Auf den Plätzen in Stedebergen und Bollen regiert auch in diesem durchwachsenen Sommer Gelassenheit Dauercamper trotzen Wetterkapriolen

Mal schwüle Hitze und sengende Sonne, dann wieder Regen und Temperaturen knapp im zweistelligen Plusbereich – das Sommerwetter präsentiert sich in diesem Jahr ziemlich durchwachsen. Doch von dem klimatischen Wechselspiel lassen sich die Dauercamper auf den Plätzen in Stedebergen und Bollen nicht aus der Ruhe bringen: Sie nehmen es gelassen.
03.08.2012, 05:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Marvin Wennhold

Mal schwüle Hitze und sengende Sonne, dann wieder Regen und Temperaturen knapp im zweistelligen Plusbereich – das Sommerwetter präsentiert sich in diesem Jahr ziemlich durchwachsen. Doch von dem klimatischen Wechselspiel lassen sich die Dauercamper auf den Plätzen in Stedebergen und Bollen nicht aus der Ruhe bringen: Sie nehmen es gelassen.

UND SVEN MARQUART

Landkreis Verden. Ein Wohnbereich, ein kleiner Garten mit Terrasse, ein Holzsteg und ein Wohnwagen, alles mit dunklem Holz verkleidet und umzäunt: Das ist das Reich von Jutta (72) und Fritz (62) Peters. Die beiden Kirchweyher wohnen seit 20 Jahren auf dem Campingplatz in Stedebergen. Und was echte Dauercamper sind, die lassen sich von den Wetterkapriolen dieses Sommers nicht aus der Ruhe bringen.

Jutta Peters sitzt entspannt auf der Terrasse, genießt die vereinzelten Sonnenstrahlen und liest ein Buch – eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen, um sich zu entspannen. Auch schippert sie gerne mit dem eigenen Boot über den Landwehrsee. Auf diese Art und Weise versuchen sie und ihr Mann Fritz, das Beste aus ihrer dritten Urlaubswoche zu machen, die eher von durchwachsener Witterung bestimmt ist. "Die erste Woche war hier richtig tolles Wetter. In den darauffolgenden Tagen hatten wir dann ein wenig Pech", erzählt sie.

In den Sommermonaten sind die Peters’ fast jedes Wochenende auf dem Campingplatz. Manchmal auch im Winter für ein paar Wochen. "Wir richten uns eigentlich nicht direkt nach dem Wetter. Wenn es kälter ist, muss man sich eben wärmer anziehen", sagt Jutta Peters.

Kraft für die Arbeit tanken

Das Ehepaar ist diesmal mit dem Zug angereist. Fahrräder mussten die beiden nicht mitnehmen, die haben sie auf dem Campingplatz. "Wir machen so gut wie alles mit dem Rad: einkaufen oder auch kleine Ausflüge. Wir sind auch schon mal ein bisschen gewandert", berichtet Fritz Peters. Und mit dem Tretboot, das am Steg befestigt ist, sind die Kirchweyher auf den See hinausgefahren. "Hier kann man sich immer sehr gut erholen und neue Kraft für die Arbeit tanken. Wenn ich auch in Rente bin, werden wir hier sicherlich noch mehr Zeit verbringen und die Ruhe genießen", sagt Fritz Peters, der im Gegensatz zu seiner Frau noch nicht im Ruhestand ist.

Sie fühlen sich sehr wohl auf "ihrem" Campingplatz und wollen hier auch ihren Lebensabend verbringen, weil sie die Gemeinschaft mögen. "Wir duzen uns hier alle, das gehört einfach dazu. Abends gehen wir dann zum Griechen um die Ecke. Da trifft man die anderen und plaudert ein wenig. Wenn es das Wetter zulässt, schmeißt mein Mann auch schon mal den Grill an, oder ich koche, und wir essen draußen auf unserer Terrasse", erzählt Jutta Peters.

Seit 15 Jahren genießt auch Rolf Döhle (66) aus Bremen seine freien Tage auf dem Stedeberger Campingplatz. Meist reist er im April an und bleibt dann eine Weile. "Hier kann man gut sitzen und relaxen", sagt er. Nur das Wetter muss stimmen. "Am schönsten ist es natürlich, wenn die Sonne scheint. Früher bin ich auch mal im Winter hergekommen. Als der See zugefroren war, konnte man wunderbar Schlittschuh laufen. Inzwischen ist das ja nicht mehr so oft der Fall." Ausflüge macht Rolf Döhle eher selten. Nur zum Einkaufen oder wenn er nach Bremen zum Arzt muss, verlässt er den Campingplatz. "Ich habe hier alles, was ich brauche. Wenn ich Lust habe, fahre ich mit dem Treetboot raus oder setzte mich in meinen kleinen Garten." Erdbeeren und Tomaten hat er dort angepflanzt. Die wollen täglich gepflegt werden. "Auch Unkraut jäten muss ich ab und zu. Wenn man was zu tun hat, vergehen die Tage hier ziemlich schnell."

Etwa 35 Kilometer nordwestlich von Stedebergen: Auf dem Campingplatz Coppel in Achim-Bollen gehören Ursel (68) und Hartmut (75) Heidenreich fast schon zum Inventar. "Wir sind seit 42 Jahren hier und haben den Platz mit aufgebaut", erzählt Ursel Heidenreich. Immer um Pfingsten herum sperren die Heidenreichs ihre Etagenwohnung in Bremen-Arbergen zu und ziehen dann bis Mitte/Ende September in ihr altes Wohnmobil am Bollener Weserdeich. "Dann rödeln wir hier im Garten rum, machen Radtouren, besuchen Freunde und gehen in den Dorfkrug – sonst ist hier nicht viel Bewegung." Gerade ist ihre Tochter zum gemeinsamen Abendessen vorbeigekommen. Wenn es regnet, setzt sich Ursel Heidenreich an ihre Nähmaschine oder spielt mit ihrem Mann eine Runde Kniffel. Doch so oft wie 2011 war der Würfelbecher in diesem Sommer noch nicht im Einsatz: "Das Wetter ist nicht so schlimm wie im vergangenen Jahr – aber wir sind ohnehin nicht so für Hitze."

Sabine Schwarz (41) aus Bremen-Walle campiert ein paar Parzellen von den Heidenreichs entfernt "mit Mann, Kind und zwei Hunden". Seit sechs Jahren hat ihr Wohnwagen seinen festen Platz in Bollen. An den Wochenenden und für drei Wochen in den Sommerferien kehrt Sabine Schwarz der Großstadt den Rücken und fährt in den entlegenen Achimer Ortsteil. "Die Kinder sind immer draußen und deshalb ausgeglichener", erzählt die Westbremerin. Wäre nicht Olympia, dann bliebe der Fernseher komplett aus. Das Wetter könnte schlimmer sein, findet sie: "2011 haben wir drei Wochen bei zwölf Grad gefroren, aber wir haben es ausgehalten." Sabine Schwarz verbringt ihre freien Tage bevorzugt mit Gesellschaftsspielen, Spaziergängen, lesen "oder einfach relaxen". Trotzdem hofft sie noch auf ein paar warme, sonnige Tage: "Dann könnte man in der Weser baden gehen." So wie es momentan aussieht, dürfte dieser Wunsch in Erfüllung gehen...

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+