Fußball Oberliga

Der Taktik-Apostel

Sven Apostel ist der neue Co-Trainer von Fabrizio Muzzicato beim TB Uphusen und gilt als Taktikfuchs.
23.07.2019, 18:59
Lesedauer: 3 Min
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Der Taktik-Apostel
Von Patrick Hilmes
Der Taktik-Apostel

Mit Sven Apostel (links) hat Fabrizio Muzzicato in dieser Saison einen ganz anderen Typ Co-Trainer an seiner Seite als in der vergangenen Spielzeit.

Jonas Kako

Er redet schnell. Man muss sich konzentrieren, um ihn zu folgen. Tut man das, merkt man direkt: Der weiß, wovon er redet. Und wenn er über Fußball redet, dann leuchten seine Augen. Insbesondere gilt das für Taktiken. Welches Spielsystem, welches Anlaufverhalten, welche Wege, wer macht was auf dem Platz. All dies erklärt Sven Apostel seit dieser Saison den Spielern des TB Uphusen, denn er ist der neue Co-Trainer von Fabrizio Muzzicato.

Zuletzt stand Sven Apostel an der Seite von Fabrizios Bruder Benedetto Muzzicato beim Regionalligisten BSV Rehden. Der Unterschied zwischen den beiden Brüdern bestehe laut Apostel im Wesen beider: „Fabrizio als Typ ist ruhiger, Benedetto hingegen forscher. Aber sie haben eine ähnliche Spielintelligenz und Spielverständnis. Da nehmen sie sich nicht viel.“ Vom Typ her ist auch Sven Apostel ein ganz anderer als sein Vorgänger Mike Gabel. Der neue Coach des Brinkumer SV ist ein Lautsprecher. Wer nicht wusste, welche Rollen Muzzicato und Gabel in der vergangenen Saison hatten, der konnte den Eindruck im Spiel gewinnen, Gabel sei der Chef-Trainer. Apostel hingegen prescht nicht nach vorne. Er hält sich im Hintergrund, steht nicht am Rande der Coachingzone zum Spielfeld, sondern bei den Auswechselspielern auf der Bank. In wenigen Situationen tritt er mal hervor und gibt taktische Anweisungen.

Taktik, das ist Apostels Ding, davon ist er fasziniert und dafür wendet er eine Menge Zeit auf. Wenn seine drei Kinder schlafen, dann macht er sich über Fußball Gedanken. Wenn seine Kinder wie in diesen Tagen schwimmen gehen, dann hat Apostel ein Auge auf sie und das andere auf seinem iPad und somit auf Taktiken, Trainingseinheiten und Spielzüge. „Wenn ich Zeit hab, dann mach ich mir schon nen Kopf“, sagt er selbst.

Doch das war nicht immer so. Als Aktiver spielte Apostel für diverse Mannschaften wie den SV Atlas Delmenhorst oder etwa dem VfB Oldenburg und kann auf über 100 Einsätze in der vierthöchsten Klasse verweisen. Doch damals war noch alles anders beim heute 42-Jährigen. „Früher als Spieler hatte ich nicht so den Blick auf die Taktik gehabt. Ich hatte immer ein gewisses Auge, aber ich saß nicht vorm Fernsehen und hab gesehen: Oh, die spielen im 4-3-3, wie laufen die an und so weiter. Das hat sich erst hinterher geändert.“ Nach seiner Spielerlaufbahn hat er sich reingefuchst in diese Welt und gilt heute als Taktikfuchs.

Doch als reiner Taktiker kann der A-Lizenz-Inhaber nicht betitelt werden. Denn seine Gedanken drehen sich nicht ausschließlich um Spielsysteme und Passwege. „Ich höre mir jeden Tag Podcasts an, alles mit Sinn und Verstand.“ Heißt: Ernährung, Trainingsmethoden, Motivation et cetera. Das alles nutzt er auch dafür, um Spieler besser zu machen. Beispielsweise liest er gerade ein Buch, das besagt, dass Ehrgeiz über Talent siegt. „Das habe ich mir auch immer gesagt. Mozart etwa wurde sein Talent nicht nur in die Wiege gelegt, es war auch harte Arbeit und Fleiß.“ Im Fußball stehen Spieler wie Miroslav Klose und Thomas Müller für diese These parat. „Viele hatten früher Mitspieler, die eigentlich schlechter waren aber später viel höher spielten. Das ist das Ergebnis von harter Arbeit und das gebe ich den Spielern mit auf den Weg.“

In der anstehenden Saison werden das die des TB Uphusen sein und Apostel ist positiv überrascht von den Arenkampkickern. „Das sind tolle Jungs. Insbesondere am Passspiel wird es nicht in der nächsten Saison scheitern. Auch vom Fußballerischen bin ich überrascht, das ist teilweise schon echt gut. Bei der Arbeit gegen den Ball müssen wir aber noch was machen, da stimmt noch einiges nicht.“ Das gelte ebenso für das Umschaltspiel in der Offensive des Oberligisten.

Um dem Abhilfe zu schaffen arbeitet Apostel auch intensiv mit den Spielern abseits des Platzes. Er visualisiert viel an der Taktiktafel, zeigt ihnen in Videos und auf Bildern auf, was sie bereits richtig machen und was sie noch verbessern müssen. Hat Apostel das Gefühl, einer passe nicht richtig auf, dann kann auch der Lehrer in ihm durchkommen. „Dann bin ich auch so drauf, dass ich einen Spieler an die Tafel hole und er soll erklären.“ In Uphusen sei es bisher aber noch nicht soweit gekommen. Bisher zeigt sich Apostel von allem in Uphusen begeistert, von Spielern wie auch den Trainingsbedingungen. Gute Voraussetzungen somit für den Taktik-Apostel. Er verkündet aber nicht den christlichen Glauben in Uphusen, sondern den taktischen Weg der Arenkampkicker.

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