Fachtag zum Thema betriebliche Suchtprävention / Experten: Führungskräfte müssen schnell handeln Dauerstress kann in die Sucht führen

Verden·Achim. Die Zunahme der Arbeitsbelastungen und der deutliche Anstieg von psychischen Erkrankungen am Arbeitsplatz führen immer häufiger zu Suchterkrankungen. Zu dem Ergebnis kamen die Referenten des ersten Fachtages zum Thema Arbeitsrecht und betriebliche Suchtprävention in Verden. Schätzungen ergaben, dass der Anteil von suchterkrankten Mitarbeitern in Unternehmen bis zu sieben Prozent ausmachen. Weitere zehn Prozent gelten als gefährdet. Vorgesetzte sind angehalten früh zu handeln. Schon das erste so genannte Führungsgespräch - so die Experten - könne helfen, die Situation zufriedenstellend zu lösen.
08.09.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von stephan holste

Verden·Achim. Die Zunahme der Arbeitsbelastungen und der deutliche Anstieg von psychischen Erkrankungen am Arbeitsplatz führen immer häufiger zu Suchterkrankungen. Zu dem Ergebnis kamen die Referenten des ersten Fachtages zum Thema Arbeitsrecht und betriebliche Suchtprävention in Verden. Schätzungen ergaben, dass der Anteil von suchterkrankten Mitarbeitern in Unternehmen bis zu sieben Prozent ausmachen. Weitere zehn Prozent gelten als gefährdet. Vorgesetzte sind angehalten früh zu handeln. Schon das erste so genannte Führungsgespräch - so die Experten - könne helfen, die Situation zufriedenstellend zu lösen.

Veranstaltet wurde der Fachtag vom regionalen Arbeitskreis betriebliche Suchtprävention und Gesundheitsförderung (RABS Verden) in Kooperation mit der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention Diakonisches Werk Verden. Der Arbeitskreis besteht seit 2007 und hat derzeit zwölf Mitglieder.

Im gehören Kreissparkasse Verden, Dodenhof, Finanzamt Verden, Mars GmbH, Landkreis Verden, die Aller-Weser-Kliniken, Klöckner DESMA, Stadtwerke Verden, Wasserschifffahrtsamt Verden, Günter Badenhop Fleischwerke KG, Polizeidirektion Oldenburg sowie die Fachstelle für Sucht und Suchtprävention an. Sie repräsentieren über 7000 Arbeitnehmer.

Ziele des Arbeitskreises sind die Grunderhaltung der Beschäftigten, Hilfe bei Suchtgefährdung und -erkrankung, Erhöhung der Arbeitssicherheit, Unterstützung für Personalverantwortliche sowie Suchtprävention innerhalb und außerhalb des Betriebes. Referentin Elisabeth Wienemann, Leiterin des Instituts für interdisziplinäre Arbeitswissenschaften an der Universität Hannover, beleuchtete am Beispiel Alkohol, zu welchen Problemen es bei einem hohen Konsum dieses Suchtmittels kommen könne. Gefährdet seien Arbeitssicherheit genauso wie Produktivität, Qualität, Arbeitsabläufe, Krankenstand, Betriebsklima sowie Führung und Zusammenarbeit.

Deswegen komme laut Wienemann den Programmen der betrieblichen Suchtprävention eine große Rolle zu. Das unterstrich auch Veranstalterin und Moderatorin des Fachtages, Imke Huntemann: "Es ist unsere Aufgabe angesichts steigender und sich schnell verändernder Arbeitsbedingungen für den Erhalt von Gesundheit und Motivation der Beschäftigten Vorsorge zu treffen und bei bestehenden Problemen Mitarbeitern und Personalverantwortlichen Hilfsangebote zu machen."

Eine zentrale Frage des Fachtages war: "Wo und wann ist Handeln notwendig?" Die Antwort: "Führungskräfte müssen vor allem schnell, aber auch möglichst als Erste handeln. Denn nirgendwo könne systematischer auf einen Erwachsenen zugegangen werden als an seinem Arbeitsplatz. "Wenn wir wollen, dass in Betrieben konstruktiv mit dem Thema umgegangen wird, dann brauchen wir betriebliche Unterstützungssysteme - und die sind hier in der Region gut aufgestellt", erklärte die Referentin. Gemeint sind damit die betriebliche Sozialberatung, Suchtberatungstellen, Betriebsärzte, Sicherheitskräfte, Koordinatoren im betrieblichem Gesundheitsmanagement, Personalabteilungen oder -vertretungen.

Der Umgang mit den Betroffenen sei nicht leicht. Viele im diesem Personenkreis hätten, einmal auf ihr Problem angesprochen, Ausreden parat: "Ich darf mich doch wohl mit einem Glas Wein belohnen dürfen?", führte Elisabeth Wienemann eine oft genannte Aussage betroffener Personen zu ihrem Alkoholkonsum an.

Als Gründe für Suchterkrankungen nannte die Expertin unter anderem Dauerstress. "Um wieder runterzukommen und zu entspannen, wird schnell zu Alkohol gegriffen." Der Konsum verursache durch Fehlzeiten, mangelndes berufliches Engagement und Leistungseinbußen eine Leistungseinschränkung der Betriebe.

Bis zu 30 Prozent der Arbeitsunfälle seien alkoholbedingt - Faktoren, die hohe Kosten für Gesellschaft und Wirtschaft mit sich bringen.

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