Galopprennen

Der Galopprennsport lebt

Das war ein guter Tag für den Galopprennsport – gute Besucherzahlen und spannende Duelle zeichneten den Frühjahrs-Renntag in Verden aus. Ein weiterer Renntag Ende Oktober könnte die positive Folge sein.
26.05.2019, 19:35
Lesedauer: 3 Min
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Von Niklas Johannson
Der Galopprennsport lebt

Tommaso Scardino eröffnete den Verdener Renntag mit einem Sieg auf Good Girl (rechts).

Björn Hake

Verden. Drei schier endlose Jahre haben die Verdener Turf-Fans auf diesen Augenblick gewartet – endlich wieder Galopprennsport auf der Rennbahn am Berliner Ring, die seit dem Juni 2016 still stand. „In diesem Jahr mussten wir einfach einen Renntag durchführen. Wir sind ja schon fast in Vergessenheit geraten“, sagte Kurt-Henning Meyer, der Vorsitzende des Verdener Rennvereins. 2017 stoppten technische Probleme die Organisatoren, 2018 war das Geläuf aufgrund der langen Frostperiode zu schlecht. „Da hat die Stadt Verden geschlafen“, betonte Meyer. In diesem Jahr verliefen die Vorbereitungen reibungslos und die Zuschauer strömten bei besten äußerlichen Bedingungen an die Rennbahn. „Mit den Besucherzahlen sind wir zufrieden, leider war das Meldeergebnis schwach“, erklärte Meyer und verwies auf zwei Parallelveranstaltungen in Düsseldorf und Zweibrücken.

In insgesamt sieben Rennen konnten die Zocker wieder ihre favorisierten Pferde auf Sieg oder Platz wetten. Die Schlangen an den Wettschaltern waren lang, selbst Ex-Werder-Torwart Felix Wiedwald versuchte sein Glück. Wer gerne auf Außenseiter spekuliert, hatte an diesem Tag nicht viel zu lachen. Überwiegend setzten sich die favorisierten Pferde durch. Gleich zwei Tagessiege bejubelte Trainerin Elfi Schnakenberg aus Blender-Jerusalem mit Good Girl (erstes Rennen) und Dashing Diva (fünftes Rennen).

Insbesondere beim Sieg der achtjährigen Stute Dashing Diva war ihr die Anspannung während des Rennens anzusehen. „Los, los, los“, schrie sie von außen, denn Kontrahentin Tshirina wurde auf der Zielgerade immer stärker. Doch Dashing Diva bewies Stehvermögen, sodass der an diesem Tag in Topform agierende Tommaso Scardino (zwei Siege) den Start-Ziel-Sieg über die Runde brachte. „Es war ein sehr guter Ritt, insgesamt bin ich hochzufrieden mit dem heutigen Tag“, freute sich der deutsche Nachwuchsjockey. Schnakenberg lobte: „Er hat die Vorgaben sehr gut umgesetzt.“

Das Duo Schnakenberg/Scardino musste an diesem Tag nur eine kleine Enttäuschung hinnehmen, als Good Will im sechsten Rennen der langen Führungsarbeit im Endspurt Tribut zollen musste und nur auf Rang fünf gelandet war. Unzufrieden war Schnakenberg mit dem Verdener Renntag aber keinesfalls: „Das war heute zwar wieder purer Stress, aber die Leistungen waren gut und die Pferde haben sich ihr spezielles Abendmahl und Vitaminmittel verdient, um schnell wieder fit zu werden.“ Die nächsten Rennen stehen für Schnakenbergs Pferde schon auf dem Programm. „Wir fahren als nächstes entweder nach Magdeburg oder Leipzig. Das entscheide ich spontan, wenn ich beurteilen kann, wie die Pferde drauf sind.“

Einen ebenfalls erfolgreichen Nachmittag erlebte der Bremer Trainer Pavel Vovcenko – ihm gelangen zwei Tagestreffer. Erst ritt Melina Ehm auf Dutch Academy knapp vor Schnakenbergs Pearl Harbor zum Sieg (drittes Rennen), dann setzte sich eine halbe Stunde später die hochfavorisierte Khoraya (viertes Rennen) mit Jaromir Safar im Sattel in einem dünnen Vierer-Feld durch.

Wie in der Vergangenheit war auch für dieses Jahr eigentlich nur ein Renntag in Verden geplant. Durch die durchweg positive Resonanz liebäugelt Meyer Ende Oktober mit einer weiteren Veranstaltung. „Der Termin im Herbst liegt recht gut, aber es ist natürlich auch eine Geldfrage“, schilderte Meyer und ergänzte: „Der Galopprennsport gehört in Verden einfach dazu. Wir müssen wieder regelmäßig Renntage veranstalten.“ Um dieses Vorhaben realisieren zu können, möchte Meyer eine Zusammenarbeit mit dem Bremer Rennverein ins Leben rufen und die Renntage gemeinsam auf die Beine stellen. Laut eigenen Aussagen steht er seit über zwei Jahren mit der Präsidentin des Bremer Rennvereins, Tonya Rogge, und dem Vizepräsidenten Daniel Krüger in Kontakt – bisher ohne Erfolg. „Wenn wir gemeinsam zusammenarbeiten würden, könnte etwas Großes entstehen. Aber ich habe das Gefühl, dass dort seitens des Vorstandes überhaupt kein Interesse mehr besteht und erst einmal nur auf Bremen geschaut wird“, sagte Meyer enttäuscht. Eine Enttäuschung war der jetzige Frühjahrs-Renntag aber nicht. Und so dürften die Hoffnungen auf ein zweites Event bei den Turf-Fans groß sein.

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