Günter Klein bringt Faszination gegenüber Wasser und Landschaften auf die Leinwand / Beim Kulturfest dabei

Der Meermaler

Achim-Baden. Die Wände des Ateliers von Günter Klein in Achim sind mit einem Mosaik von Bildern unterschiedlichster Größen bestückt. Einige messen nur etwa 25 Zentimeter, andere Formate haben Maße bis zu 1,40 Meter, und fast alle sind in Rahmen eingefasst.
30.08.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Sophia Allenstein

Achim-Baden. Die Wände des Ateliers von Günter Klein in Achim sind mit einem Mosaik von Bildern unterschiedlichster Größen bestückt. Einige messen nur etwa 25 Zentimeter, andere Formate haben Maße bis zu 1,40 Meter, und fast alle sind in Rahmen eingefasst. Und doch zieht sich ein Stil wie ein roter Faden durch die drei Räume der Malwerkstatt: Gedämpfte, ruhige Farben sammeln sich auf Leinwänden, die vorwiegend naturalistische Landschaftsmotive zeigen. Blasse Grüntöne und ein ausgeblichenes Blau lassen einige Werke fast ein wenig unwirklich erscheinen, wie die Rekonstruktion eines Traumes, an den die Erinnerung schwindet.

Klippen in Cornwall, die Allerwiesen in Verden, im Schnee schlummernde Bauernhöfe oder ein Leuchtturm eingebettet in die Küstenlandschaft – aus den Bildern des Künstlers spricht eine tiefe Naturverbundenheit und die Liebe zu Fluss und Meer. „Das Thema kommt immer wieder zum Wasser“, sagt Klein. Trotzdem ist ihm wichtig zu betonen, dass seine Motivpalette mehr enthält als die häufig norddeutschen Landschaftsmotive.

Ein paar Schritte weiter hängt der Beweis seiner Worte an der Wand. Mehrere bunt gekleidete Reiter kämpfen in einem Rennen darum, ihr Pferd als erstes über die Ziellinie zu bringen, die Pferde sind in der Momentaufnahme eines Sekundenbruchteils im vollen Galopp erstarrt. „Die sind so schnell, da kann man nur Einblicke mitnehmen“, erklärt Klein, der tatsächlich ein bisschen so aussieht, wie man sich gemeinhin einen Maler vorstellt: Die Augen schauen etwas prüfend hinter großen ovalen Brillengläsern hervor, darüber ziehen sich grau-weiße Augenbrauen.

Um solch ein vergängliches Motiv wie das Galopprennen auf die Leinwand zu bannen, braucht es Vorbereitung: Im Vorhinein hat Klein mehrere Studien von Pferden angefertigt, um ihren Bewegungsablauf naturgetreu wiedergeben zu können, und diese in einem Bild vereinigt. So haben auch die meisten anderen Bilder ihren Anfang genommen: Zuerst lotet der Maler vor Ort in mehreren Skizzen das Motiv und seine Proportionen aus, erst dann beginnt die Umsetzung des Bildes im Atelier.

Aber nicht nur dort wird gemalt: „Ich arbeite auch spontan im Freien“, sagt Klein. „Die Idee wird als Skizze oft woanders geboren“. Und wenn das Wetter mitspielt, zückt der Maler direkt an der Küste seine Pinsel – Pleinairmalerei nennt das der Fachmann. Eigens hierfür habe er eine Konstruktion für den Transport noch feuchter Bilder gebaut, erklärt er. Denn sein favorisiertes Material, die Ölfarbe, benötige bis zu einem Jahr, um völlig zu trocknen.

Er muss es wissen: Günter Klein ist Vollzeitkünstler und hat sich vor über 30 Jahren mit der Selbstständigkeit hauptberuflich der Malerei verschrieben. „Ich gehöre zu den wenigen Künstlern, die nur mit und von der Malerei leben“, erzählt er. „Bereits 1966 hatte ich meine erste Ausstellung“. Es folgten dutzende weitere im In- und Ausland, derzeit präsentiert der geborene Lilienthaler seine Werke regelmäßig auf den ostfriesischen Inseln und öffnet an diesem Sonnabend die Türen seiner Malwerkstatt im Rahmen des Kulturfestes für Besucher.

Neue Motive auszuwählen und Ideen auf den Weg zu bringen sei für ihn jedoch auch nach 50 Jahren Ausstellungserfahrung keine Schwierigkeit. „Für mich ist jeder Tag anders, nicht vorprogrammiert“, erzählt der Maler, „viele Motive sehe ich spontan“. Den Grundstein für Kleins kreatives Schaffen legte bereits sein Großvater in Kleins Kindheit. „Ich bin mit Terpentingeruch groß geworden“, sagt der Achimer Künstler.

Auch wenn er sich größtenteils der impressionistischen Ölmalerei verschrieben hat, probiert er neue Techniken aus. Zwischen Gläsern mit Pinseln und zusammengeknautschten Farbtuben finden sich im Atelier ebenso dreidimensionale Werke. Mal hat Klein Holzstücke mit in das Bild einbezogen, und so einen kleinen Zaun gebaut, der eine Gruppe von Kühen auf der Weide am Ausbüxen hindert, mal gesellen sich Miniaturfiguren zu der Landschaft eines in Öl gemalten, mit Pappe stufenartig angelegten Bildes. In collagenähnlichen Werken, die Klein selbst „Papiertheater“ getauft hat, verbindet er in einem Fall Naturmaterialien wie Muscheln und Federn mit der technischen Querschnittzeichnung eines Leuchtturms und einer Pastellzeichnung des rot-weiß-geringelten Gebäudes.

Fundstücke wie Treibholz, das Klein an Flussufern findet, verbaut er gerne zu Schwemmholzobjekten. Oft fügt er den Holzstücken nur noch Kleinigkeiten wie Augen oder einen Sockel hinzu – ihre natürliche Form beflügelt bereits die Fantasie des Finders. „Wenn ich etwas unter hunderten Objekten entdecke, weiß ich sofort, was ich damit machen will“, verrät Klein und zeigt ein zusammengesetztes Holzobjekt, das aussieht wie ein Wal mitsamt Jungtier. „Der Ideenvielfalt sind keine Grenzen gesetzt.“

Das Atelier von Klein (Heimstättenweg 4) ist an diesem Sonnabend von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Ebenso gibt es, wie berichtet, von 15 bis 18 Uhr „Keramik im Garten“ bei Ulla Buchalla , Zedernstraße 22, wobei explizit auch Gartenfreunde eingeladen sind.

„Die Idee wird als Skizze oft woanders geboren.“ Günter Klein
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