Achimer handelt mit Lego-Ersatzteilen

Der Herr der Steine

Sebastian Kirst aus Achim treibt Handel mit der ganzen Welt. Sogar in Grönland hat er einen Kunden. Kirsts Lego-Ersatzteile sind halt sehr begehrt.
19.07.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von David Rosengart
Der Herr der Steine

Kluger Kopf: Sebastian Kirst hat sich erfolgreich mit dem Vertrieb von Legosteinen selbstständig gemacht.

Björn Hake

Sebastian Kirst aus Achim treibt Handel mit der ganzen Welt. Sogar in Grönland hat er einen Kunden. Kirsts Lego-Ersatzteile sind halt sehr begehrt.

Sorgsam schüttet Sebastian Kirst das vorsortierte Lego in einen Kissenbezug mit besonders verstärkten Nähten. „Da hat man aus der Vergangenheit gelernt“, sagt er. „Das Ding sollte halten.“

Ein wenig Waschmittel dazu, eine Stunde, Feinwaschgang. „Danach werden die Steine dann zum Trocknen aufgeschichtet“, sagt Kirst und deutet auf eine Reihe von Gittern. Die Sortierung und Aufbereitung der zumeist gebraucht gekauften Bauteile folgt einem strengen Procedere. Der Feinwaschgang ist davon nur ein Teil.

Vier Mitarbeiter

Kirst ist Inhaber des Geschäftes „KiSebA“, betreibt in Achim einen riesigen Handel, vor allem für Lego-Ersatzteile. Die kleinen und immer noch heißbegehrten Bausteine gehen in die ganze Welt – Europa, USA, Südafrika, sogar in Grönland gibt es einen Kunden. Von der Internationalität des Achimer Geschäfts zeugt eine überdimensionale Weltkarte, mit Pins sind alle Versandorte markiert. „Letztlich kann man sagen, dass die Steine vornehmlich in Industrieländer gehen.

Figuren mit besonderem Wert nehmen auf der Figurentribüne von Kirst Platz.

Figuren mit besonderem Wert nehmen auf der Figurentribüne von Kirst Platz.

Foto: Björn Hake

Start im Wohnzimmer

Seit September 2014 gibt es den internationalen Lego-Ersatzteilhandel nun am aktuellen Standort, bereits 2012 ging es vom heimischen Wohnzimmer aus los und Lego-Steine wurden in die ganze Welt verschickt. Schon während der Ausbildungszeit versandte Kirst die weltbekannten Bausteine. „Klar ist: Man muss schon eine kleine Macke haben und große Leidenschaft aufbringen“, betont Lego-Experte Kirst. Die Idee für das Geschäft speiste sich aus der Passion für die bunten Steinchen und für logistische Optimierung. Im Zuge einer kurzfristigen Arbeitslosigkeit entschloss sich der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann und Fluggerätemechaniker dann zum Schritt in die Selbstständigkeit. „So kam eins zum anderen.“

Nachschub: Ständig versorgt sich Kirst mit neuen Steinen.

Nachschub: Ständig versorgt sich Kirst mit neuen Steinen.

Foto: Björn Hake

Geprüft auf Seltenheit

Dabei geht es auch um die Veredelung des Lego-Rohstoffes: Die Steine werden gesäubert, mit Schmutzradierern von Bemalungen befreit und auf ihre Seltenheit geprüft. Immer wieder seien auch echte Raritäten dabei. Die Waage ist mit das wichtigste Werkzeug. Ebay und spezielle Onlineplattformen nur für Lego-Steine dienen als Vertriebskanäle. Und natürlich der Laden selbst. „Es geht fast ausschließlich um Ersatzteile – gerade im Versandhandel.“ Im Geschäft gibt es auch einige der üblichen fertigen Bausätze.

Hauptkunden sind vor allem sogenannte „AFOLs“ – Adult Fans of Lego. Übersetzt: Erwachsene Lego-Fans. Die oft sehr ambitionierten Sammler sind immer auf der Jagd nach Raritäten aus Plastik. Ein spezielles Modell eines Star-Wars-Fliegers ist beispielsweise so begehrt, dass einzelne kleine Teilstücke bereits mehrere Euro kosten können. „Lego wird auch immer mehr zur Wertanlage. Ganz wie beim Aktiendepot sollte man das Portfolio breit streuen. Irgendwie wird sich der Wert dann mit den Jahren deutlich steigern“, sagt Sebastian Kirst. Sein Geschäftsmodell – zumindest in diesem Umfang – ist in Deutschland fast einzigartig.

2,5 Tonnen eingelagert

Die aktuelle Inventur ergab, dass mehr als 2,5 Tonnen Lego-Teile eingelagert sind – und ständig kommen neue dazu und alte werden verschickt. Online sind um die 8000 Einzelobjekte zu erwerben, insgesamt 10 000 Warentypen befinden sich in den unzähligen Plastikkisten, die scheinbar unendliche Reihen im Steine-Lager bilden. Über die Jahre hinweg habe er sich eine breite Expertise angeeignet. So sei es enorm wichtig, falsche Fabrikate vom echten dänischen Produkt unterscheiden zu können. „Da sind wir sehr genau“, unterstreicht Kirst. Entsprechend lange würde der Blick der Mitarbeiter geschult werden.

Ordnung ist alles: Im Lager liegen mehr als 2,5 Tonnen Legosteine.

Ordnung ist alles: Im Lager liegen mehr als 2,5 Tonnen Legosteine.

Foto: Björn Hake

Und noch viel besser: Die Figurentribüne, auf der Lego-Figuren mit besonderem Wert Platz finden, ist fast wieder vollbesetzt. 500 Helden und Anti-Helden warten dort genügsam auf ihren neuen Besitzer. Mit leuchtendem Lichtschwert herrscht Darth Vader dort über seine Untergebenen. Die Waschmaschine ist ihm erspart geblieben.

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