Mitglieder der Volkssternwarte starten ab 24. November eine neue Vortragsreihe im Rathaus Der Himmel über Langwedel

Langwedel/Achim. Was haben Katzen und Astronomie gemeinsam? „Ganz einfach: Einer stört den anderen“, erzählt Peter Kreuzberg lachend. Wenn er mit dem Teleskop von seiner Achimer Dachterrasse aus den Nachthimmel beobachtet, ist ihm der Bewegungsmelder seiner Nachbarn stets ein großer Dorn im Auge.
19.11.2016, 00:00
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Von Jörn Dirk Zweibrock

Langwedel/Achim. Was haben Katzen und Astronomie gemeinsam? „Ganz einfach: Einer stört den anderen“, erzählt Peter Kreuzberg lachend. Wenn er mit dem Teleskop von seiner Achimer Dachterrasse aus den Nachthimmel beobachtet, ist ihm der Bewegungsmelder seiner Nachbarn stets ein großer Dorn im Auge. Katze kommt, Bewegungsmelder geht an, Katze kommt wieder, Bewegungsmelder geht wieder an – ein Graus für einen Astronomen wie ihn. Der Komet Hale-Bopp ist es gewesen, der vor nahezu 20 Jahren das Interesse des Achimers für das Sternenzelt entfacht hat. Seitdem kann er von der Sternenkunde (Astronomie) einfach nicht mehr lassen. Kreuzberg, Mitglied im Verein Volkssternwarte Langwedel und in der Bremer Olbers-Gesellschaft, gibt sein Wissen nun anlässlich einer neuen kostenlosen Vortragsreihe an Interessierte weiter. „Wir wollen die Menschen alle zwei Monate – jeweils am letzten Donnerstagabend ab 19.30 Uhr im Langwedeler Rathaus – für die Astronomie begeistern“, erläutert er. Unter dem Titel „Das Licht der Sterne“ startet die Vortragsreihe an diesem Donnerstag, 24. November, im Bürgersaal des Rathauses.

In seinem rund anderthalbstündigen Vortrag nimmt Kreuzberg die Zuhörer dann auf eine spannende Reise in die Galaxie mit. „Wir Astronomen haben ja von Natur aus ein sehr großes Sendungsbewusstsein“, verrät er Augen zwinkernd. Sterne würden aus Staub- und Gaswolken bestehen, weiß Kreuzberg. Die Lebensdauer eines Sterns hänge unter anderem auch von seiner Schwere ab. „Schnell brennende Riesensterne werden rund 150 Millionen Jahre alt, brennen ab wie eine Wunderkerze“, erzählt er. Die Sonne hingegen habe bereits 4,6 Milliarden Jahre auf dem Buckel. Schwarzes Loch oder Weißer Zwerg – so kann ein langes Sternenleben dramatisch enden.

Vor nunmehr 30 Jahren hat Sternenbeobachter Heinz Struckmann die Astro-Arbeitsgemeinschaft Langwedel aus der Taufe gehoben, im vergangenen Jahr erfolgte dann die Gründung des eingetragenen Vereins Volkssternwarte Langwedel. Auch die Astro-Kids-Gruppe hat sich mittlerweile etabliert. Andreas Vogel, heutiger Vize-Vorsitzender des Vereins, ist damals nur in den Flecken gezogen, weil es in Langwedel eine Volkssternwarte gibt. Seit fast zehn Jahren ist er nun schon Chef des renommierten Olbers-Planetariums in Bremen. Vier sogenannte Rolldachhütten mit aufklappbarem Dach und computergesteuerten Teleskopen befinden sich mittlerweile auf der Oberschule am Goldbach in Langwedel. „2018 wird das Schulgebäude voraussichtlich abgerissen. Wir müssen dann leider vom Dach steigen“, bedauert Peter Kreuzberg. Doch Jupiter meint es gut mit den Astronomen – ein neuer Standort ist bereits gefunden. „Wir richten unsere neue Sternwarte an den Schwunggruben am Sportplatz in Richtung Süden aus“, berichtet der Achimer. Allein die beiden Fertigsternwarten würden bereits mit 25 000 Euro zu Buche schlagen, weiß der Astronom, dass bis dahin noch viele Spendengelder eingeworben werden müssen. Den Mitgliedern des Vereins Volkssternwarte Langwedel ist es natürlich ein Herzensanliegen, dass es mit der Astronomie im Flecken weitergeht.

Herbstzeit ist Schnuppenzeit, weiß der gebürtige Bremer und Wahl-Langwedeler Andreas Vogel. Er freut sich, dass er in diesen Tagen die Leoniden, einen bekannten Sternschnuppen-Strom, durch sein Teleskop beobachten konnte. „Alle 33 Jahre kommt es dabei zu sehr heftigen Ausbrüchen. Der letzte war 1999“, erinnert sich der Leiter des Olbers-Planetariums. Auch Mitte Dezember fallen wieder viele Sterschnuppen vom Himmel – die Geminiden. Vogel rechnet dann mit 60 bis 70 Sternschnuppen pro Stunde. Einfach ausgedrückt, seien Sternschnuppen immer dann am Himmel zu sehen, wenn die Erde den Kometenstaub passiere, bringt es Peter Kreuzberg auf den Punkt.

Die beiden Männer hoffen jedenfalls, dass die neue Vortragsreihe im Langwedeler Rathaus ein voller Erfolg wird. „Wir haben noch so viele Vorträge in der Schublade“, sagt Kreuzberg. Nur eines stört den Astronomen, der auch die Astronomische Vereinigung Lilienthal mit aufgebaut hat: Wenn er von interessierten Laien als Astrologe bezeichnet wird. Er glaubt einfach nicht daran, dass funkelnde Sterne am Firmament das menschliche Schicksal beeinflussen, wo sich die Sternzeichen doch mittlerweile schon verschoben hätten.

Schaut Andreas Vogel im Winter morgens um Sechs aus dem Fenster, leuchtet ihm Orion bereits entgegen. „Der Orion-Nebel ist ein typisches Wintersternbild, das schon mit dem bloßen Auge oder dem Fernglas gut zu erkennen ist“, erläutert er. Das Besondere: Orion ist lediglich 1500 Lichtjahre – und damit nur einen Katzensprung – vom Flecken Langwedel entfernt.

„Astronomen haben ein sehr großes Sendungsbewusstsein.“ Peter Kreuzberg
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