Historische Führung durch das Schloss Etelsen: Von „Herrenfarben“ und einer Treppe, auf der man schwebt Dem Adel auf der Spur

Langwedel-Etelsen. Dass in den Mauern des Schloss Etelsen eine große Historie steckt, das können sich die meisten Menschen denken, die tagtäglich daran vorbeifahren oder laufen. Aber was steckt wirklich hinter der Geschichte des 130 Jahre alten Gebäudes? Das erfuhren Interessierte am Sonntag bei einer Führung von Elfriede Rippe anschaulich.
25.04.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Julien Sauer

Langwedel-Etelsen. Dass in den Mauern des Schloss Etelsen eine große Historie steckt, das können sich die meisten Menschen denken, die tagtäglich daran vorbeifahren oder laufen. Aber was steckt wirklich hinter der Geschichte des 130 Jahre alten Gebäudes? Das erfuhren Interessierte am Sonntag bei einer Führung von Elfriede Rippe anschaulich. 34 Teilnehmer waren für die Führung angemeldet, was wie die Gästeführerin erzählte, schon an der Grenze liege, wenn man das Fassungsvermögen einiger Räume im Schloss bedenkt. So musste eine Handvoll Leute die Heimreise antreten, bevor es überhaupt losgehen konnte. „Aber es gibt noch einen Zusatztermin“, versprach Rippe.

„Ich möchte sie heute auf eine kleine Reise, durch die Geschichte mitnehmen“, kündigte sie beim Startpunkt am Springbrunnen an. Und Rippe versprach nicht zu viel: Sie begann mit ihren Erzählungen im Jahre 1856, als der hannoversche Staatsminister Johann Caspar von der Wisch das Gut Etelsen für 70 505 Taler Gold erwarb. Als dann Hannover zehn Jahre später von Preußen annektiert wurde, ging das Landstück durch die verschiedensten adeligen Hände. Irgendwann sei es dann gekommen, dass die Gutsherren keinen legitimen Erben mehr hervorbringen konnten. „Lediglich eine Schwester in Dänemark blieb noch“, erzählte Rippe, „und deren Sohn, das war Graf Christian. Er war dänischer Hofjägermeister und Lehnsgraf. Da mussten sie sich schon was einfallen lassen, um ihn hier ins bescheidene Etelsen zu locken!“

Und so sei die Idee aufgekommen, ein Schloss zu bauen. „Geplant wurde es von einem gewissen Karl Hantelmann, etwa 500 000 bis 800 000 Mark betrugen die Baukosten.“ Die Bauzeit habe drei Jahre betragen, von 1885 bis 1888, allerdings habe es noch acht weitere Jahre gedauert, bis Graf Christian dann eingezogen war. Aber nicht nur die Geschichte beleuchtete Rippe. Auch die Architektur wurde unter die Lupe genommen. „Die Baukunst des 19. Jahrhunderts war von vielen verschiedenen sozialen und kulturellen Einflüssen geprägt“, erklärte sie, und ging auf jedes Detail – vom Grundriss über die Wappen und Inschriften, bis hoch zur Kuppel – ein.

Einen Moment der Aufmerksamkeit verdiente sich dann das Bodenmosaik vor den Toren des Schlosseingangs: „Die gleichen Mosaikmuster, die man bei den zu der damaligen Zeit in Pompeji laufenden Ausgrabungen entdeckt hat.“ Dann ging es hinein in das imposante, dreistöckige Gebäude. Im Eingangsbereich begrüßen den Besucher nach Marmor aussehender Stuck, Verzierungen aus echtem Blattgold und eine offene Decke, die bis zum Dachfenster blicken lässt. „Des Weiteren werden Sie hier ganz wenig reines Weiß finden. Weiß wirkt ja eher steril, aber das Schloss, das sollte fröhlich und einladend wirken. Deswegen sehen sie hier viele warme Töne.“ Außerdem eine ganz besondere Treppe. „Die zeichnet sich aus durch ein besonders günstiges Steigungsverhältnis. Das sollte einem das Gefühl geben, dass man förmlich emporschwebt.“

In der ehemaligen Bibliothek stehen heute keine Bücher mehr. „Auch die Möbel sind neu“, gestand Rippe, denn diese hätten die Zeit bis zur Restaurierung nicht überstanden und seien auf unbekannte Weise abhandengekommen. Die Wände sind aber noch von damals in dunkeln Braun- und Rottönen gestrichen, in sogenannten „Herrenfarben“, womit die Bibliothek einen Kontrast zum angrenzenden Damenzimmer bietet, das den Besuchern direkt ins Auge fiel. „Blumenmuster und zarte Pastelltöne.“

Dann ging es hoch ins erste Stockwerk, und auch hier konnte die Cluvenhagenerin zu jedem Detail auf den Fluren historisches und architektonisches Hintergrundwissen preisgeben. Zum Beispiel von den diversen Filmen, die schon im Schloss Etelsen gedreht wurden. „Der älteste war ‚Meines Vaters Pferde‘, ‚Sommer in Lesmona‘ kennen sicher viele von Ihnen. ‚Der Spatz in meiner Hand‘ spielte in der Nazizeit, einige Etelser waren da noch Statisten.“ Der Film mit dem Titel „Vineta“ sei 2008 hier fertiggestellt worden und damit der bislang letzte mit dem Schloss als Drehort. Im großen Saal hatten die Besucher schließlich die Gelegenheit, den prunkvollen Raum mit seinen aufwendigen Verzierungen und dem strahlenden Kronleuchter von der Empore zu betrachten. „Der Historismus, der feiert hier wahre Orgien“, meinte Rippe und die Gäste stimmten staunend zu.

Nach einem Abstecher in die Kellerräume und einem Spaziergang durch den Schlosspark fand sich die Gruppe am Ende im nahegelegenen Mausoleum wieder, das noch 13 Jahre älter als das Schloss sein soll. Und der bekannte hannoversche Architekt Conrad Wilhelm Hase hatte sich beim Bau etwas Besonderes dabei gedacht. „Die Kuppel als achteiliges Segment, die Zahl für die Ewigkeit, und darüber mit dem Pinienzapfen, der im christlichen Glauben auch für das ewige Leben steht“, erklärte Elfriede Rippe zum Abschluss einer spannenden und lehrreichen Führung.

„Der Historismus, der feiert hier wahre Orgien.“ Gästeführerin Elfriede Rippe
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