer für eine leere Worthülse gehalten hatte, Realität geworden. Hartmut Engler kam zu ihr nach Hause und hat für ihre neunjährige Tochter ein Lied geschrieben. Der gleichnamige Song "Leonie Tamina" ist auf dem neuen Album "Schein & Sein" verewigt, das gerade erst veröffentlicht wurde. "Es ist kaum zu beschreiben. Als ich das Lied zum ersten Mal gehört habe, war ich begeistert", sagt Ramona Meyer.

Tochter Leonie geht es ähnlich. Die Neunjährige sitzt oft vor der Musikanlage, hört sich "ihr" Lied an. Der Song erzählt ihre Geschichte, wie sie auf die Welt gekommen ist und schon damals "anders war". Leonie leidet an einer komplizierten Rückenmarksschädigung, "Spina bifida" oder "offener Rücken" genannt. Ihre Wirbelsäule ist fehlgebildet. Lebenslang wird sie im Rollstuhl sitzen. Im Lied ist von einer großen Kämpfernatur die Rede, von Delfinen in Amerika, mit denen Leonie während einer Therapie geschwommen ist. Obwohl sich die Neunjährige nicht richtig verständlich machen kann, hören Vater Andreas und Mutter Ramona zwei deutliche Worte von Leonie, wenn das Lied zu Ende ist: "Danke Hartmut."

Der Frontsänger hatte sich nach der Gala vor einem Jahr tatsächlich bei den Meyers gemeldet. "Hallo, hier ist Hartmut Engler von Pur", sagte er am Telefon. Ramona Meyer antwortete: "Ja, ja. Und ich bin die Kaiserin von China." Sekunden später dämmerte es aber: Ja, er war es wirklich. Sie vereinbarten einen Termin. Am Hamburger Flughafen wollte er abgeholt werden.

Melodie war da, es fehlte der Text

Vor der Begegnung hätten die Vorzeichen unterschiedlicher nicht sein können: Ramona ist fanatischer Pur-Fan. Seitdem sie 16 ist, kauft sie jede Platte, geht auf jedes Konzert. Auf der anderen Seite ist ihr Mann Andreas, bekennender Pur-Hasser. Seine schlimmste Befürchtung war gleichzeitig der größte Wunsch seiner Frau: "Irgendwann wird Hartmut Engler bei uns auf der Couch sitzen", sinnierte Ramona Meyer. Dann war es tatsächlich soweit.

Am Flughafen hüpfte Ramona Meyer herum. Sie war nervös, wie ein Teenager. "Ich dachte: Wir holen jetzt den lieben Gott ab." Der kam nicht. Nur Engler, der sich ganz normal vorstellte. Ramona Meyer war aber noch misstrauisch. "Irgendwo muss doch hier eine versteckte Kamera sein." Die Kamera gab es nicht. Es gab lediglich eine Melodie, die Pur schon längst vertont hatten. Es fehlte nur der passende Text. "Hartmut meinte, dass er den Namen ,Leonie Tamina‘ toll findet", erzählt Ramona Meyer. Ihr Schicksal hätte ihn berührt. Außerdem sei er auch schon mit Delfinen geschwommen. "Darauf ist er wohl angesprungen." Zuhause bei den Meyers sollte Engler finden, wonach er gesucht hatte.

Der Popstar setzte sich auf die Couch, erkundigte sich sofort nach Leonie. Er sei locker, bescheiden, weder eingebildet noch versnobt gewesen. "Er war wie ein Kumpel", erinnert sich Ramona Meyer. Ihr Mann Andreas begann, sein Bild von Pur zu revidieren: "Er ist wie du und ich", dachte er. "Alle, die meiner Tochter etwas Gutes wollen, auf deren Seite bin ich auch."

Mehr als fünf Stunden war der Musiker zu Besuch. Er hörte sich Leonies Geschichte an, versuchte mit ihr zu reden. Das ist wegen ihrer Krankheit nicht einfach, auf gezielte Fragen kann sie nicht antworten. Stattdessen rutschte Leonie die eine oder andere "Nettigkeit" heraus: "Hau ab" oder "Lass mich in Ruhe", warf sie Engler an den Kopf. Der Musiker war irritiert. Romana Meyer beruhigte ihn: "Wenn sie sowas sagt, meint sie es nicht ernst. So offen ist sie nur zu Leuten, die sie mag." Leonie ist brutal ironisch. Engler hat diesen Wesenszug im Lied verarbeitet: "Sie plappert süß, ist sogar beim Fluchen ganz fit."

Wochen später erhielten die Meyers die Demo-Version des Songs. "Ich wollte den Brief erst gar nicht aufmachen", sagt Ramona Meyer. Sie hatte Angst: Wird der Text stimmen? Was wird mich erwarten? Nachdem die Familie den Song gehört hatte, waren alle erleichtert. Auch Andreas Meyer findet das Lied "toll".

Auf den Konzerten werden Tausende nun mit Inbrunst den Namen "Leonie Tamina" singen. Ramona Meyer hofft, dass dadurch die Aufmerksamkeit für Leonie steigt und sie durch Spenden unterstützt wird. "Wir wollen mit ihr noch einmal nach Florida zu den Delfinen fliegen", sagt Ramona. 12000 Euro kostet die Reise. Es wäre die letzte. Denn Leonies Organe verschieben sich immer weiter, je älter sie wird. Ramona: "Irgendwann wird sie nicht mehr fliegen können."

Infos auf www.leonie-tamina-meyer.net

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