Golf

Der Ehrgeiz treibt ihn an

Niklas Lücking erlernt in Badenermoor einen seltenen Beruf: Er will Golftrainer werden.
20.07.2018, 19:30
Lesedauer: 4 Min
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Der Ehrgeiz treibt ihn an
Von Florian Cordes

Achim. Ehrgeiz ist ein Wort, das Niklas Lücking ziemlich häufig in den Mund nimmt. Diese Eigenschaft benötigt der 25-jährige Achimer aber auch, um seine Ziele zu erreichen. Derzeit verfolgt Lücking ein Ziel, das nicht allzu viele Menschen in Deutschland ins Auge gefasst haben. Er wird beim Achimer Golfclub zum PGA Professional ausgebildet. Oder auf Deutsch: Niklas Lücking absolviert eine Lehre, an deren Ende er sich Golftrainer nennen darf.

Dass seine Berufsausbildung keine alltägliche ist, weiß der Achimer. "Ja, ein bisschen ungewöhnlich ist sie wahrscheinlich schon", sagt er schmunzelnd. In seinem Ausbildungslehrgang gebe es neben ihm noch etwa 30 weitere Golfer, die sich zum Trainer dieses anspruchsvollen Sports ausbilden lassen. Es seien aber nicht nur junge Männer wie er, die eine Lehre zum PGA Professional machen, meint Niklas Lücking: "Es gibt auch ältere Tourspieler, die Trainer werden wollen. Entweder nach der Karriere, oder wenn sie aufgrund einer Verletzung keine Turniere mehr spielen."

Seine Ausbildung dauert insgesamt drei Jahre. Von der Dauer her gibt es also eine Parallele zu einer "normalen" Lehre. Niklas Lücking ist noch im ersten Jahr. Ausgebildet wird er auf der Anlage in Badenermoor von dem erfahrenen PGA Professional Boris Bollmann, der diesen Titel bereits seit 1993 innehat. Genau wie Bollmann will auch Lücking eines Tages Menschen das Golfspielen als Coach beibringen – was er jetzt allerdings auch schon im Rahmen seiner Ausbildung machen muss. Lücking ist zum Beispiel sehr in der Jugendarbeit des Achimer Golfclubs engagiert.

Doch nicht nur in Achim lernt er. "Dreimal im Jahr geht es zu einem einwöchigen Seminar. Dort werden uns Dinge von bekannten Golfern beigebracht – unter anderem von Martin Hasenbein, der auch schon Martin Kaymer trainiert hat", sagt Lücking. Während der Seminare werde jedoch kaum Golf gespielt. Viel mehr verbringt Niklas Lücking viel Zeit auf der Driving Range. Dort steht aber nicht im Vordergrund, seinen eigenen Schwung und die Schlagweite zu verbessern. Anschauungsunterricht ist dann angesagt. "Auf der Range wird geschult, dass man als Golftrainer das Sehen von Bewegungen beherrscht", erklärt der angehende Coach. Lücking und die anderen Azubis sollen zum Beispiel einschätzen können, welche Flugbahn der Ball bei ganz bestimmten Bewegungen nimmt. Auch der Griff des Schlägers beeinflusst den Weg der weißen Kugel.

Beliebt bei den Mitgliedern

Dass er sich in seiner Ausbildung bislang gut schlägt, zeigt auch die Beliebtheit, die er bei den Golfern des Achimer Clubs genießt. Immer wieder wird der junge Mann von Mitgliedern angesprochen, wann er denn endlich wieder einen Kurs anbietet, in denen die Sportler ihr Spiel verbessern und vertiefen können. Lücking führt diese Gespräche gerne, muss die Golfer aber auch vertrösten. Seinen nächsten eigenen Kurs wird er erst nach dem Sommer geben. Denn in diesem Jahr steht für Lücking noch eine Prüfung an. Besteht er diese, darf er sich bereits PGA Assistent nennen. Damit er die dreijährige Ausbildung Anfang Februar überhaupt aufnehmen durfte, musste er im Vorfeld einen sogenannten Pre-Course belegen. Diese beendete Lücking mit der Prüfung zum C-Trainer.

Dabei hatte Niklas Lücking in früheren Jahren nichts mit dem Golfsport am Hut. "Damals habe ich Handball beim TSV Embsen gespielt", erzählt der Achimer. Durch seinen Vater ist er dann im Jahr 2008 zum Golf gekommen. Und durch ihn kam dann auch allmählich die Eigenschaft in ihm auf, die er als Wort so häufig in den Mund nimmt. "Ich hatte schon den Ehrgeiz, besser zu sein als mein Vater", sagt er schmunzelnd. "Während meines Studiums stand ich schon vier- bis fünfmal in der Woche auf der Driving Range."

In seiner Anfangszeit sei das Spiel mit dem kleinen weißen Ball jedoch nur ein Hobby gewesen. Auch während eines Auslandsaufenthalts in den Vereinigten Staaten spielte er viel Golf. "Allerdings wird dort im Winter überhaupt nicht gespielt", erzählt Lücking. Die Folge war, dass er lange Zeit nicht mehr auf dem Platz stand, als er zurück in Deutschland war. Erst als er 22 Jahre alt war, kam die Leidenschaft zurück. "Hin und wieder habe ich dann hier in Achim eine Trainerstunde genommen. Viele Dinge habe ich aber auch selbst ausprobiert", erinnert sich Lücking.

Als die Leidenschaft wieder da war, wurde auch der Ehrgeiz des 25-Jährigen größer und größer. "Allerdings ging es mir nicht zwingend darum, meine Handicap stetig zu verbessern", erzählt er. Vielmehr kam das Trainer-Gen mehr und mehr in ihm durch. Er engagierte sich zunehmend in der Jugendarbeit, er absolvierte erfolgreich den Pre-Course. Das mündete schließlich darin, Clubmanager Thomas Schmidt nach einem Ausbildungsplatz zu fragen – und auch das mit Erfolg.

Stetige Entwicklung

Doch was reizt ihn daran, neben dem persönlichen Ehrgeiz, das eigene Wissen über Golf zu vergrößern, in Zukunft den Beruf des PGA Professionals auszuüben? Darauf hat Niklas Lücking eine einfache Antwort. "Am meisten reizt es mich, die Leute zu unterstützen, damit sie ihre Ziele auf dem Golfplatz erreichen." Spannend sei für ihn zudem, dass er dabei mit ganz verschiedenen Charakteren konfrontiert wird. "Ältere Damen haben zum Beispiel eine andere Motivation als junge Männer. Das Tolle am Golf ist einfach, dass man in seiner Entwicklung nie am Ende ist."

Was er nach Beendigung seiner Ausbildung genau machen will, könne er jetzt noch nicht sagen. Viele Dinge kann er sich vorstellen. Zum Beispiel auch, als dritter PGA Professional neben Boris Bollmann und Andreas Kauler beim Achimer Golfclub zu arbeiten. "Wenn man sich hier etwas aufbaut, wäre es schon blöd zu gehen. Aber was in zwei Jahren ist, ist jetzt schwierig zu sagen", findet Niklas Lücking.

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