Volleyball

Der Blick auf das zweite Jahr

Manager Peter-Michael Sagajewski beschäftigt sich schon intensiv mit der neuen Saison des Zweitligisten TV Baden.
26.06.2019, 19:01
Lesedauer: 6 Min
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Der Blick auf das zweite Jahr
Von Florian Cordes
Der Blick auf das zweite Jahr

Peter-Michael Sagajewski (TV Baden) --- www.bjoernhake.de ---

Björn Hake

Baden. Seit die Volleyballer des TV Baden ihre Premieren-Saison in der 2. Bundesliga mit dem Erreichen des Klassenerhalts abgeschlossen haben, sind mittlerweile mehr als zwei Monate vergangen. Genauso lange dauert es noch, bis der TVB seine zweite Serie im Unterhaus angeht. Die neue Saison ist bei Manager Peter-Michael Sagajewski allerdings schon jetzt allgegenwärtig. Wir haben uns mit dem Badener Volleyball-Chef über einige Themen unterhalten, die ihn während der Sommerpause bewegen.

Sagajewski über das dramatische Saisonfinale: Dieser Tag wird wohl nie in Vergessenheit geraten. Der TV Baden benötigte am 13. April in seinem finalen Saisonspiel beim Moerser SC unbedingt zwei Punkte, um die Abstiegszone noch in letzter Sekunde zu verlassen. Es gelang dem TVB. Er gewann in Moers mit 3:2. Der Weg zum Sieg war jedoch höchst dramatisch. Erst mit dem x-ten Matchball machte das Team von Coach Fabio Bartolone den Klassenerhalt perfekt. Doch dieses Erlebnis spielt in den Gedanken des Managers keine große Rolle mehr. „Ich habe derzeit überhaupt keine Zeit, an dieses Saisonfinale zu denken. Seit zweieinhalb Monaten bin ich im Stress“, sagt er. Unter anderem wegen der wirtschaftlichen Prüfung der Volleyball-Bundesliga. „Da wird von uns im zweiten Jahr nun auch mehr gefordert.“ Aber dennoch, wenn er an das Spiel in Moers denkt, fangen Sagajewskis Augen an zu leuchten: „Eine ganze Woche lang hat mich diese Partie beschäftigt. Das ging einfach sehr tief rein.“

. . . über das verhinderte Szenario Abstieg: Der Gang in die 3. Liga wurde zwar verhindert, weit entfernt war er für den damaligen Zweitliga-Neuling aber eben auch nicht. Was ein verlorener Abstiegskampf für Auswirkungen gehabt hätte, vermag Sagajewski nicht zu beurteilen: „Ich weiß nicht, was dann passiert wäre. Es wäre bei uns aber auf jeden Fall weitergegangen. Eventuell wäre mein Sohn Ole dann gegangen. Er hatte auch Anfragen. Allerdings nicht aus der ersten Liga. Und ein Wechsel innerhalb der zweiten Liga kommt für ihn nicht infrage.“ In der neuen Saison muss der TVB aber im Endspurt auf Ole Sagajewski verzichten. „Er geht im Februar für ein halbes Jahr in die Schweiz“, bedauert der Manager.

. . . über den Anteil der Fans am Klassenerhalt: Die Stimmung in der Lahofhalle gehört wohl zu den besten in der 2. Bundesliga Nord. „Daher ist der Anteil unserer Fans am Klassenerhalt auch enorm groß“, lobt Peter-Michael Sagajewski die Unterstützung der Zuschauer. Besonders die Enge der Lahofhalle würden die Badener häufig zu ihrem Vorteil nutzen. „Unsere Fans in der ersten Reihe hängen unseren Gästen ja quasi auf den Taschen. Die bekommen da sehr viel mit“, beschreibt Sagajewski. Diese besondere Situation gefalle nicht jeder Gastmannschaft.

. . . über seine Rolle als Manager: 13 Jahre lang betreute Peter-Michael Sagajewski die erste Mannschaft als Trainer. Nach dem Zweitliga-Aufstieg übergab er seinen Posten schließlich an Fabio Bartolone und wurde Manager des TVB. „Ich habe schon ein halbes Jahr benötigt, um mich komplett von meiner alten Rolle zu lösen. Das erste Jahr war für mich dann aber auch sehr aufregend“, sagt er. Doch mittlerweile merkt er zunehmend, dass sein aktueller Job ein ziemlich stressiger sein kann. Hinzu kommt dann noch, dass er als Coach die Oberliga-Mannschaft des TVB übernimmt, weil Werner Kernebeck an seiner A-Lizenz bastelt (wir berichteten). Auf diese Aufgabe freut sich Sagajewski jedoch – unter anderem, weil in der zweiten Mannschaft alte Weggefährten aktiv sind, mit denen der Manager schon viele Erfolge feiern durfte.

. . . über die Gestaltung des Kaders: Wenn Sagajewski über die Zusammenstellung des Zweitliga-Kaders spricht, rutscht ihm vor allem ein Wort über die Lippen: „Schwierig.“ Man sei händeringend auf der Suche nach externen Zugängen. Probespieler kommen immer wieder zum Training. „Jetzt hat sich ein Spieler aber gerade dazu entschieden, nicht zu uns zu kommen, sondern sich lieber dem SV Warnemünde anzuschließen.“ Neue Gesichter wird es im Kader aber dennoch geben: Simon Bischoff und Lewin Probst werden aus der zweiten Mannschaft nach oben gezogen (wir berichteten). Sie sollen möglichst die beiden Abgänge Stefan Baum und Alexander Decker ersetzen. Zumindest von den Positionen her, sind die beiden Neuen ein Eins-zu-Eins-Ersatz. Bischoff und Probst sind ebenfalls Außenangreifer. Sagajewski: „Ich wünsche mir, dass einer von den beiden den Durchbruch schafft – bestenfalls natürlich beide. Lewin hatte schon vor einem Jahr gesagt, als er nach Baden gekommen war, dass er gerne in der ersten Mannschaft spielen möchte.“ Die Hoffnung auf einen externen Zugang habe er aber noch nicht aufgegeben, erklärt der Manager: „So langsam kann ich jedoch Vereine wie Schüttorf verstehen, die viel Geld in die Hand nehmen, um über einen langen Zeitraum in der Liga zu bleiben.“ Dass beim TVB Gehälter gezahlt werden, wird es aber wohl auch in Zukunft nicht geben. „Solche Systeme sind auch immer künstlich. Das möchte ich bei uns nicht und wehre mich dagegen“, verdeutlicht Sagajewski, dass der familiäre Charakter in Baden erhalten werden soll.

. . . über den Ablauf der Vorbereitung: Fabio Bartolone befindet sich derzeit mit einigen Spielern im Training. „Doch dann steht schon bald eine einmonatige Pause an“, sagt Sagajewski. Bartolone wird seinen Schützlingen laut des Managers aber Hausaufgaben mitgeben, damit sie sich fit halten. Für einen Teil des TVB-Teams steht während dieser Pause aber auch ein besonderes Turnier an. „Die Jungs, die zum Volleyballteam der Uni Bremen gehören, fahren nach Lodz und spielen dort die Studenten-Europameisterschaft“, erklärt der Manager. „Sie stehen schon unter Volldampf.“ Anfang August nimmt die Vorbereitung auf die 2. Bundesliga dann so richtig Fahrt auf. „Dann geht es für fünfeinhalb Wochen in die Vollen.“ Am 30. August wartet einer der Höhepunkte der Saison-Vorbereitung: Die Badener empfangen den Erstligisten SVG Lüneburg in der Lahofhalle zu einem Testspiel. Zwei Wochen später (15. September) steht der Ligaauftakt an. Im Lahof begrüßt der TVB laut Sagajewski den FC Schüttorf 09 zum Niedersachsen-Duell.

. . . über die Austragung der Heimspiele: Der Sonntag ist der Tag, an dem die Schwarz-Weißen ihre Gäste zu ihren Heimspielen begrüßen. Während der Premieren-Saison im Unterhaus haben die Badener auch zwei Partien an einem Sonnabend im Lahof ausgetragen. Die Atmosphäre war während dieser Begegnungen noch besser, als sie ohnehin schon ist. Kommt nun also die Zeit, mehr Heimspiele sonnabends auszutragen? „Wir werden in der neuen Saison öfter samstags spielen“, sagt Sagajewski ohne genauere Details zu nennen. „Ein bisschen Schiss habe ich ja schon, dass unsere Heimspiele mit denen der SG Achim/Baden oder dem SV Werder kollidieren. Aber Letzteres kann am Sonntag ja auch vorkommen.“ Ein weiteres Sonnabendspiel wird in der Lahofhalle am 18. Januar ausgetragen. Dann ist laut Sagajewski der VC Bitterfeld-Wolfen zu Gast. Einen Tag später steht gleich das nächste Heimspiel an: Dann kommt der VCO Berlin an die Weser – und somit auch Benedikt Gerken. Der ehemalige TVB-Akteur genießt mittlerweile im Volleyball-Internat in der Bundeshauptstadt seine Ausbildung.

. . . über den Mythos des schwierigen zweiten Jahres: Im Sport gibt es so viele ungeschriebene Gesetze und Mythen. Dazu zählt auch die allgemeine Vermutung, dass die zweite Saison nach einem Aufstieg immer die schwierigere ist. Sagajewski weiß, dass der TV Baden auch in der neuen Serie den Klassenerhalt als das große Ziel anpeilen muss. An den Mythos, dass das Jahr Nummer zwei automatisch das schwierigste ist, möchte er allerdings nicht glauben. Die Gründe dafür liegen in der jüngeren Geschichte des TV Baden. „In unseren zweiten Jahren in der Regionalliga und in der 3. Liga waren wir auch oben dabei“, erinnert sich Sagajewski. Im gleichen Atemzug schränkt er aber auch ein: „Natürlich müssen wir da die Bedingungen beachten. Und die sind in diesem Jahr nun einmal schlechter, weil wir zum Beispiel die Abgänge von Stefan und Alex haben.“

. . . über die Entwicklung der Volleyballsparte in Baden: Der TV Baden und Volleyball – das ist so viel mehr als das Zweitliga-Team. Die ganze Abteilung hat sich in den zurückliegenden Jahren prächtig entwickelt. Und darauf ist Peter-Michael Sagajewski mächtig stolz. Die jüngsten Erfolge sprechen für sich: Die zweite und dritte Mannschaft sind erst in der Relegation am Aufstieg in die jeweils höhere Liga gescheitert, die Frauen haben hingegen den Sprung in die Landesliga gepackt. Und auch die Jugend entwickelt sich positiv. Gleich zwei Nachwuchsteams des TVB haben in diesem Jahr an der DM teilgenommen. „Die Sparte entwickelt sich richtig gut. Wir haben derzeit mehr als 200 Mitglieder, davon sind mehr als 100 Kinder und Jugendliche dabei. Dass es so gut läuft, hat natürlich auch damit zu tun, dass unsere erste Mannschaft erfolgreich ist“, findet Sagajewski. „Man muss aber auch sagen, dass wir so langsam an unsere Kapazitätsgrenzen kommen.“ Die Freude über die Entwicklung überwiegt aber beim Manager des TV Baden.

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