Achimer Speeldäl sorgt mit Premiere von „Dynamit und Puusteblomen“ für Unterhaltung / Mundart und Humor

Der Kampf um Ursula

Achim. Detlef Reising ist wirklich nicht zu beneiden. Seine zukünftige Ex-Frau hat den friedvollen Vegetarier verlassen und residiert nun auf Mallorca.
26.10.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von David Rosengart

Detlef Reising ist wirklich nicht zu beneiden. Seine zukünftige Ex-Frau hat den friedvollen Vegetarier verlassen und residiert nun auf Mallorca. Dort frönt sie gleich in zweierlei Hinsicht ihrer Fleischeslust. Endlich wieder ein richtiges Mannsbild. Gleichzeitig hat sie auch noch ein Verhältnis mit seinem vermeintlich besten Freund und Untermieter Uwe Winkler – ein schmieriger, gerissener Autoverkäufer, der trotzdem irgendwie liebenswert ist. Und dass Detlef in seinem eigenen Haus nach Strich und Faden von allen Seiten belogen wird, fällt ihm erst dann auf, als das Chaos seinen unumkehrbaren Lauf genommen hat. Eine Ausgangssituation, die das perfekte Terrain für eine Komödie, die sich am Durcheinander des Zwischenmenschlichen ergötzt, bietet. Mit viel Herzblut, schauspielerischer Genauigkeit und dem wie für Komödien erfundenem Plattdeutsch feierte das Ensemble der Achimer Speeldäl am Sonnabendabend die Premiere ihres aktuellen Stückes „Dynamit und Puusteblomen“.

Die Laien konnten vor einem gut besetzten Saal im Kulturhaus Alter Schützenhof (Kasch) aufspielen. Die Veranstaltung am gestrigen Sonntag kann ebenfalls als Erfolg verbucht werden.

Menschlicher Wahnsinn

Der schauspielerische Klamauk wurde von Bernard Fathmann geschrieben. Detlef Reisung, der tierliebe Inhaber eines überdimensionalen Ödipus-Komplexes, ist der Protagonist der Geschichte und wurde mit Bravour gespielt. „De Beziehung twischen Kerls un Froons, twischen Frünn un denn noch twischen die Lüe im Allgemeen“, lässt sich das Stück zusammenfassen. Einfach Worte mit reichlich Tiefgang. Der Wahnsinn des menschlichen Zusammenlebens bietet unermüdlich Anlass für Pointen, Kuriositäten – und das vermochten die Darstellenden auf die Bühnenbretter zu bringen. Von Beginn an landeten die Pointen, die durch das schnoddrige Plattdeutsch noch verstärkt wurden. Und auch das Bühnenbild sowie stimmige Ton- und Lichttechnik sorgten dafür, dass sich das Publikum bestens amüsierte.

Protagonist Detlef und sein angeblich guter Freund Uwe mögen es zwar so ganz nicht wahr haben, aber zwischen ihnen steht vor allem eines: Ursula Reising, die baldige Ex-Frau von Tierfreund Detlef. Beide buhlen unermüdlich um die sprachgewandte Ursula. Uwe gibt den gestriegelten Casanova und hat lange die Nase vorn. Detlefs größter Traum ist es, einen Bauernhof mit seiner Noch-Gattin zu bewirtschaften. Ein Krieg der Welten. Und als wäre das noch nicht genug, sind da noch die geldfixierte Klaudia und Sprengmeister Anton, der durch verworrene Umstände zu reichlich Geld kommen könnte. Er ist ein gerade aus der Psychiatrie entlassener Haudegen, der andauernd mit seinen Restbeständen an Sprengstoff hantiert und chronisch einen Schutzhelm trägt.

Immer mehr zeigt sich dem Publikum das blanke Chaos. Jede, aber auch jede Aussage verstrickt sich in Widersprüchlichkeiten. Immer mehr verfällt das Publikum dem herzlichen Lachen. Mutig und authentisch interpretierten die Schauspieler ihre Rollen. Nach jedem Akt gibt es großen Applaus.

Wer das Ende der Geschichte erfahren möchte, der hat am 1. November (im Kasch) sowie am 7. und 8. November bei Schröders in Thedinghausen die Gelegenheit dazu. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.achimer-speeldael.webnode.com.

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